Neue Wege

Technik / CAD-CAM

Das Biegeumformen ist ein kostengünstiges Verfahren. Mit der neuen Version der SPI-Blechsoftware lassen sich nun Freiformflächen fertigungsgerecht für Teile abwickeln, die bisher im Biegeverfahren als nicht produzierbar galten.

01. Oktober 2012

Den geringen Kosten des Biegeumformens gegenüber stand eine eingeschränkte Gestaltungsvielfalt, denn für bestimmte Freiformflächen-Entwürfe ließen sich bisher keine nutzbaren Abwicklungen erzeugen. Mit anderen Fertigungsmethoden waren solche Teile zwar herzustellen, Biegen schied als Verfahren jedoch aus. Die neue Version der SPI-Blechsoftware wickelt nun Freiformflächen fertigungsgerecht ab.

Die neue Analysefunktion der Software ermöglicht die Unterteilung von beliebigen Freiformflächen in planare Bereiche, zylinderförmige Bereiche und Bereiche mit gleichbleibenden Krümmungsvorzeichen. Jeder dieser Bereiche erfordert eine spezielle Handhabung zur Erzeugung einer fertigungsgerechten Abwicklung. Das SPI-Verfahren funktioniert unabhängig von der Modellform. Ziel ist die Vermeidung von Gegenkantungen in der Abwicklung. Erreicht wird eine deutliche Verringerung an notwendigen Arbeitsschritten bei gleichbleibender Fertigungsgenauigkeit.

Abwicklung von Teilbereichen und Abwicklung von Baugruppen

Manchmal möchte man nur Teilbereiche und nicht das ganze Modell abwickeln. Das Modell besteht aus Teilkörpern, die miteinander (etwa durch Schweißen) verbunden sind. Während sich die Teilkörper abwickeln lassen, geht dies mit dem Gesamtkörper nicht. Mit der neuen Version lässt sich die zu erzeugende Abwicklung durch die Auswahl einzelner Flächen auf Teilbereiche einschränken.

Im Baugruppenkontext steht ein Kommando zur Verfügung, mit dem alle Blechteile einer Baugruppe simultan abgewickelt werden können. Materialdaten und Abwicklungsparameter können einzelnen oder eben allen Blechteilen der aktuellen Baugruppe gleichzeitig zugeordnet werden. Die Funktion stellt unter anderem sicher, dass keine der Abwicklungen der Baugruppe vergessen wird.

Kugelecken

Die neue Version erlaubt auch, so genannte Kugelecken mit verschiedenen Biegewinkeln in scharfkantigen oder gerundeten Konstruktionen zu verwenden. Die Funktion ist für Eckkonstellationen gedacht, in denen zwei oder drei Biegungen aufeinandertreffen. Im Zuge der Fertigung werden die erzeugten Facetten schrittweise übereinander gebogen, sodass letztlich eine verrundete Ecke entsteht. Hierzu kann der Konstrukteur verschiedene Parameter festlegen, etwa Facettenzahl, Verkürzung oder auch Abstände zwischen den Facetten.

Flexible Dateipfade

Ferner kann man den Namen des Abwicklungsziels flexibel definieren. Die manuelle Vergabe des Dateipfades entfällt, und die Anbindung an ein PDM-System wird erleichtert. Eine hohe Flexibilität gegenüber individuellen Anforderungen ist dennoch gewährleistet. Variable Bestandteile im Ziel-Dateipfad werden durch aktuelle Werte, unter anderem aus Dokument-/Materialeigenschaften, ersetzt. Bei Änderungen am Ablageschema muss lediglich der flexible Dateipfad an zentraler Stelle angepasst werden.

Toleranter Import und fertigungsspezifischer Export

Beim Import von Daten zeigt sich die SPI-Software sehr tolerant: Häufigste Import-Fehlerquelle ist das Nichterkennen von Biegungen oder nicht parallelen Flächen. SPI kompensiert solche Ungenauigkeiten durch Toleranzoptionen, die sich unter anderem auf Blechdicke, Parallelität von Ober- und Unterseite und Winkel, unter denen angrenzende Flächen aufeinander stoßen, beziehen.

Im Sinne der Blech-Prozesskette ermöglicht SPI das direkte Exportieren der Abwicklungsgeometrie in das Trutops-GEO-Format. Anders als beim Transfer in DXF können erzeugte GEO-Dateien direkt in die Module der Trutops Suite (CAD, Nest, Laser, Punch und Bend) geladen werden. Für die weitere Bearbeitung in PN4000 von Wicam wird eine XML-Datei erzeugt, die entsprechend fertigungsrelevante Informationen mitführt. Auch Dokument- und andere Eigenschaften des Teils können im Rahmen des GEO- oder Wicam-Exports in die Abwicklungsdatei übernommen werden.

Euroblech Halle 11, Stand B41

Hintergrund

Seit Mitte der 80er-Jahre entwickelt und vermarktet SPI CAD-Lösungen für die blechverarbeitende Industrie. SPI reklamiert für sich die Erfindung der Methode, die Blechkonstruktion und Blechabwicklung mit CAD definiert.Auf der Basis jahrzehntelanger Erfahrung mit verschiedenen CAD- und PDM-Systemen will die SPI Systemberatung als Software-Entwicklungspartner profundes Know-how, Qualität und Zuverlässigkeit bieten.

Erschienen in Ausgabe: 06/2012