Nach Art des Hauses

Fokus/Wasserstrahlschneiden

Der friesische Flugzeugbauer M+D investiert in die neueste Technologie von Resato International aus den Niederlanden. Qualität, Flexibilität und Support waren einige wichtige Kriterien, die zu dieser Entscheidung führten.

13. Oktober 2015

M&D Flugzeugbau wurde im Jahre 1995 gegründet und verfügt als ein durch die EASA zertifizierter Herstellungs-, Instandsetzungs- sowie Entwicklungsbetrieb bereits über eine langjährige Erfahrung im Flugzeugbau. Neben dem Luftfahrtbereich ist M&D auch ein leistungsstarker Partner der Industrie. Viele verschiedene Bauteile für die Windenergie werden ebenfalls bei M&D in Serie gefertigt.

Mit einem Team von über 100 Mitarbeitern werden unter Einbeziehung von Know-how und den innovativsten Technologien in den Bereichen Prototypenbau, Faserverbundbau, Modell- und Formenbau und mit einer eigenen Lackieranlage bei M&D die fortschrittlichsten Fertigungsmethoden angewandt.

Resato International aus den Niederlanden mit einer Niederlassung in Haan bei Düsseldorf ist einer der führenden Hersteller auf dem Gebiet der Hochdrucktechnik und Wasserstrahlschneidanlagen. Resato produziert Hochdruckkomponenten und -systeme für Drücke bis 14000 bar und gilt mit 20 Jahren Erfahrung als kompetenter Partner für die Entwicklung, Fertigung und Anwendung zuverlässiger Hochdrucksysteme. Resato sieht insbesondere in der hauseigenen Entwicklung und Fertigung die Grundlage für die außergewöhnliche Qualität seiner Produkte.

Wasserstrahlschneiden mit Linearantrieben

Die ACM 3040 mit einem Nettoschneidbereich von 3000 mm x 4000 mm ist komplett ausgestattet. Neben den serienmäßig mittels Linearmotoren angetriebenen X- und Y-Achsen wurde die Maschine zusätzlich mit einem 2,5D-Schneidekopf, der ›Flex-Zone‹-Schneidraumüberwachung und einem Entschlammungssystem ausgerüstet. Eine weitere Besonderheit ist ein versenkbarer Teilbereich des Schneidtisches. Somit können bei M&D Bauteile bis 300 mm Höhe aufgelegt und Materialstärken bis 200 mm Stärke geschnitten werden.

Durch die von Resato modular entwickelte Bauweise kann M&D jederzeit und ohne viel Aufwand auch weitere Optionen nachrüsten. Beispielsweise wäre die Maschine innerhalb vier Stunden mit einem zweiten programmierbaren Schneidkopf ausgestattet.

Die ›Flex-Zone‹ bedeutet mehr Effizienz in einer sicheren Umgebung

Wo früher der Tisch während des Schneidvorgangs unzugänglich war, ist er, durch Verwendung der optionalen ›Flex-Zone‹-Schneidraumüberwachung, nun innerhalb des gesicherten Bereiches frei zugänglich.

Für M&D ist das ein großer Vorteil. Durch die Flex-Zone ist es nun möglich, dass größere Konstruktionen aufgelegt werden können, während die Maschine weiter produziert. Die Maschinenstillstandszeiten werden auf diese Weise auf ein Minimum reduziert. Die somit weiter verbesserbaren Produktionsabläufe bedeuten ein Maximum an Rentabilität.

Die extra freigesetzten Kapazitäten ermöglichen es M&D, auch für andere Kunden bei hoher Qualität kostengünstig im Lohnbetrieb zu fertigen. Die Produktivzeit kann so um bis zu 40 Prozent gesteigert werden.

Da beim Wasserstrahlschneiden keine Hitze, Rauch oder giftigen Dämpfe entstehen, wird natürlich oftmals gewünscht, dass die Maschine auch für mehrere Stunden oder sogar Tage unbemannt produzieren kann.

Unbemanntes Produzieren

Für Kunden mit langen Schneidprogrammen, hat Resato das ›EMS-System‹ (Elektronisches Schneidüberwachungssystem) entwickelt, das serienmäßig mit jeder Anlage geliefert wird. Das übersichtliche EMS-System überwacht, vom Schneidkopf bis zur Pumpe, den gesamten Schneidprozess.

- Grüner Bereich: Der Prozess ist o.k.

- Gelber Bereich: Achtung! Den Prozess kontrollieren, wenn man eine lange Zeit unbemannt schneiden möchte.

