Motoren mit höherem Wirkungsgrad

Wird das Effizienzniveau IE2 zur Win-Win-Situation oder zum Nullsummenspiel?

18. Februar 2011

Ein maßgeblicher EU-Rechtsakt, mit dem Mindestwirkungsgrade für elektrische Motoren vorgeschrieben werden, dürfte im Juni 2011 in Kraft treten. OEMs im Maschinenbau, die sich nicht beizeiten auf den neuen Rechtsrahmen einstellen, riskieren empfindliche Einbußen bei Umsatz und Marktanteilen, so warnte Baldor. Noch erschwert wird die Lage durch US-amerikanische Mindesteffizienzvorschriften, die im Rahmen des Energiesicherheitsgesetzes EISA (Energy Independence Security Act) im Dezember 2010 eingeführt werden.

Rund einem Drittel der OEMs im EU-Gebiet ist nach Einschätzung von Baldor, gestützt auf Gespräche auf Fachmessen, bei Vor-Ort-Terminen oder am Telefon, nicht oder nicht in vollem Umfang bekannt, dass neue Wechselstrom-Universalmotoren, die ab Juni 2011 installiert werden, mindestens das Effizienzniveau IE2 aufweisen müssen. IE2 entspricht dem ehemaligen Standard EFF1 des europäischen Dachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie (CEMEP).

Die meisten OEMs arbeiten derzeit mit Wechselstrommotoren von geringerer Effizienz (EFF3 oder EFF2). Die Umstellung industrieller Anlagen auf effizientere Motoren kann erhebliche konstruktive Änderungen erfordern – von den physikalischen und mechanischen Eigenschaften der Schnittstellen über Drehzahlen hin zum Temperatur- und Anlaufverhalten. OEMs sollten mit einem Arbeitsaufwand von mehreren Wochen, wenn nicht drei Monaten oder mehr, rechnen.

„Alle europäischen OEMs müssen wir warnen. Wer sich jetzt nicht auf die Mindesteffizienzvorschriften für Elektromotoren einstellt, riskiert Konsequenzen für Umsatz und Marktanteile“, so Robin Cowley, Industrial Marketing Manager von Baldor im EU-Gebiet.

„Wir würden sogar empfehlen, jetzt schon eine Strategie für das nächsthöhere Effizienzniveau, IE3, ins Auge zu fassen, um nicht etwa der Konkurrenz einen Vorsprung zu lassen.“

Unter Betreibern automatisierter Anlagen wächst die Besorgnis über Energiekosten, und auch strikte Umweltschutzinitiativen gewinnen in der Branche an Bedeutung. Angesichts dieser Marktentwicklung, so Cowley, könnten OEMs, die bereits heute über die Mindestanforderungen hinausgehen und auf IE3, das höchste vorgesehene Effizienzniveau, setzen, eine Vergrößerung ihrer Marktanteile verzeichnen.

Zudem gilt es, dem US-amerikanischen Gesetz Eisa Rechnung zu tragen, das im Dezember 2010 in Kraft tritt. Elektromotoren zur Einfuhr in die USA müssen demnach mindestens der Wirkungsgradklasse „Nema Premium“ angehören. Nema Premium entspricht dem Niveau IE3, das in der EU erst für 2015 vorgesehen ist. Laut Cowley ist mithin damit zu rechnen, dass OEMs aus den USA auch international Nema Premium-Motoren als Standard anbieten werden. Europäische Kunden könnten sich daher aufgrund des geringeren Energieverbrauchs – und der entsprechend schnelleren Amortisation – für Importware entscheiden.

„Bei einfachen Aggregaten, wie etwa Pumpen oder Ventilatoren, ist der Motor ein wesentlicher Bestandteil der Materialstückliste“, erläuterte Cowley. „Hier könnten Firmen aus den USA speziell für die EU weniger leistungsfähige IE2-Alternativen anbieten. Anders verhält es sich bei komplexeren Systemen wie Förderanlagen, an denen der Motor einen vergleichsweise geringen Anteil hat. Mit höheren Wirkungsgraden als Standard könnten US-Hersteller Marktanteile in Europa erobern.“