Multitalent zum Freiformbiegen

Die Geometrien von Biegeteilen werden in vielen Branchen, wie im Designer-Möbelbau oder im Rohrleitungsbau, immer komplexer und anspruchsvoller. Hier ist Multitalent zum Biegen gefragt.

27. Februar 2006

Nicht immer lassen sich die gewünschten Biegeteile auf einer Biegemaschine mit nur einer Biegerichtung herstellen, weil das Biegeteil während des Biegeprozesses mit dem Biegekopf, dem Fußboden oder dem Biegearm kollidieren würde und ein kollisionfreier Biegeablauf nur mit einer anderen Biegerichtung möglich ist.

Die Antwort des Biegemaschinenherstellers Rasi auf diese Herausforderungen sind die Biegemaschinen S60.6 sowie die SE60.6. Die Mehrradien-Rohrbiegemaschine S 60.6 mit linker und rechter Biegeseite wurde für komplexe Biegeteile konzipiert, die ein besonders hohes Maß an Biegefreiheit, mehreren verschieden kombinierten Radien und hohe Maßhaltigkeit erfordern.

Kundenspezifische Anwendungen aus den unterschiedlichsten rohrverarbeitenden Bran-chen lassen sich von Losgröße 1 bis zur Serienfertigung im Bereich D 4 bis D 42,4 x 2,5 realisieren. Biegeteile, die den gesamten Biegeradienbereich von 1 x D bis unendlich erfordern, können mit der neuen S 60.6 und SE 60.6 im automatischen Wechsel von Dorn- auf Kurvenbiegen, im automatischen Wechsel von Rechts- auf Linksbiegen und in einer Aufspannung gebogen werden.

Ursprünglich wurden diese Maschinen für das Max Planck Institut entwickelt. Komplizierte bis zu 17 m lange Supraleiter mussten in allen Variationen und in den verschiedensten Biegeradien und Ebenen in einer Aufspannung gebogen werden. Die Supraleiter werden für den Kernfusionsreaktor „Stellerator“ in Greifswald eingesetzt. Um das mehr als 100 Mio. Grad heiße Plasma in Schwebe zu halten, sind große wendelförmig verdrillte Magnetspulen notwendig, deren Magnetfelder das Plasma komplett einschließen. Diese notwendigen Magnetfelder (bis zu 3 Tesla) erfordern riesige Stromstärken (bis zu 18.000 Ampere), die in diesen speziellen Supraleitern fließen.

Die Supraleiter werden mit flüssigem Helium auf 4 K (-269 Grad Celsius) gekühlt, damit sie praktisch einen Widerstand von null Ohm erreichen und nicht durchschmelzen. Aus diesem Grunde können Sie nicht einfach zusammengesetzt werden, sondern müssen möglichst in einem Stück gebogen werden. Die Platzverhältnisse des Kernfusionsreaktors sind so eng, dass die Supraleiter in einer sehr komplexen Art und Weise in verschiedenen Ebenen und Winkeln und in den unterschiedlichsten Radien ge­bogen werden müssen. Daher war ihre kollisionsfreie Herstellung nur mit einer Biegemaschine mit einem Höchstmaß an Biegefreiheit möglich.

Die Freiform- und Dornbiegemaschine S 60.6 wurde so konzipiert, dass sie in beiden Biegerichtungen arbeiten kann, und ein Biegerichtungswechsel auch während des vollautomatischen Biegeprozesses möglich ist. Teure Umrüstzeiten werden durch den automatischen Werkzeugwechsel mittels mehrrilligen Dornbiegewerkzeugen und durch den automatischen Verfahrenswechsel (von Dorn- auf Kurven- bzw. Freiformbiegen) mittels eines Kreuztisches am Biegekopf auf ein Minimum reduziert. Beim Kurven (Freiformbiegen) sind durch den 4-Walzen-Antrieb mit bis zu zwei Hydromotoren direkt am Biegekopf sehr enge Biegeradien auch beim Walzen möglich.

Erschienen in Ausgabe: 02/2006