Neue Dimension

Mit dem Rohrlaser LT7 der BLM Group konnte GAH Alberts die Kapazität in der Verarbeitung von Rohren und Profilen stark erweitern und vor allem von der hohen Effizienz und Produktionsqualität der Maschine profitieren.

16. Februar 2019
Neue Dimension
Dank ihres Tube-Cutter-Schneidkopfes mit 3-kW-Faserlaserquelle und Autofokus … (Bild: Nadia Baldo)

Wir lasten unsere LT8 seit 2016 mehr oder weniger permanent im Dreischichtbetrieb aus«, skizziert Christian Anheier die Notwendigkeit der Investition der Gust. Alberts GmbH & Co. KG in einen zweiten Rohrlaser. Der Assistent der Betriebsleitung des Traditionsunternehmens mit Sitz in Herscheid (Sauerland) empfahl seinen Vorgesetzten, auf die brandneue LT7 der BLM Group zu setzen. Mit ihr würde GAH Alberts einen Großteil der Werkstücke herstellen können, die bei dem Unternehmen seit sechs Jahren auf der LT8 laufen – seine Produktionskapazität hier also erheblich erweitern. »Bei der LT7 hat BLM die Produktivität des Rohrlaserschneidens noch einmal signifikant gesteigert. Darüber hinaus produzieren wir mit der innovativen Technik schneller und sicherer höchste Qualität. Beides haben wir als Wettbewerbsvorteil erkannt«, rundet der technische Betriebswirt das Bild ab.

Zudem sollte die neue Maschine flexibel sein, also einen breiten Arbeitsbereich hinsichtlich der Gewichte und Durchmesser der Materialien sowie der bearbeitbaren Rohrtypen abdecken. Europaweit und über die Grenzen des Kontinents hinaus ist GAH Alberts als Systemanbieter Tausender hochwertiger Artikel aus Metall etwa für Profi- und Hobby-Handwerker bekannt. Schon das macht deutlich, weshalb die traditionsreiche ›Eisenwaren-Fabrik‹ vielseitige Produktionssysteme benötigt. Diese bilden auch das Rückgrat des kontinuierlich wachsenden Unternehmensbereichs Industrieservice. Hier tritt GAH Alberts als Dienstleister für den Stahlbau oder die Nutzfahrzeug- und Büromöbelindustrie auf, der dank seiner Fertigungstiefe komplette Metallkonstruktionen aus einer Hand liefern kann. Häufig handelt es sich bei diesen Lösungen um Kleinserien oder gar Unikate, die das Unternehmen für seine Kunden entwickelt und herstellt.

Hoher Automatisierungsgrad und kürzeste Rüstzeiten

Es liegt auf der Hand: Nur mit Maschinen, die einen hohen Automatisierungsgrad aufweisen und bei großer Flexibilität schnellste Auftragswechsel ermöglichen, lässt sich für einen solchen Markt wirtschaftlich produzieren. »Bei einem Großteil der Werkstücke für den Industrieservice setzen wir heute die LT7 ein«, bescheinigt Anheier dem Rohrlaser, dass er diesen Kriterien entspricht. Der technische Betriebswirt hat viele Jahre im Industrieservice gearbeitet, ist mit der enormen Bandbreite der Anforderungen also bestens vertraut.

Ihre Flexibilität verdankt die Maschine unter anderem ihrem Tube-Cutter-Schneidkopf mit 3-Kilowatt-Faserlaserquelle und Autofokus. Dieser schneidet präzise sowohl runde, quadratische und rechteckige Rohre als auch Sonderabschnitte sowie offene L-, U- und Flachprofile mit Streckengewichten bis 23 kg/m – wobei er wahlweise 2D- oder 3D-Schnitte ausführt. Bei Rundrohren können die Durchmesser zwischen 12 und 152,4 Millimeter betragen. Zudem spielt es für den Tube Cutter keine Rolle, ob er Stahl, Edelstahl, Aluminium, Kupfer oder Messing verarbeiten soll. Das Spektrum schneidbarer Wandstärken reicht von 12 Millimetern bei Stahl bis 4 Millimeter etwa bei Messing. »Die Möglichkeit, 3D-Schnitte auch bei offenen Profilen auszuführen, eröffnet uns viele Optionen, die Produktion zu vereinfachen und effizienter zu gestalten«, betont Anheier einen Vorteil der Flexibilität der Maschine. Bei großen Stückzahlen wiederum profitiert GAH Alberts von der Schnelligkeit des Laserschnitts und dem durchdachten, auf maximale Produktivität ausgelegten Konzept der Maschine. Derzeit zählt die LT7 zu den schnellsten und effizientesten Rohrlasern im Markt. BLM selbst sieht sie sogar an der Spitze.

