"Ohne die übliche Materialschlacht"

Stamping-Days am "Stanzort"-Pforzheim, eine Erfolgsstory?

Fachmessen gibt es viele. Jährlich werden es mehr. Warum also noch eine Fachmesse für die Stanzer? BBR sprach mit dem Initiator und Macher, Ulrich Brosz

07. Januar 2004
Get up! Ulrich Brosz: Die meisten haben schon für 2005 ihre Beteiligung gebucht!
Bild 1: "Ohne die übliche Materialschlacht" (Get up! Ulrich Brosz: Die meisten haben schon für 2005 ihre Beteiligung gebucht!)

bbr:Als wir die erste Vorabmeldung in BBR 10/2003 brachten, da war uns der Stand von zwei der insgesamt drei Tage ?Stamping-Days-Pforzheim? bekannt: 650 Fachbesucher am 1. Tag, knapp 1.000 am zweiten Tag. Nun wissen wir es: Am dritten und damit letzten Tag der Fachmesse, waren es nochmals 700 Besucher. Waren das die Leute, die Sie und die Aussteller haben wollten, Herr Brosz?

Hr. Brosz:Ja. Wir hatten tatsächlich - und das ist der aktuelle Stand - 2.800 Fachbesucher! Und wenn ich an die lachenden Gesichter, an die Glückwunschschreiben und auch an die Neuanmeldungen für 2005 denke, dann bin ich mir ganz sicher: Das waren genau die richtigen Messe-Besucher! Einer der Aussteller hat mich übrigens auf der Messe innigst umarmt und gemeint, das sei seine beste Messe seit einem Jahrzehnt! Ein anderer hat mit großer Geste seinen Messestand umarmt und diesen als die & pos;genialsten neun Quadratmeter seines Lebens& pos; bezeichnet. Wann bekommt man so etwas schon zu hören!

bbr:Eigentlich war ja ein Kongreß geplant. Warum mußte es da gleich eine Messe werden?

Hr. Brosz:Das war die weise Entscheidung des Messe-Beirates, der sich aus einigen Unternehmern der Region zusammengesetzt hat. Mit einem reinrassigen Kongreß, so schätze ich, wären wir wohl voll baden gegangen. Bei solchen Veranstaltungen steht wohl doch mehr das & pos;Verkaufen& pos; im Vordergrund und durch die knapp 30 Vorträge wurde der Kongreß-Charakter doch etwas erzeugt!

bbr:Stamping-Days-Pforzheim, das klingt ein bißchen nach ?Mix it, Baby?. War& pos;s denn auch so international, wie uns der englische Name suggerieren will?

Hr. Brosz:Nein. Natürlich NOCH nicht! Wir haben aber auch nur in der inländischen Fachpresse geworben. Hatten aber trotzdem Aussteller aus Italien, der Schweiz, den Niederlanden und anderen europäischen Ländern. Wir haben den ?Pforzheimer Stanztagen? natürlich mit dem Hintergedanken der internationalen Beteiligung und der internationalen Besucher den neudeutschen Namen Stamping-Days-Pforzheim gegeben. Das war auch völlig korrekt, denn unser Akquisitionspotential ist ja weltweit. Und dieses Potential werden wir zu den nächsten Stamping-Days auch heftig anzapfen!

bbr:Allein hätten Sie die Messe sicher nicht stemmen können, wer waren denn die Helfer hinter dem Vorhang?

Hr. Brosz: Ich habe die Messe konzeptioniert, organisiert und bin für die Akquisition der Aussteller etc. zuständig. Die Messe ist also mein Baby. Aber, ohne Herrn Ihlenfeld von der PKM GmbH hätte die Messe nicht stattgefunden. Sein Team ist für das Hallenmanagement und alles was dazu gehört zuständig. Dritter im Bunde ist das webcontact-Team, das den Internetauftritt betreut hat und auch zukünftig betreuen und ausbauen wird. Weitere Akteure gibt es nicht, auch wenn das bei uns in der lokalen Tagespresse z. T. anders dargestellt wird. Aber, der Erfolg hat bekanntlich viele Väter!

bbr:Ihr Internet-Auftritt mit dem Messeticker "Neu angemeldet haben sich:" hat auch noch kurz vor Messebeginn einige Hersteller angelockt. Clever gemacht! Doch mit welchem Konzept konnten sie die Aussteller auf der Messe überzeugen?

