Nachher ist man immer schlauer

Nach dem Crash vermessen

Seit September 1999 ist die Crash-Anlage des ADAC in Landsberg in Betrieb. Sie ist eine der modernsten in Europa und hat als erste deutsche von europaweit fünf Crash-Anlagen die Zulassung für Fahrzeugtests nach der „Euro NCAP“-Norm. Zur Erfüllung dieser Norm trägt unter anderem ein mobiler Meßarm der Faro Europe, Stuttgart, bei. Mit ihm werden die Autos vor und nach dem Test vermessen.

20. Juni 2002

Neben zahlreichen Versuchen mit Kindersitzen, Airbag- und Kopfstützensystemen werden in Landsberg zwischen 40 und 50 Testfahrzeuge pro Jahr nach genauen Vorgaben zu Schrott „gefahren“. Speziell im Fahrzeuginneren gibt es viele Bereiche, die von den externen Kameras nicht erfaßt werden und wo auch die installierte Meßtechnik keine Aufschlüsse gibt. Ein typisches Beispiel ist der Fußraum und die relative Lage der Pedale oder der Lenksäule zum Dummy. Um solche Bereiche dokumentierbar zu erfassen, schreibt „Euro NCAP“ vor, daß ein computergestütztes 3D-Meßsystem verwendet werden muß. Beim ADAC übernimmt ein mobiler 3D-Meßarm von Faro Europe diese Aufgabe.

Einfach messen mit SystemUm aussagekräftige Meßergebnisse zu bekommen, werden die Autos vor und nach dem Crash vermessen. Dafür werden sie immer an die gleiche Position gestellt und aufgebockt. Das ist notwendig, um beim Messen mögliche Bewegungen des Fahrzeugs zu vermeiden. Die Messungen erfolgen in einem speziellen Meßfeld von fünf mal acht Metern, das Faro gemeinsam mit den ADAC-Mitarbeitern installiert hat, damit man die Möglichkeit der Faro-Software „Cam2 Measure“ nutzen kann, ,Bocksprünge& pos; zu machen. Dies bedeutet, daß der Meßarm versetzt werden kann und trotzdem im alten Koordinatensystem weiter mißt. Steht das Auto, werden die Meßstellen festgelegt und markiert. Dann wird der Meßarm positioniert und über drei, vier Referenzbohrungen im Boden eingemessen, damit die Software weiß, wo er steht. Markus Sippl, beim Fahrzeugtest für den Bereich Meßtechnik zuständig, legt anschließend das Koordinatensystem des Fahrzeugs fest: „Dazu messe ich Referenzpunkte im Kofferraum, weil sich dieser Bereich beim Frontal-Crash am wenigsten verformt. Als Nullpunkt nehme ich meist die Mitte des Kofferraumschlosses; als weitere Punkte wähle ich Schrauben oder Bohrungen, die möglichst weit auseinander liegen.“ In einigen weiteren Schritten legt er das Koordinatennetz fest: den Ursprung, die Achsen und ihre Richtung. Anschließend wird der Faro-Arm dahin versetzt, wo weitergemessen werden soll, zum Beispiel an die Fahrertür. Es werden drei bis vier Punkte am Boden abgetastet, um dem Rechner die neue Position zu übermitteln. Der „Bocksprung“ ist vollzogen. Im Anschluß daran mißt Markus Sippl die festgelegten Punkte: die Säule auf Schwellerhöhe und auf Fensterkantenhöhe, wichtige Punkte im Fußraum, die Lenkradschraube, alle Pedale und so weiter, selbstverständlich auch auf der anderen Fahrzeugseite.

Das Procedere nach dem Crash ist ähnlich: Erst wird der Arm eingemessen, dann die Referenzpunkte am Kofferraum genommen und das Koordinatennetz erstellt. So hat man die gleiche Ausgangssituation wie vor dem Crash. Für Markus Sippl ist der Umgang mit dem Faro-Arm zur Routine geworden: „Mit der Übung kam ich auf die Feinheiten, und heute funktioniert das System einwandfrei. Daß es so schnell ging, liegt sicher auch an der sehr einfach zu bedienenden Meß-Software Cam2 Measure von Faro.& uot;

Erschienen in Ausgabe: 02/2002