- Roter Bereich: Es liegt ein Problem vor. Die Maschine schaltet automatisch alle Komponenten ab. Das Produkt wird nicht beschädigt. Die Maschine verbraucht keinen Strom oder Wasser mehr.

Taper-Kompensation undSchleppfehlerreduktion

Speziell für das Schneiden von Abschrägungen und das Korrigieren des Winkelfehlers hat Resato vor fünf Jahren einen (fünfachsigen) 2,5D-Schneidkopf entwickelt, durch den zwei Ziele erreicht wurden:

1.Anwendungsfreundliche Bedienung

2.Verbesserung der Schnittqualität

Das Resultat dieser Entwicklung könne sich sehen lassen, so Resato, denn im Vergleich zu Produkten sämtlicher renommierter Waterjet-Hersteller sei das Resato-2,5D-Schneidkopfsystem einzigartig.

Bei hohen Schneidgeschwindigkeiten in Verbindung mit bestimmten Materialsorten und -stärken kann nämlich der sogenannte ›Taper-Effect‹ (Winkelfehler) entstehen. Durch ihn wird die Rechtwinkligkeit des Schnittes beeinträchtigt. Dieser Winkelfehler kann durch den Einsatz des 2,5D-Schneidkopfes kompensiert werden.

Im Jahre 2006 hat Resato neben dem konventionellen Schneidkopf auch einen C3-Schneidkopf entwickelt (auch dynamisches Schneiden genannt). Aber die Resultate waren für Resato selbst sowie auch für kritische Kunden nicht ausreichend, obwohl die Holländer zuvor mehrere Anlagen auf diese Weise ausgerüstet hatten. Die Entwicklung sollte erreichen, dass man das Material in allen Stärken an Ecken und Winkeln automatisch korrigieren kann.

Das Ziel hat Resato in Kombination eines automatischen ›Beveling-Schneidkopfes‹ und der passenden Software erreicht. Eigens gesammelte Erfahrungen mit dem Korrigieren von Winkel- und Eckenfehlern können in der Software abgespeichert werden.

Der 2,5D-Schneidkopf ist ein fünfachsiges System, das mit selbst entwickelten Hohlwellenmotoren ausgestattet ist. Bei der Montage werden Hightech-Metall-Metall-Klebeverbindungen verwendet, um so nur minimale Abweichungen und Toleranzen hinnehmen zu müssen, was sich letztendlich auch in der Qualität des Endproduktes widerspiegelt.

Der 2,5D-Schneidkopf ist wie gesagt ein automatischer ›Beveling-Schneidkopf‹, der abhängig von Materialform und -art einen Neigungswinkel von 0° bis 55° zulässt.

Die mögliche Verdrehung des Schneidkopfes von 360º bis +360º erlaubt, dass sich der Schneidkopf zwei Mal um die eigene Achse drehen und dadurch fast jeden Winkel schneiden kann, ohne neu starten oder positionieren zu müssen. Das Resultat ist eine sehr hohe Schnittqualität dank der Vermeidung von Übergängen. Der Abstand zwischen Schneidkopf und Material wird digital gemessen und eventuelle Diskrepanzen werden dabei kontinuierlich korrigiert. Somit können keinerlei Toleranzen in Bezug auf eventuelle Höhen- oder Stärkenunterschiede des Materials entstehen.

Linearer Direktantrieb

Die Entscheidung für einen linearen Direktantrieb bietet folgende Vorteile:

- Sehr niedrige Wartungskosten aufgrund wartungs- und verschleißarmer Bewegungen nach dem sogenannten ›Non-contact-principle‹ (Berührungsfrei-Prinzip).

- Positionierungsgenauigkeit und Wiederholgenauigkeit der Y- und X-Achsen: ± 50 µm (bei 20 °C) über die ganze Länge der Anlage. 

- Bessere Schneidleistungen und Schnittqualitäten aufgrund der Ermöglichung schneller Veränderungen der Schnittgeschwindigkeiten. 

- Die Schneidgeschwindigkeit ist von sehr niedrig bis sehr hoch stufenlos einstell- und programmierbar.

Kontrolle von A bis Z

Alle obengenannten Entwicklungen sind jedoch zwecklos, wenn man nicht während des gesamten Schneidprozesses auch die komplette Kontrolle über das System besitzt. Wichtige Parameter sind hier:

- Ständig konstanter Arbeitsdruck, der so keine mechanische Belastung auf andere Komponenten ausübt und ein stetig gleichbleibendes Vakuum gewährleistet.

