On the fly

QS-Systeme Vester Elektronik, Straubenhardt, hat in den letzten 10 Jahren einen gewaltigen Sprung nach vorn gemacht. Geschickte Kooperationen, maßvolle Investitionen, blitzschnelle Qualitätssicherungs-Produkte und?
31. Mai 2005

Seit zwei Jahren steht der moderne, lichtdurchflutete Vester-Bau im neuen Industriegebiet von Straubenhardt, nahe Pforzheim - Hochburg der Stanzer und Werkzeugbauer in Deutschland. Hier tüfteln die Elektronik-Spezialisten von Vester Elektronik an der rasend schnellen Qualitätssicherungs-Ausrüstung für die Stanz- und Umformtechnik, an Spezialsensorik für den äußerst ruppigen Alltag in Stanzwerkzeugen und den patentierten Lasermark-Systemen für die Laserbeschriftung von Endlos-Stanzprodukten.

Ob Presse oder Werkzeug, Vester macht den Betriebsalltag sicherer und den Produktionsprozeß in jeder Phase rückverfolgbar. Das ist in Zeiten der verschärften Produkthaftung ein unverzichtbarer Bestandteil einer jeden Qualitätssicherung.

Richtige Entscheidungen

»Wir haben uns dem Thema 100%-Kontrolle und Rückverfolgbarkeit bereits frühzeitig von der Anwenderseite her genähert«, so Thomas Vester, der neben Ulrich Renger als Geschäftsführer das erfolgreiche Unternehmen leitet. Zwei Entwicklungs- und Produktionsschwerpunkte - Prozeß-Überwachungstechnik (Sensorik; Stanzwerkzeugüberwachung und Beölungssysteme) sowie die jüngere Meß- und Sortiertechnik - teilen sich den Gesamtumsatz des 50-Mann-Betriebes zu etwa gleichen Teilen. »Allein mit unseren Sensoren erzielen wir derzeit circa 3 Mio. Euro Umsatz«, erklärt Thomas Vester und wirft einen Blick auf die Anfänge der rasanten Entwicklung bei den optischen Überwachungssystemen: »Nach der rezessiven Phase Anfang der 90er Jahre starteten wir zwischen 1993 und 94 das Thema Bildverarbeitung. Wir hatten uns schon rund sechs Jahre zuvor mit diesem Thema intensiv auseinandergesetzt, aber da war die Zeit noch nicht reif. Die Komponenten waren noch zu langsam und die mögliche Auflösung für Überwachungsprozesse in Stanzereien zu gering.« Zusammen mit dem Partner SAC aus Karlsruhe hat Vester sich nun einen festen Platz bei den Herstellern optoelektronischer Überwachungs- und Sortiersysteme erobert.

Für die Lösung der anspruchsvollen und oft kundenspezifischen Bildverarbeitungsaufgaben werden zunehmend selbstentwickelte und hochwertige Beleuchtungskomponenten eingesetzt. Hierbei konnte auf dem vorhandenen Know-how der optoelektronischen Industriesensorik aufgebaut werden.

Für einen Wimpernschlag

Inzwischen arbeiten in Straubenhardt 25 Mitarbeiter an diesem Thema. Zwei Mitarbeiter widmen sich ausschließlich der Software, die in vielen Fällen exakt auf den kundenspezifischen Anwendungsfall adaptiert werden muß. »Unser frühzeitiger Ansatz ausschließlich PC-gestützte Bildverarbeitungssysteme einzusetzen hat sich als gut und richtig erwiesen. Heute basieren immer mehr Systeme auf der immer leistungsfähigeren PC-Technik. Jedoch hätten wir vor zehn Jahren nie gedacht, daß sich dieser Bereich derartig dynamisch entwickeln würde«, zeigt sich Thomas Vester noch heute überrascht. Die Entwicklung forderte mehr und mehr Raum für immer mehr Mitarbeiter, bis man sich vor vier Jahren zum Neubau entschloß: »Das haben wir nicht leichten Herzens getan, aber aus heutiger Sicht war das absolut notwendig und richtig. Schulungsräume für Mitarbeiter und Kunden, helle, freundliche Besprechungsräume, eine aufgeräumte, sichere Fertigung mit kürzesten Wegen für die einfache Logistik, all das hat zu unserem weiteren Wachstum beigetragen. Im Bereich ›Lohnsortierung‹ können wir unseren Kunden die 100% - Kontrolle auf unseren Prüf- und Sortierautomaten als Dienstleistung anbieten.«

Die 100%-Überwachung in vielen Stanzereien - die inzwischen oft mit den Vester-Videocheck-Automaten erfolgt - beweist inzwischen tagtäglich, daß die schnellen, endlos laufenden Stanzbänder heute in weit kürzerer Zeit als einem Wimpernschlag sicher überwacht und sortiert werden können.

