Mit Sti(e)l, bitte!

Karriere

Ist es Ihnen auch aufgefallen auf dem Wiener Opernball, dass manche Damen und Herren ihre Schampusgläser wie Keulen in der Faust hielten, um sie samt Inhalt zu erwärmen?

26. März 2010

Trinken in feiner Gesellschaft ist gar nicht so einfach – und erst recht nicht das Zuprosten: Im Gegensatz zur landläufigen Meinung gilt in feiner Gesellschaft: kein Lärm! Man stößt also nicht an, sondern hält sein Glas am Stiel, sofern vorhanden (Ausnahme: Cognac-Schwenker), blickt den Anwesenden reihum kurz, das Glas etwas anhebend, in die Augen – und nippt ein wenig.

Allerdings – wenn alle anstoßen, darf und sollte man mitscheppern, um nicht arrogant zu wirken.

Ansonsten stößt man nur in der Kneipe und im Freundeskreis an – eine Umkehrung des Ursprungs übrigens: In der guten alten Zeit der Hörner, Leder- oder Tonbecher, als man sich gerne mal gegenseitig vergiftete, wurde so heftig angestoßen, dass die Getränke – mit oder ohne Gift – überschwappten. Mit den immer dünnwandigeren Gläsern der Vornehmen ging das stets nur einmal, weshalb das Anstoßen in diesen Kreisen aus der Mode kam – im Gegensatz zum Vergiften.

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Erschienen in Ausgabe: 02/2010