- Stufenlos programmierbare, unterschiedliche Arbeitsdrücke ab 300 bar, was zum Schneiden einiger Materialien notwendig ist (beispielsweise Verbundglas mit Folie).

- Stufenlos programmierbare Abrasivmenge (größter Verbrauchsartikel).

Da Resato alles im eigenen Hause entwickelt, können auch alle benötigten Komponenten integriert werden. Die Pumpe wird durch ein HMI-Bedienpult (Human Maschine Interface) digital gesteuert.

Zur ›intelligenten‹ ACM-Wasserstrahlanlage von Resato gehört natürlich auch eine anspruchsvolle Software. Diese Software überprüft eine Vielzahl unterschiedlicher Faktoren und berät den Bediener bereits im Vorfeld.

Ein weiterer Vorteil der Software ist, dass diese auch die richtigen Auftragsparameter für den Schneidkopf ermittelt. Somit können sogar Multikopf-programmierte CAD-CAM-Dateien auch dann noch geschnitten werden, wenn nur ein Kopf verfügbar ist, weil sich der zweite Kopf beispielsweise in der Wartung befindet. Die Vorteile sind:

- höhere Schnittqualität im 2D- und 2,5D-Bereich

- bis zu 30 Prozent geringerer Abrasivverbrauch

- längere Standzeiten auch bei höheren Arbeitsdrücken

- sicheres unbemanntes Produzieren

- geringer Stromverbrauch durch lineare Antriebe und prozessgesteuerte Pumpe

- Positionierungs- und Wiederholgenauigkeit: ± 50 µm (20 °C) über die ganze Maschinenlänge

- keine kumulativen Toleranzen

- niedrige Wartungskosten 

- niedrige Maschinenkosten

›Direct-Help-Service‹

Bei eventuell auftretenden Problemen kann man direkt am Touchscreen eine Fehlerdiagnose durchführen. Des Weiteren sind Resato-Maschinen für Ferndiagnosen mit einer Online-Support-Funktion ausgerüstet.

Resato investiert für die Wartung und Schulung der kompletten Anlage gerne viel Zeit mit den Kunden. Erfahrungsgemäß wird somit die Lernkurve bedeutend verkürzt. Jeder Kunde bekommt zusätzlich freien Zutritt zur ›Resato-Universität‹. Auf dieser wiki.resato.com können rund um die Uhr Informationen abgerufen werden. Auch das in der Schulung Erlernte kann dort wiedergefunden werden. Darüber hinaus werden die angebotenen Problemlösungen mit dazugehörigen Filmen komplettiert.

Auch nachträglich aufzurüsten

Resato erzielt in den neuen Märkten und Segmenten vor allem auch dadurch Erfolg, dass die Berater in der Lage sind, komplette und innovative schlüsselfertige Lösungen anzubieten. Die modulare Bauweise der Resato-Wasserstrahlschneidanlagen ermöglicht es den Kunden, sie auch noch zu einem späteren Zeitpunkt aufzurüsten.

Vorteile sind hier in erster Linie die niedrigen Investitionskosten und die Möglichkeit, eine schnelle und flexible Anpassung an eventuelle Marktveränderungen durchzuführen.

Blechexpo Halle 5, Stand 5207

Hintergrund

Resatos Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der Kunden zu steigern, indem man sie mit Maschinen und Systemen ausstattet, die die Erwartungen der Betreiber erfüllen oder übertreffen. Resato greift dazu auf Kenntnisse zurück, die die Kernkompetenzen bei Weitem übertreffen. Schließlich hört man den Kunden schon seit über 30 Jahren genau zu, und so vertiefte sich das Verständnis für deren Prozesse und Bedürfnisse ständig.

Die so erlangten Erkenntnisse kann man wiederum an die Kunden zurückgeben. Für Resato ist es ein wichtiges Geschäftsprinzip, das eigene Wissen mit den Kunden zu teilen.

Folgerichtig ist der erste Schritt in einem neuen Projekt, die Bedürfnisse des Kunden wirklich zu verstehen. Der zweite Schritt ist es, aus dem eigenen Erfahrungsschatz zu schöpfen und geeignete Lösungen zu suchen und zu finden. Nur so kann ein Produkt entwickelt oder geliefert werden, das die Probleme wirklich löst.

Und wenn ein Kunde trotzdem einmal nein sagt? »Kein Problem«, sagt Resato, denn erstens könne man auch aus Absagen lernen, und zweitens denke man langfristig: Wer heute nein sagt, sagt morgen vielleicht ja.

Erschienen in Ausgabe: 06/2015