Kooperatives Wachstum

Vor 12 Jahren fanden Vester und das Schweizer Partnerunternehmen Siegfried AG, Aarberg, zueinander: »Ein absolut richtiger Schritt, denn wir konnten uns beide auf unsere ureigenen Kernkompetenzen konzentrieren und dennoch eine breite, umfangreiche Produktpalette von der Optosensorik, Werkzeug- und Prozeßüberwachungs- und Steuersystemen, Minimalbeölungssystemen sowie Bildverarbeitungssystemen aus der ›Videocheck VVC‹-Produktlinie, zur 100%-Kontrolle von endlos gestanztem Bandmaterial oder Einzelteilen für die Stanz- und Umformtechnik anbieten. Das zahlt sich heute aus, denn durch diese Kooperation konnten wir beide weiter wachsen« Vester Elektronik ist Thomas Vester zufolge inzwischen Marktführer im Bereich Industriesensorik für Stanz- und Umformprozesse. »Natürlich liefern wir keine großen Stückzahlen, da unsere Sensoren - beispielsweise für den rauhen Alltag in einem Stanzwerkzeug - auch kundenspezifisch hergestellt werden, wenn nötig sogar in Einzelfertigung. Aber das ist auch nicht unser Ziel. Wir gehen in die Bereiche, die für die großen Sensorhersteller einfach zu speziell sind. Inzwischen haben wir Kunden aus der gesamten Umgebung, Werkzeugbauer und Stanzereien. Auch als Marktführer sind wir uns unserer Verantwortung gegenüber unseren Stamm- und Neukunden aber durchaus bewußt geblieben.« Die Kooperation mit der Siegfried AG auch in der Vertriebsebene hat beide Partner befähigt europaweit und selbst darüber hinaus den Stanzern und Umformern die Arbeit zu erleichtern. »Manche Systeme sind mit unseren Kunden zusammen bereits in Übersee im Einsatz«, erklärt Thomas Vester nicht ohne Stolz über das Erreichte.

Die »Rückverfolgbarkeit« über die gesamte Prozeßkette endet nicht mit der 100-Prozent-Prüfung der Bauteile, oder der Überwachung der Werkzeuge davor. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die tadellose, lückenlose Beschriftung der oft winzigen, ausgestanzten und umgeformten Bauteile. Vor drei Jahren ging Vester auch diese Problematik konsequent an.

»Lasermark« lautet das Ergebnis dieser intensiven Bemühungen (bbr 5/6 2004 Seite 10 ff.). Das System beschriftet die durchlaufenden Teile sozusagen im Vorbeiflug (on the fly) mittels Laser.

»Markiger« Beschrifter

»Wir haben uns dieses System patentieren lassen. Eines davon steht bei unserem Kunden Leicht + Müller aus Remchingen - einem innovativen Werkzeugbau- und Stanzbetrieb.« Der Vester-Kunde fertigt in etwa 100 Millionen Präzisions-Steckkontakte eines Typs für die Automobilindustrie und stützt sich bei seiner prozeßorientierten Qualitätssicherung zum guten Teil auf die Elektronik aus Straubenhardt. Aus zwei Metallbändern entstehen in nur einem Arbeitsgang fertig montierte, lasergeschweißte Kontakte, die in der Stanzteil-Prüfzelle von Vester Elektronik mittels zweier Hochgeschwindigkeitskameras (bis 3.000 Bilder/min) auf etwa 10 Merkmale mit Toleranzen von +/- 0,02 mm hin überprüft werden. Anschließend erfolgt mit dem Lasermark VLM 600 eine kontinuierliche Beschriftung im Durchlauf. Mehr als 1.500 Teile à Sechs-Zeichen-Code lassen sich mit dem VLM 600 pro Minute beschriften. Noch sind die Lasermark-Systeme teuer, was zum erheblichen Teil auch an den teuren Laserquellen liegt. »Ich bin mir sicher, daß wir auch hier noch Potentiale finden werden«, so Thomas Vester zuversichtlich.

Vester goes public…

Der Blick in den Terminkalender des Unternehmens zeigt, daß Messen ein unverzichtbarer Bestandteil der Kundenwerbung- und -gewinnung geworden sind: »Wir werden sowohl auf der Control Italien in Parma, als auch auf der Control in Sinsheim sein. Auch die Blechexpo in Sinsheim haben wir im Programm, wo wir viele interessante Fachbesucher erwarten. Natürlich werden wir auch auf der 2. Stamping-Days-Pforzheim wieder dabeisein«, rekapituliert Thomas Vester. Auf der Blechexpo beispielsweise kann man sich ein Bild machen, wie die Prozeßkette Stanzen zum kalkulierbaren, nachvollziehbaren und qualitätssicheren Unternehmen gerät - nicht zuletzt dank der wachsamen »Augen« und unermüdlichen »Beschrifter« aus Straubenhardt.

Erik Schäfer

BACKGROUND

Vester Elektronik GmbH

Gründung _ 1968

Geschäftleiter _ Ulrich Renger und Thomas Vester

Mitarbeiterzahl _ 50

Produkte _ Optosensorik, Werkzeug- und Prozeßüberwachungs- und Steuersysteme, Minimalbeölungssysteme, Bildverarbeitungssysteme zur 100-Prozent-Kontrolle von endlos gestanztem Bandmaterial oder von Einzelteilen sowie die Laser-Beschriftungssysteme »Lasermark VLM600«.

Erschienen in Ausgabe: 03/2005