Multifunktionale Profilmessung

Präzise messen, statt Näherung berechnen – das erlaubt eine neuartige Technologie zur optischen Messung von Spalten und Falzkanten. Das von der österreichischen Firma Nextsense entwickelte Profilmessgerät Calipri nutzt dabei gleich drei zentrale Laserlinien zum Abtasten von Profilen.

10. März 2014

Dies erlaubt das Schwenken des Messgerätes und ermöglicht Messungen aus verschiedenen Perspektiven. Dank der Schwenkbarkeit konnte das Gerät jetzt so weiterentwicklelt werden, dass neben Karosseriespalten sogar Falzkanten spaltbildender Fahrzeugbleche bewertet werden können. Damit bietet das Calipri-Verfahren einen Technologievorsprung zu bestehenden Methoden. Diese erfassen Spalten aus wenigen Perspektiven und berechnen fehlende Daten durch mathematische Näherungsverfahren – und können aufgrund "fehlender Blickrichtungen" Falzkanten überhaupt nicht bewerten. Durch die Multifunktionalität des Gerätes ist so auch der durchgängige Einsatz in allen Karosserieproduktionsschritten möglich.

Weniger ist mehr – zumindest im Fahrzeugbau der Premiumklasse. Denn weniger Spaltmaß bedeutet mehr Kundenzufriedenheit: geringere Geräuschpegel sowie verbesserte Optik sind (kauf-)entscheidende Qualitätskriterien. Doch mit "unsichtbaren" Spalten und somit verdeckteren und komplexeren Spaltkonturen wachsen die Anforderungen an ihre Vermessung. Genau dafür entwickelte der Grazer Spezialist für optische Sensorik, Nextsense GmbH, das Calipri-Verfahren. Dieses ermöglicht mittels Schwenkbarkeit das räumliche Abtasten komplexer Spalten. Jetzt wird das Verfahren um die Möglichkeit erweitert, neben den Karosseriespalten auch die Falzkanten der Bleche zu vermessen.

Ein-Falz-reiche Weiterentwicklung

Zur raschen Weiterentwicklung meint Christoph Böhm, Marketing Manager von Nextsense: "Calipri war bei der Markteinführung gleich ein Riesenerfolg. Ein Millionenauftrag eines KFZ-Herstellers der Premiumklasse bildete "nur" den Anfang. Angespornt von dieser Nachfrage entwickelten wir das Verfahren so weiter, dass nun auch Falzkanten gemessen werden können." Tatsächlich nutzt diese Erweiterung der Geräte-Software optimal das herausstechende Merkmal des Calipri-Verfahrens: die Schwenkbarkeit des Messgerätes. Egal ob Handheld oder auf einem Roboterarm montiert – Calipri kann frei über das Bauteil bewegt werden und fügt die vom Laser erfassten Teilbereiche zu einem vollständig und bis in die Tiefe erfasstem Profil zusammen.

Die Methode erlaubt gleich mehrere Vorteile für den Nutzer: Das Messergebnis ist frei von mathematischen Extrapolationen und liefert in nur wenigen Sekunden eine ho?here Genauigkeit als alternative Methoden. Gleichzeitig können durch die flexible Bewegung des handlichen Gerätes bedeutend komplexere Spaltkonturen als bisher gemessen werden. Ein Vorteil, der immer wichtiger wird, wie Christoph Böhm erklärt: "Immer engere Karosseriespalten verbessern die Wirtschaftlichkeit und Optik eines Fahrzeuges. Dies spiegelt sich in eng gefalzten Karosserieteilen und schwer zugänglichen Spalten mit komplexen Konturen wider. Gerade diese engen Radien eines Blechfalzes aber sind mit bestehenden optischen Methoden kaum zu messen." Das Verfahren von Nextsense hingegen kann dies ohne Schwierigkeiten: Das Führen des Gerätes über den Kantenradius erlaubt ein nahtloses Erfassen und rasches Kalkulieren der gewünschten Maße.

Wesentlich für diese Bewegungsflexibilität von Calipri ist die patentierte Kippkorrektur des Gerätes. Diese kompensiert automatisch Verkippungen und Verdrehungen des Messsensors. So kann das nur 500 Gramm wiegende Gerät freihändig über jegliche Spalten- und Falzkonturen geführt werden. Die Versatilität von Calipri ist damit aber noch nicht erschöpft, tatsächlich kann das neuartige Gerät Plattform-übergreifend in allen automobilen Produktionsschritten verwendet werden. Portabel oder in der Linie erhöht Calipri somit die Prozesssicherheit und Qualität im Fertigungsprozess. Dabei können Messdaten und Prüfpläne zwischen den Calipri-Systemen und dem Qualitätssciherungssystem des Anwenders problemlos ausgetauscht werden. Die nun erfolgte Systemerweiterung zum Messen von Falzkanten steht dabei nicht nur neuen Kunden zur Verfügung, sondern kann auch bei bereits ausgelieferten Geräten problemlos ergänzt werden.