Mitarbeiterbindung

Management Menschenführun

Trotz Wirtschaftskrise dürfen Personalexperten nicht den übergeordneten Blick verlieren. Findige Unternehmen nutzen das aktuelle Umfeld, um sich Themen wie Fachkräftemangel und Mitarbeiterbindung zu widmen.

01. Juni 2010

Friedrich Kummer, General Director Sales der ADP Employer Services GmbH, skizziert für 2010 fünf Personaltrends. Denn: Unternehmen, die in der Personalarbeit schlecht aufgestellt sind, wird das Konjunkturumfeld besonders hart treffen.

1. Gezielter Einsatz verfügbarer Mitarbeiterinformationen

Weder Personalabteilungen noch Mitarbeiter sollten ihren Fokus zu stark auf unkoordinierte Social-Media-Recherchen im Internet lenken. »Viele Informationen aus sozialen Netzen befriedigen vor allem die menschliche Neugier«, erläutert Friedrich Kummer. Dennoch: Durch strukturiertes Vorgehen lassen sich auch dort schnell detaillierte und hochwertige Informationen finden. Somit stellen soziale Netze eine hilfreiche Vorbereitung für das Bewerbermanagement dar. Spezielle Suchmaschinen und Lösungen helfen Unternehmen und Personalabteilungen, wirklich relevante Fakten aus internen und externen Datenquellen zu erfassen.

2. Kommunikationsbedarf erkennen und bedienen

Studien zeigen immer wieder, dass Mitarbeiter in Krisenzeiten ein erhöhtes Informationsbedürfnis haben. Unternehmen tun laut ADP gut daran, ihre Mitarbeiter über Abteilungsleiter und Führungskräfte mit Unternehmensnachrichten zu versorgen. Besonders der Mittelstand unterschätzt, wie sehr eine monatliche Ansprache oder E-Mail des Geschäftsführers oder Vorstandes über neue Projekte und Erfolge die Mitarbeiterbindung erhöht, Ängste abbaut und die Motivation fördert.

3. Fachkräftemangel beseitigen

Demographischer Wandel und Fachkräftemangel werden zur Herausforderung. Selbst namhafte Unternehmen können qualifizierte Mitarbeiter nicht mehr allein durch die Strahlkraft ihres Namens anlocken. Gefragt sind Strategien zur Fachkräftegewinnung. Die eigene Ausbildung des Nachwuchses spielt eine ebenso wichtige Rolle wie die Positionierung des Unternehmens zu Themen wie Nachhaltigkeit. Gerade Mittelständler bieten oftmals durch ihren Standort und familiäre Atmosphäre die besten Voraussetzungen für Mitarbeiter, denen die Work-life-balance immer wichtiger wird. Unternehmen sollten die Wirtschaftsflaute nutzen, um einen soliden Stamm an Fachkräften aufzubauen. »Die Ansprüche der Fachkräfte werden mit dem Anspringen der Wirtschaft deutlich zunehmen. Im Augenblick ist die Rekrutierung vergleichsweise einfach«, sagt Kummer.

4. Mehr Aufmerksamkeit für den Menschen im Mitarbeiter

In Unternehmen unter 100 Mitarbeitern ist es für den Chef oder den Personalverantwortlichen eigentlich ohne weiteres möglich, bei Hochzeiten, Jubiläen oder Geburten Aufmerksamkeit zu zollen. Jedoch: Viele Mittelständler nutzen nicht einmal ihr Wissen um den Geburtstagstermin. »Kleine Aufmerksamkeiten sind durch mehr Gehalt nicht aufzuwiegen«, sagt Friedrich Kummer.

Interesse am Menschen hinter dem Mitarbeiter verstärken nicht nur das Zugehörigkeitsgefühl. Das Wissen um Hobbys und Interessen kann ebenso bei internen Stellenbesetzungen oder anstehenden Projekten angewandt werden. Kenntnisse über die Mitarbeiter sind theoretisch vorhanden, werden praktisch jedoch nicht genutzt. Unternehmen sollten verstärkt auf standardisierte Prozesse setzen, mit denen sich die Informationen managen lassen.

5. Fortbildungen individueller auf Posten und Aufgaben abstimmen

Unternehmen müssen Weiterbildungen künftig sinnvoller und passgenauer einsetzen. Denn: Einerseits investieren die Betriebe aktuell rund 27 Milliarden Euro pro Jahr in die Aus- und Fortbildung ihrer Angestellten, was rund 1000 Euro pro Mitarbeiter entspricht. Andererseits gehen in Deutschland jährlich rund 4,5 Milliarden Euro Umsatz durch fehlende Fortbildung verloren – weil es beispielsweise an effektivem Informationsmanagement mangelt.

»Es gibt eine Kluft zwischen Bedarf und Bedarfsdeckung. Unternehmen müssen lernen, ihre Mitarbeiter richtig zu qualifizieren«, sagt Kummer. Durch den geschickten Einsatz von Software lassen sich die Unternehmensanforderungen und die Mitarbeiterfähigkeiten besser erkennen – und Weiterbildungen entsprechend ausrichten.

Erschienen in Ausgabe: 03/2010