Aktive Qualitätssicherung

Zu den Highlights dieser Maschinen zählen die neuartigen, von der italienischen Unternehmensgruppe entwickelten Active-Funktionen. Diese intelligenten Werkzeuge ermöglichen es den Rohrlasern, elementare Produktionsparameter automatisch optimal zu justieren – womit sie die Effizienz und Produktionsqualität dieser Maschinen effektiv unterstützen. Dies ist speziell bei der LT7 der Fall.

Mit der patentierten Active Scan-Funktion lässt Alberts vor dem Schneiden die Geometrie der Rohre und Profile auf der Maschine vermessen. Diese gleicht anhand der gescannten Werte anschließend beim Schneiden eventuelle Verformungen automatisch aus. »Der Messvorgang beansprucht kaum eine Sekunde. Wir verlieren durch ihn also keine Zeit, produzieren aber beste Qualität«, konkretisiert Anheier den Nutzen. Bei Bedarf könnten die ermittelten Messwerte sogar genutzt werden, um Kunden zu dokumentieren, dass GAH Alberts aus den Materialien die maximale Qualität herausholt.

›Active Focus‹ steuert bei Materialwechseln, bei verschiedenen Wandstärken oder gemischten 2D- und 3D-Bearbeitungen dynamisch den Brennpunkt des Lasers. Mit anderen Worten: Er wird bei Auftragswechseln stets auf die perfekte Schärfe eingestellt. Die Funktion ›Active Speed‹ passt die Produktionsparameter an veränderte Maschinengeschwindigkeiten an. So ist auch dann höchste Schneidqualität garantiert, wenn die Maschinenführer die Arbeitsgeschwindigkeit der LT7 voll ausreizen.

Während ›Active Piercing‹ auch bei höchster Maschinenleistung für einwandfreie Lochungen sorgt, ermöglicht ›Active Marking‹ das automatische Markieren von Werkstücken. »Alle diese Automatismen tragen wesentlich zu den extrem kurzen Rüstzeiten dieser innovativen Maschine und damit zu ihrer hohen Produktivität bei«, erklärt Anheier. In ihrer Gesamtheit seien diese produktionsunterstützenden Werkzeuge einzigartig. Das habe ebenfalls für den Ausbau der Zusammenarbeit mit der BLM Group und die Installation einer LT7 gesprochen.

Schonende Be- und Entladung

Auch die gesamte Handhabung inklusive Be- und Entladung ist bei der LT7 konsequent darauf ausgerichtet, maximale Produktionsqualität zu garantieren. Sowohl auf der Belade- und Entladeebene als auch während des Schneidens werden die Materialien permanent gestützt. So wartet der Rohrlaser zwischen Spannstock und Lünette mit Stützvorrichtungen auf, die mit Rollen sowie sich selbstständig justierenden Formen ausgestattet sind und mit kontrollierten Achsen gesteuert werden. Sowohl kleine und leichte als auch große und schwere Rohre werden optimal gehandhabt.

Hinter dem Schneidbereich stützt der Entladetisch die Rohre und Profile. Auch er ist mit einer einzigen Formrolle zur seitlichen Führung ausgestattet, die den Positionen der Materialien vertikal folgen. Die Stabilität der Rohre und Profile während der Bearbeitung bildet die Basis der hohen Präzision beim Schneiden. Die ›intelligenten‹ Funktionen und das konstruktive Design der LT7 stellen diese Stabilität praktisch automatisch her.

Anheier: »Bei der LT7 brauchen unsere Maschinenführer weder Schablonen noch Spannbacken an der Lünette zu wechseln.« Auch das komme den kurzen Rüstzeiten und damit der hohen Produktivität der Maschine zugute. Mit dem neuen Rohrlaser löste Alberts eine ältere Anlage ab, die gleichzeitig sägen und bohren konnte. Gegen diese musste die LT7 konkurrieren können – obwohl sie diese Arbeitsschritte nacheinander ausführt. Folglich brauchte GAH eine Anlage, die mit ihrem Faserlaser superschnell schneidet und deren Mechanik diese Schnelligkeit perfekt unterstützt. Letztlich konnten die Taktraten mit dem neuen Rohrlaser gegenüber der ausgedienten Technik sogar mehr als verdoppelt werden. Anheier: »Im Vorfeld der Investition haben wir den Markt sehr sorgfältig eruiert und dabei festgestellt, dass die LT7 bis zu 10 Prozent produktiver arbeitet als andere Rohrlaser der gleichen Kategorie.«

Ein weiteres Argument für die LT7 war die Offenheit der Software der BLM Group hinsichtlich Integrierbarkeit mit Software anderer Hersteller. So wurde die Steuerung der LT7 an die bei GAH Alberts vorhandene Betriebsdatenerfassung und damit auch an das ERP-System angebunden. Für die Zukunft überlegt man, die Entnahme der fertigen Werkstücke von den Entladetischen des Lasers zu automatisieren, um die Arbeit für die Maschinenführer zu erleichtern – der nächste Integrationsschritt im Sinne von Industrie 4.0. Mit der LT7 ist er ohne Weiteres möglich.

