Mit dem Aufzug zu den Sternen

Weithin sichtbar schwebte im Herbst ein großer weißer Gasballon über dem Campus Garching der Technischen Universität München. Dahinter verbarg sich keine Werbeaktion. Tatsächlich war der heliumgefüllte Ballon Teil eines wissenschaftlichen Projekts: Unterstützt von Linde, zeigten junge Wissenschaftler und Ingenieure im Rahmen der „European Space Elevator Challenge“, wie sie sich in Zukunft den Transport in den Weltraum vorstellen: Mensch und Material sollen per Fahrstuhl ins All gebracht werden.

01. Dezember 2016

Mit der Einführung eines Weltraumaufzugs ließen sich im Vergleich zu den bislang erforderlichen Raketen enorme Kosten einsparen. Und theoretisch wäre das tatsächlich machbar, sind die Mitglieder der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt (WARR) an der Technischen Universität München überzeugt.

Praktisch fehlt es momentan jedoch noch an geeignetem Material für das Aufzugsseil, das den extremen Belastungen Stand halten könnte. Doch Ideen existieren: Mehrere Teams aus Deutschland und Japan traten bei der von der WARR organisierten „European Space Elevator Challenge“ mit ihren Aufzügen gegeneinander an, um die beste Technik zu ermitteln.

Heliumballon an Aramid-Seil

Bis ins Weltall ging es zwar nicht, aber doch ziemlich hoch hinaus. Denn die sogenannten Climber mussten an einem Seil aus Aramid bis auf eine Höhe von 100 Metern klettern. Befestigt war das Seil an einem Ballon – gefüllt mit 64 Kubikmetern Helium. Das Edelgas hatte der Industriegasehersteller Linde kostenlos zur Verfügung gestellt.

Ehrensache, denn schließlich wurde das Unternehmen mit Carl von Linde selbst von einem echten Visionär gegründet. Um das Ziel zu erreichen, wurden unterschiedlichste Systeme eingesetzt. Der von der WARR ins Rennen geschickte Climber beispielsweise wird von einem Elektromotor angetrieben und beschleunigt in einer Dreiviertelsekunde von null auf 100.