Hr. Brosz: Drei Faktoren haben in der Kombination sehr gut gewirkt: Erstens der Standort. Pforzheim. Wir haben hier einen Cluster, also eine Häufung an Unternehmen, die als Aussteller für diese Messe in Frage kommen und auch gern von der Möglichkeit Gebrauch gemacht haben. Zweitens der Zeitpunkt. Es gab in diesem Jahr keine Branchen-Messe und der Informationsbedarf ist und war hoch, da sich die Branche im Wandel befindet. Drittens der Typus der Messe, der bewußt weit weg ist von der üblichen Materialschlacht und dem immensen Präsentationszwang auf den großen Messen. Auf den Stamping-Days-Pforzheim gab es einheitliche Messestände, die im Quadratmeterpreis inklusive waren und den Aufwand - speziell für kleine Unternehmen - betriebswirtschaftlich unbedenklich machten. Ich wurde übrigens mehrmals darauf angesprochen, unbedingt diesen ?familiären? Charakter der Messe zu erhalten!

bbr:Die Aussteller in der oberen Etage des Kongreßzentrums, fühlten sich am ersten Tage noch etwas einsam. Viele Besucher gingen nicht nach oben. Konnten die Aussteller da noch am allgemeinen Run auf die Messe partizipieren?

Hr. Brosz: Ach ja! Die einen jammern, die anderen sind ultra-zufrieden. Ich denke, es lag auch zum Teil an der akquisitorischen Vorarbeit, die die Aussteller selbst im zeitlichen Vorfeld geleistet haben. Aber, wir sind ja flexibel und lernfähig. Bei den nächsten Stamping-Days wird die obere Etage die ?Premium?-Etage. Dann wollen alle nach oben. ;-) Wir werden uns auf jeden Fall was einfallen lassen und auch die Standplatzverteilung werden wir überdenken!

bbr:Schon am zweiten Tag der Messe haben Sie die 2.Stamping-Days im Jahr 2005 ausgerufen. Optimistischer Überschwang oder echtes Kalkül?

Hr. Brosz:Das Poster mit dem Termin für die zweiten Stamping-Days hing schon am ersten Tag, beziehungsweise war schon eine Woche vor den ersten Stamping-Days fertig. Es erschien mir unwahrscheinlich, daß eine Messe, die vom Start weg ausgebucht ist, sich während der Veranstaltung als Rohrkrepierer erweist. Darüber hinaus hat das Jahr nur 365 Tage und wir mußten uns die benötigten 6 Tage im Congresscentrum Pforzheim schon jetzt für 2005 reservieren. Damit ist auch die Frage vom Tisch, ob die nächsten Stamping-Days in Pforzheim oder Karlsruhe stattfinden!

bbr:Einige Unternehmen hielten sich noch vornehm zurück. Sie waren ?nur? mit einem der insgesamt 27 Fachreferaten beteiligt. Konnten Sie die schon überzeugen, das nächste Mal einen Stand zu belegen?

Hr. Brosz: Die meisten haben schon für 2005 ihre Beteiligung gebucht!

bbr:Ein Pressenhersteller aus der Schweiz präsentierte seine Pressen auf einem LKW vor dem Haupteingang. Eine Option auch für die anderen Aussteller?

Hr. Brosz:Klar. Man muß sich allerdings im klaren sein, daß der Standplatz ordentlich den Geldbeutel belastet und man auf jeden Fall auch Aussteller sein muß. Ob das gewünschte Exponat auf dem Vorplatz präsentiert werden kann, muß allerdings von Fall zu Fall entschieden werden!

bbr:Herr Brosz, mit der Internetplattform der Stamping-Days-Pforzheim wollen Sie die Branche kontinuierlich betreuen. Hat die Branche angebissen?

Hr. Brosz:Ja. Wir haben bei unserer Präsentation des Portals www.stamping-days.de sehr gute Resonanzen bekommen. Zumal die Leistungen, die das Portal bietet, bislang einmalig sind. Wir haben im realen Leben mit der Messe ein beachtliches Informations-Schwergewicht für die Branche geschaffen, und werden das in die virtuelle Welt übersetzen. Das Portal ist allerdings in weiten Bereichen den Mitgliedern, also der Stamping-Days-Family, vorbehalten. Über das Leistungsangebot kann sich jeder ab Dezember direkt informieren!

bbr: Besten Dank für das Gespräch.

Erschienen in Ausgabe: 11/2003