Mit Draht, Rat und Tat

Fokus/Rohre

Im wahrsten Sinne auf Draht waren die 32 Teilnehmer des Wickelseminars von Aumann im Oktober 2015: Die 12 Referenten diskutierten im direkten Dialog mit den Zuhörern aus der Antriebsbranche, Elektro- und Automobilindustrie Themen wie Drahtwickeltechnik und Elektromotorauslegung, Füge- und Kontakttechniken sowie Entwicklungspotenziale wickeltechnischer Prozesse.

14. Dezember 2015
70 Aumann-Maschinen der insgesamt bisher 100 verkauften Nadel-Wickelsysteme produzieren in der Automobilindustrie im Schnitt jeweils 1,25 Millionen Statoren pro Jahr.
Bild 1: Mit Draht, Rat und Tat (70 Aumann-Maschinen der insgesamt bisher 100 verkauften Nadel-Wickelsysteme produzieren in der Automobilindustrie im Schnitt jeweils 1,25 Millionen Statoren pro Jahr.)

Ein zweitägiges Drahtwickelseminar für Praktiker hat die Aumann GmbH aus Espelkamp im Oktober 2015 veranstaltet. Im Mittelpunkt stand handfestes Praxiswissen rund um das Wickeln von Spulen und Elektromotoren. Über 30 Teilnehmer unter anderem aus der Antriebsbranche, Elektro- und Automobilindustrie waren aus ganz Deutschland angereist, um ganzheitlich Aspekte rund um das Drahtwickeln und verbundene Technologien zu erkunden.

»Aktuell gibt es für uns einen eindeutigen Trend hin zur Motorenwickeltechnik – vor allem mit Blick auf Energieeffizienz und Fertigungsverfahren«, meinte einleitend Jürgen Hagedorn, Leiter für Prozessentwicklung bei der Aumann GmbH im ostwestfälischen Espelkamp. Ein Grund ist nicht nur der Trend zur Elektromobilität: So arbeiten mittlerweile auch in einem klassischen PKW mit Verbrennungsmotor rund 300 Elektromotoren, Sensoren, Magnetventile und Aktoren, die beispielsweise Außenspiegel verstellen und Autoscheiben bewegen.

Bei allen Elektroantrieben spielen die Anforderungen an die elektrische Spule eine große Rolle: Der Experte verwies auf die Vielzahl an Einflussfaktoren, die von der elektrischen Leitfähigkeit, der Festigkeit, chemischen Beständigkeit bis hin zu Verarbeitbarkeit reichen. Diese Vielseitigkeit spiegelte sich auch in der Vielfalt der Themen rund um das Wickeln: Die Bandbreite der Beiträge reichte von Grundlagen der Elektromotorauslegung, Füge- und Kontakttechniken bis hin zu den Entwicklungspotenzialen wickeltechnischer Prozesse.

Der Trend geht wegen der Zunahme der Elektrifizierung im PKW (rund 300 E-Motoren und elektromagnetische Komponenten befinden sich in einem typischen Mittelklassefahrzeug) zu hoher Leistungsdichte. Hier kommt das orthozyklische Wickeln ins Spiel, bei dem Drähte der jeweiligen Oberwicklung in den Tälern der Unterwicklung liegen und sich daher eng aneinanderschmiegen: Auf diese elegante, orthozyklische Art und Weise bildet sich bei der Lagewicklung ein deutlich kompakterer Wickelkörper. Das Verfahren eignet sich auch für kritische Aufgabenstellungen. Hagedorn: »Es ist uns auch schon einmal gelungen, einen 63-µm-Draht über acht Lagen orthozyklisch zu wickeln – bei einem Spulenkerndurchmesser von 1,5 mm.«

Den ganzheitlich wissenschaftlichen Blick auf die Wicklungstechnologie machte abschließend Florian Sell-Le Blanc vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Resümee des Wissenschaftlers: »Die Wickeltechnik für Motorspulen ist eine Disziplin, die stark auf Erfahrungswissen basiert und bisher wenig erforscht wurde.« Florian Sell-Le Blanc empfahl daher die ganzheitliche Beschreibung der Disziplin in einem Prozessmodell – inklusive Messungen zur Charakterisierung von Prozessgrößen, der Simulation nicht messbarer Größen und der Modellierung von grundlegenden Zusammenhängen.

Nikolaus Fecht

Fachjournalist aus Gelsenkirchen

www.bbr.de/161214

Zahlen & Fakten

Seit mehreren Generationen ist Aumann weltweit einer der führenden Maschinenbauer im Bereich Drahtlackier- und Spulenwickeltechnik sowie der Automation. Dabei sind wir global der absolut einzige Anbieter, der über das Know-how und die Erfahrung von der Drahtherstellung über das Bewickeln bis hin zur umfangreichen Montage des Endproduktes verfügt. Mit fortschrittlichen Impulsen, Präzisionsarbeit und Entwicklungsfreude ist Aumann für Sie als Kunde international im Einsatz. Denn wir verknüpfen erfolgreich unser Wissen aus den drei Geschäftsfeldern. So eröffnen wir Ihnen den entscheidenden Vorteil: die Kombination von bewährten Lösungsstrategien mit effektiven Innovationen.

Erschienen in Ausgabe: 07/2015