Ohne Chip kein Gas

Neue Schnell-Kupplung stoppt unkontrollierte Entnahme von sensiblen Gasen

Jeder Sicherheitsingenieur weiß: Wo unkontrolliert durch Subunternehmer oder unqualifiziertes Personal Schweiß- und Brennarbeiten durchgeführt werden, kann es zu schweren Unfällen kommen. Ein einfacher Metall-Chip zwischen Kupplung und Schlauch - nicht größer als ein Fünfmarkstück - sorgt jetzt für mehr Sicherheit: Eine neue Schnell-Kupplung mit Kennmarkenverriegelung verhindert auf einfache, aber wirkungsvolle Weise unsachgemäßes Entnehmen von Brenngas und/oder Sauerstoff aus Gasentnahmestellen.

05. April 2002

Entwickelt wurde die Weltneuheit von dem Wittener Traditionsunternehmen Witt-Gasetechnik, weltweit Marktführer bei Gas-Sicherheitsarmaturen, Gasmisch-, Gasdosier- und Gasmeßgeräten, erstmals 1997 für die Werftindustrie, weil es im Schiffskörperbau in der Vergangenheit immer wieder zu unkontrolliertem Ausströmen von Acetylen und Sauerstoff kam. Schlimme Raumexplosionen waren die Folge. Aus diesem Grunde besteht auf den Werften auch die Vorschrift, daß der Autogenschlauch bei Arbeitsunterbrechung sichtbar von der Entnahmestelle getrennt oder ganz aus dem Schiff entfernt werden muß.

Die neue „Marke sicher“ sorgt nun dafür, daß die Vorschrift auch eingehalten werden kann. Als einer der ersten Kunden hat eine der größten deutschen Werften, die HDW (Howaldtswerke Deutsche Werft) in Kiel, flächendeckend in ihren Sektionen mit dem Einbau der Schlauchkupplung mit Kennmarkenverriegelung begonnen.

„Marke sicher“ nennt Personalnummer

Bei der Kennmarke handelt es sich um einen etwa 5 cm breiten, flachen Ring mit drei Stiften, den der Schweißfachmann beim Einkuppeln zwischen Kupplung und Schlauch einschieben muß. Die Stifte werden in die Kupplung eingedrückt und setzen den Gasfluß in Gang. Nur wenn die Kennmarke eingekuppelt ist, kann Gas entnommen werden. Kennmarken werden nur an Mitarbeiter ausgegeben, die für den Betrieb eines Autogengeräts ausgebildet und berechtigt sind. Die Marke trägt entweder die Personalnummer des Mitarbeiters oder die Betriebsnummer des Subunternehmens, das die Schweißarbeiten im Werksauftrag ausführen darf.

Nicht auf Dritte übertragbar

Ausgehändigt wird die Marke gegen Quittung entweder von der Werksfeuerwehr, dem Sicherheitsingenieur oder dem Magazinverwalter. Die Kennmarke darf grundsätzlich nicht auf andere Personen übertragen werden. Auch bei kurzzeitigen Arbeitsunterbrechungen muß der Mitarbeiter sie wieder an sich nehmen. Das geht nur, wenn das Schweißgerät von der Entnahmestelle getrennt ist. Nach Beendigung der Schweißarbeiten und vor dem Verlassen des Werkes gibt der Mitarbeiter die Kennmarke an die Feuerwehr zurück. Nur so kann die Werksfeuerwehr beurteilen, ob und wie lange eine Brandwache durchgeführt werden muß.

Die neuartigen Sicherheitskupplungen erhöhen die Sicherheit nicht nur an den Entnahmestellen für Schweißgase, sondern auch dort, wo Kohlendioxid (CO2) entnommen werden kann.

Mitarbeiter für Marke verantwortlich

HDW-Maschinenschlosser Dieter Breitkopf, auf der Werft und an Bord für die gesamte Medieninstandhaltung zuständig, wird insgesamt 1.200 Kennmarken an Mitarbeiter verteilen, die Schweißarbeiten ausführen dürfen. Rund 400 Chips gehen an Fremdfirmen, die im HDW-Auftrag in einzelnen Sektionen tätig sind. Die Kennmarken tragen die HDW-Personalnummern. Bei Fremdfirmen wird der Chip mit einer Kennziffer und der Anzahl der ausgegebenen Marke versehen. „Damit ist klar, daß jeder Mitarbeiter für seine Marke verantwortlich ist. Wir können sofort erkennen, wem ein Schlauch gehört, der in der Pause oder zum Arbeitsende nicht entkuppelt wurde“, sagt Breitkopf.

Kein Chip, keine Kupplung

Die Kontrolle der Schläuche und die Zuordnung der Schweißgeräte - in dem riesigen Kabelgewirr der Sektionen fast unmöglich - dauert mit Hilfe der Marke nur noch Sekunden.

Mitarbeiter, die zu lässig mit ihrem Autogengerät umgehen, können nachgeschult werden. Breitkopf: „In Zukunft sieht das auf der HDW so aus: Wer hier keine Kennmarke beantragt, bekommt auch keine Kupplung. Zur Kennmarke gibt es keine Alternative. Dieser einfache Chip gibt uns zusätzliche Sicherheit, auf die wir nicht verzichten wollen.“

Sichere Durchführung von Arbeiten gemäß neuer UVV

Grundsätzlich gibt die Kupplung mit Kennmarkenverriegelungen Unternehmen die Möglichkeit, daß Autogenarbeiten nur von Fachleuten ausgeführt werden dürfen oder zumindest von ihnen überwacht werden müssen. Das unterstützt sie vor allem bei der Einhaltung der neuen Unfallverhütungsvorschrift (UVV) Gase (VBG 61), deren Geltungsbereich von der früheren Unfallverhütung zu einer reinen Betriebsvorschrift umgewandelt wurde. Darin weisen die Berufsgenossenschaften den Verantwortungsbereich für die sichere Durchführung der Arbeiten den Versicherten zu. Für alle Betriebe, die den Metall-Berufsgenossenschaften angeschlossen sind, bedeutet das, daß die Versicherten mindestens einmal jährlich eine Sicherheitsunterweisung erhalten müssen. Diese muß arbeitsplatzbezogen sein und durch Unterschrift bestätigt werden. Mit Übergabe der personengebundenen Kennmarke kann der Unternehmer sicherstellen, daß nur der sachkundig Unterwiesene ein Autogengerät in Betrieb nehmen kann.

Erschienen in Ausgabe: 03/2001