Nicht sicher – trotz CE-Zeichen?

Technik/Umformen

Dass es Konsumartikel gibt, die trotz CE-Zeichen nicht sicher sind, selbst wenn dieses Zeichen nicht gefälscht ist, ist bekannt. Dass dies auch bei Umformpressen der Fall sein kann, wissen nur wenige. Auch hier gilt wieder: Besser jemanden fragen, der etwas davon versteht!

02. Oktober 2018
Bei der Anlieferung der Maschinen kamen bei Stürmer Zweifel auf, ob die Maschine den Vorgaben der Norm DIN EN12622 entspricht. Bild: Fiessler
Bild 1: Nicht sicher – trotz CE-Zeichen? (Bei der Anlieferung der Maschinen kamen bei Stürmer Zweifel auf, ob die Maschine den Vorgaben der Norm DIN EN12622 entspricht. Bild: Fiessler )

Durch die fortschreitende Globalisierung und den Import von Maschinen und Anlagen kommen auf die Maschinenhändler und -importeure vermehrt rechtlich relevante Aufgaben zu, vor allem wenn das herstellende Unternehmen außerhalb der EU ansässig ist. In diesem Falle wird der Maschinenhändler und -importeur entsprechend der europäischen Maschinenrichtlinie zum ›Inverkehrbringer‹ der Maschine und in vollem Umfang haftbar. Können sich nun diese Inverkehrbringer auf ein an der Maschine aufgebrachtes und in den Papieren vermerktes und dokumentiertes CE-Zeichen blind verlassen? Nein, heißt die Antwort, wie das folgende Beispiel einer Gesenkbiegepresse deutlich zeigt.

Die Stürmer Maschinen GmbH hat mehrere Mustermaschinen zum Test bei einem nicht in der EU ansässigen Unternehmen bestellt und auch geliefert bekommen – mit CE-Zeichen. Bei der Anlieferung der Maschinen kamen den Verantwortlichen bei Stürmer Zweifel auf, ob die Maschine den Vorgaben der Norm DIN EN12622 entspräche. Für eine Überprüfung der Normkonformität der Maschine wurden die Experten von Fiessler Elektronik kontaktiert, um eine gemeinsame Begutachtung der Maschine durchzuführen. Dabei wurde schnell festgestellt, dass unter anderem das Hydraulikkonzept nicht den Sicherheitsanforderungen entspricht.

Trotz CE-Zeichen fehlerhaft

Darüber hinaus war im Schaltschrank zwar eine Sicherheitssteuerung eines renommierten Herstellers eingebaut, die Sicherheitsschaltkreise waren jedoch fehlerhaft oder mangelhaft eingebunden. Die Integration und Auswertung der optischen Frontabsicherung Akas durch den Maschinenhersteller war ungenügend.

Gerade im gefährlichen Bereich des Umschaltpunkts von Eil- in den Pressgang wurde das System komplett überbrückt. Verletzungen von Finger oder Hand hätten während der Schließbewegung im Bereich der Biegelinie nicht verhindert werden können. Unter widrigen Umständen hätte das sogar den Verlust von Fingern oder Hand bedeuten können.

In einem Abnahmeprotokoll wurden sämtliche Punkte, die nicht den Vorgaben der Norm EN12622 entsprachen, aufgeschlüsselt und dokumentiert. Auf Basis dieser Dokumentation hätte der Hersteller der Maschine nun nachbessern müssen. Dies gestaltete sich schwierig, da der Maschinenhersteller in der Zwischenzeit liquidiert worden war und somit auch nicht zur Nachbesserung der Anlage verpflichtet werden konnte.

Sicherheitstechnische Nachrüstung

Da Stürmer Maschinen die Verantwortung als Inverkehrbringer sehr ernst nimmt, scheuten die Verantwortlichen keinen Aufwand, die Maschine entsprechend den geltenden Richtlinien umzurüsten. Stürmer entschied sich nun für eine sicherheitstechnische Nachrüstung der Maschinen mit der neuen modularen Sicherheitssteuerung FMSC. In Zusammenarbeit mit Fiessler Elektronik wurde der Schaltplan überarbeitet und ein Integrationsvorschlag erstellt. Auf Basis dieser Dokumentation wurde der Schaltschrank seitens Stürmer neu strukturiert und verkabelt.

Als letzter Schritt folgte dann die Inbetriebnahme der Gesenkbiegemaschine. Diese erfolgte innerhalb eines Tages. Dabei stellte sich heraus, dass nicht nur die Sicherheit der Maschine nun im ›grünen Bereich‹ ist, sondern darüber hinaus die Performance der Gesenkbiegepresse durch die schnelle Reaktionszeit der FMSC deutlich erhöht werden konnte. Außerdem wird nun auch das Akas-System durch einen speziellen Softwarebaustein korrekt ausgewertet und bietet somit höchste Sicherheit bei allen Biegevorgängen. Eine erneute Beurteilung der Maschinenfunktionen ergab, dass diese Maschine nun den sicherheitstechnischen Anforderungen der DIN EN 12622 entspricht.

Euroblech Halle 12, Stand C36

Erschienen in Ausgabe: 06/2018