Mit geglühten Edelstahlrohren

Die Wuppermann-Gruppe stellt auf der diesjährigen Tube erstmalig geglühte Edelstahlrohre vor. Diese werden seit einigen Monaten auf einer neuen Anlage zum In-Linie-Blankglühen bei der Wuppermann Rohrtechnik GmbH in Wilnsdorf gefertigt.

20. März 2012

Das Glühverfahren stellt den ursprünglichen Gefügezustand des Materials wieder her, der sich durch die Belastungen der Rohrkaltumformung verändert hat, und ermöglicht damit einen wesentlich breiteren Einsatz, als dies bei nicht geglühten Rohren der Fall ist. Die geglühten Edelstahlrohre zeichnen sich durch metallurgische Reinheit, beste Umformeigenschaften und ein positives Korrosionsverhalten aus.

Wuppermann hat das Rekristallisationsglühen in seine Rohrstraße in-Linie integriert – und sieht darin ein wesentlich prozesssichereres Verfahren als das nachträgliche Glühen der Endprodukte. Mit der neuen Anlage erfüllt Wuppermann jetzt dile Voraussetzungen für das AD2000-W2-Zertifikat und kann damit neue Märkte bedienen. Dieses Zertifikat ist eine Zulassung für Druckbehälter-, Kondensator- und Wärmetauscherrohre aus Edelstahl. Neben Großabnehmern im Maschinen- und Anlagenbau sowie der Chemieindustrie benötigen auch Kraftwerksbauer geglühte Edelstahlrohre.

„Wir haben unsere Rohrfertigung in den Rollformgeometrien so aufgebaut, dass wir die Materialbelastungen beim Umformvorgang sehr gering halten. Für Wärmetauscherrohre oder Kondensatorrohre verwenden wir aus Qualitätsgründen nur das WIG/TIG-Schweißverfahren. Das neue Glühverfahren steigert unsere Qualität jetzt noch weiter. Der Aufbau der Glühanlage erlaubt uns eine wesentlich exaktere Temperaturbestimmung als bei traditionellen In-Linie-Glühanlagen. Diese Anlage ist wegen der Genauigkeit nicht nur auf austenitische Werkstoffe optimiert, sondern speziell auch für schwieriger zu glühende Ferriten und Spezialwerkstoffe hervorragend geeignet. Die Prozesstemperaturen werden permanent überwacht und können für jedes Rohr dokumentiert werden. Auf unsere ersten geglühten Edelstahlrohre haben wir schon viel positive Kundenresonanz bekommen“, sagt Manfred Hartmann, Werkleiter bei der Wuppermann Rohrtechnik GmbH in Wilnsdorf. „Mit unserem patentierten Umformprozess und der vollautomatischen Anlagensteuerung können wir auch alle erdenklichen Profilrohrformen in Linie blankglühen.“

Während das Band zum Rohr umgeformt wird, verändert das Material seinen Gefügezustand. Dieser wechselt zum Beispiel beim Austeniten von kubisch-flächenzentriert zu kubisch-raumzentriert. Ein Phänomen, das Umklappen genannt wird. Durch den veränderten Gefügezustand verfügt das Rohr über andere Materialeigenschaften als das Ursprungsband und ist beispielsweise magnetisierbar und weniger korrosionsbeständig.

Das ursprüngliche Gefüge kann mit dem Rekristallisationsglühen wieder hergestellt werden. Die hohen Temperaturen sorgen dafür, dass sich das Gefüge löst und reorganisiert, damit die ursprüngliche kristalline Gitterstruktur des Grundwerkstoffs wieder hergestellt wird.

Bei der Wuppermann Rohrtechnik GmbH in Wilnsdorf wird dieser Prozess mit einer Blankglühanlage unter Ausschluss von Sauerstoff beispielsweise beim Werkstoff 1.4301 in einer vollständigen Wasserstoff-Umgebung auf der gesamten Glüh- und Kühlstrecke durchgeführt. Das Glühen erfolgt durch mehrere Induktionsspulen, die das Rohr auf ca. 1080 °C erhitzen. Danach hält eine Muffel die Temperatur über eine definierte Zeitspanne lang aufrecht, damit die Hitze die gesamte Rohrstärke durchdringt. Nach dem Glühprozess werden die Rohre mittels Graphitbacken bis auf Raumtemperatur heruntergekühlt.

„Die erfolgreiche Inbetriebnahme der Glühanlage in unserem Werk in Wilnsdorf war ein wichtiger Schritt für den Ausbau unserer Edelstahlsparte. Sowohl bei den Rohren als auch bei den Rohr- und Blechkomponenten sind wir im Edelstahlbereich damit weiter auf Wachstumskurs“, erklärt Dr. Arnd Schaff, Vorstand Geschäftsbereich Technische Produkte bei Wuppermann.

Tube Halle 3, Stand B30.