Netz in Reinkultur

Das Ende der Eisenzeit will das Aachener Geburtstagskind zwar nicht einläuten, doch es erforscht seit drei Jahren Alternativen mit Nicht-Eisen-(NE)-Metallen wie Aluminium. Die Rede ist vom Open-Innovation-Forschungscluster Amap, das in Aachen stilgerecht bei einem Partner seinen dritten Geburtstag feierte.

26. Februar 2016

Das Ambiente hätte nicht perfekter sein können: Rund 120 Fachleute aus der Industrie und der RWTH Aachen trafen sich im Januar im „Ford Research and Innovation Center Aachen“, um den dritten Geburtstag mit einem Symposium zu begehen. Anhand projektbezogener Beispiele wurden Amap-spezifische Lösungen und Kompetenzen in Forschungsfragen dargestellt.

Ford baut erste Vollaluminium-Karosserien in Großserie

Darüber hinaus berichteten Experten aus den Unternehmen und Professoren der RWTH über Zukunftsthemen und stellten Projekte des Forschungsclusters Amap vor. Ford ist nicht nur dessen Partner, sondern mit seinem Pick-up-Truck Ford F-150 – dem meistverkauften Fahrzeug in den USA – auch Vorreiter in der erstmaligen Großserien-Anwendung von Vollaluminium-Karosserien.

Beim Ausbau des Aluminiumeinsatzes im Fahrzeugbau setzt Mike Whitens (Ford Research & Advanced Engineering) auf eine verstärkte Zusammenarbeit. Der Director Vehicle and Enterprise Sciences ist sich nämlich sicher, dass beim Aluminium die gleiche Entwicklung ansteht wie beim Stahl mit seinen hochfesten Sorten. „Niemand findet hier allein die Antworten“, so Whitens. „Ich hoffe bei der Arbeit in Amap-Projekten auch auf die Mitwirkung anderer Automobilhersteller.“

Prof. Dr. Rudolf Mathar (Prorektor für Forschung und Struktur der RWTH Aachen) lobte die Arbeit des Clusters und die Tatsache, dass es die Campus-Idee vor vielen Jahren aufgegriffen und in die Tat umgesetzt hat. „Ich hoffe nun darauf, dass Amap auch auf das Campus-Gelände der RWTH Aachen umzieht“, meint der Prorektor. „Amap ist für mich ein Modell mit Vorbildcharakter für unser Campus-Projekt.“

NE-Metalle herstellen und weiterverarbeiten

Diese Botschaften sind ganz im Sinne des Amap-Beiratsvorsitzenden Dr. Klaus Vieregge, der gleichzeitig betonte, dass es bei der Arbeit in dem Forschungscluster nicht nur um Aluminium geht, sondern dass es offen ist für alle Werkstoffe auf den Gebieten der Nicht-Eisen-Metallerzeugung, der Weiterverarbeitung und der Herstellung von Produkten aus NE-Metallen.

Als treibenden Faktor bezeichnete der Leiter der Hydro-Aluminium-Forschung in Bonn die besondere Form der offenen Innovation, „die zugleich eine Chance und ein Risiko“ sei. Im Mittelpunkt stehe die vorwettbewerbliche Erforschung der NE-Metalle unter dem ganzheitlichen Aspekt „vom Einsatzmaterial zum Bauteil“, die einen langfristigen Atem benötige.

Amap-Award verliehen

Eine wichtige Rolle bei der Gründung spielte Prof. Dr. Dr. Bernd Friedrich (Institut für Metallurgische Prozesstechnik und Metallrecycling IME, RWTH Aachen), der damals als AEC-Vorsitzender die Struktur des Clusters definiert und mit umgesetzt hat. Heute ist Prof. Friedrich Cluster-Sprecher der Amap-angeschlossenen RWTH-Institute.

Die Idee zur gemeinsamen industrieübergreifenden Forschung an einem Ort hatte vor rund sieben Jahren Prof. Dr. Wolfgang Schneider, der ehemalige Leiter der Hydro-Aluminium-Forschung in Bonn. Im mittlerweile emeritierten Prof. Dr. Günter Gottstein (Institut für Metallkunde und Metallphysik, RWTH Aachen) fand sich ein engagierter Mitstreiter. Für die Umsetzung durch jahrelange unermüdliche Motivation der Industrie und Forschung erhielten die beiden Wissenschaftler die neuen Amap-Awards.

Begründung von Laudator Prof. Dr. Andreas Bührig-Polaczek (Gießerei-Institut, RWTH Aachen): „Dieser Award steht für ihr Vertrauen in eine innovative und zugleich traditionsbewusste Industrie, bei der anfangs nicht klar war, ob sie überhaupt die Courage zu dieser neuen Form der Kooperation besitzt.“ Die Branche hatte die Courage. Gerne erinnerte sich der Amap-Mitstreiter an die ersten Gespräche in kleinen Gruppen, die schließlich zu dieser Form der Teamarbeit zwischen Firmen und Instituten geführt hat.