»Letztlich kamen nur zwei Anbieter infrage, die in Teilbereichen des Rohrlaserschneidens, wie zum Beispiel bei der Handhabung der Materialien in ihren Maschinen, durchaus verschiedene ›Philosophien‹ verfolgen. Die bisherigen Erfahrungen mit der Technik sowie die Kompetenz und Zuverlässigkeit der Ansprechpartner auch im Service der BLM Group haben uns bestärkt, bei der neuen Maschine ebenfalls auf diesen Hersteller zu vertrauen.«

Die LT7 wurde an einem Feiertag in der ersten Mai-Hälfte 2018 angeliefert und in Betrieb genommen. Die Produktion konnte praktisch aus dem Stand heraus starten. Zum einen waren die Maschinenführer bereits von der LT8 mit der BLM-Software vertraut. Zum anderen ließ GAH Alberts seine Maschinenführer, Konstrukteure und Schlosser vorab eine Woche im Werk des BLM-Group-Unternehmens Adige (benannt nach dem italienischen Namen für die Etsch) in Levico Terme auf die Möglichkeiten der neuen Maschine vorbereiten.

Hoher Automatisierungsgrad und kurze Rüstzeiten

»Die BLM-Software ist ausgesprochen leicht bedienbar. Mit ›Artube‹ können unsere Maschinenführer einen Großteil der einfacheren Sonderkonstruktion für unsere Kunden unmittelbar an der Maschine selbst programmieren«, stellt Anheier fest. Ansonsten werden Teile mit CAD-Systemen konstruiert oder von Kunden gelieferte CAD-Dateien auch ganzer Baugruppen in Artube eingelesen. Dabei bietet Artube die Möglichkeit, bei Step-Dateien die Konturen der Teile zu beeinflussen, um zum Beispiel Steckverbindungen zu optimieren.

Die Programmier- und Steuerungs-Software wandelt die Dateien automatisch in produktionsoptimierte Maschinenprogramme um, wobei die Software bei Baugruppen automatisch deren einzelne Rohrelemente identifiziert. Artube ist Bestandteil der Software-Suite ›BLMelements‹ der BLM Group, die Kunden vielfältige Optionen für die optimale Gestaltung ihrer Prozesse rund um die Rohrlaser der Lasertube-Familie bietet. So lassen sich mit der Simulations-Software ›Partviewer‹ die Produktionszeiten und -kosten im Vorfeld ermitteln. Die Mitarbeiter im Industrieservice erstellen mit ihr Kostenvoranschläge für die Aufträge ihrer Kunden.

Inzwischen lastet GAH Alberts beide Rohrlaser im Zweischichtbetrieb aus. Folglich hat das Unternehmen zwei Schichten als Puffer für Spitzenzeiten frei. Das kommt auch den Maschinenführern zugute. Für sie ist das Arbeiten deutlich entspannter geworden – und dank der Leistungsmerkmale des neuen Lasers noch einmal interessanter sowie einfacher. Darüber hinaus verfügt GAH Alberts mit dem zweiten Laser über ein Back-up für den Fall, dass es bei einem der Rohrlaser Stillstandszeiten, etwa für die Wartung, geben sollte.

In erster Linie schneidet das Unternehmen mit der LT7 Stahl, zunehmend aber auch Aluminium. Ein Beispiel sind die Werbewände mit Alurahmen, die beim letzten DFB-Pokal im Fernsehen im Hintergrund der Interviews mit den Spielern zu sehen waren. Immer wieder entdeckt man bei dem Unternehmen neue Möglichkeiten, was aus der Maschine alles herauszuholen ist. Und das sei letztlich weit mehr, als die BLM Group in der Broschüre zur LT7 verspricht. »Wir haben auch schon Flacheisen im Format 25 mal 6 Zentimeter auf der Maschine teilautomatisiert verarbeitet«, nennt Anheier ein konkretes Beispiel.

Erschienen in Ausgabe: 01/2019
Seite: 44 bis 45