Minimale Stillstandszeiten

TALK

Pressen Balconi ist ein renommierter pressenbauer aus Italien. bbr sprach mit dem Geschäftsführer Fabio Azzini über die Spezialitäten aus seinem Hause.

06. Juli 2009

Fabio Azzini: All unsere Pressen sind mit dem Balconi-Plunger-System ausgestattet, das die Seitenkräfte der Pleuel absorbieren kann. Dies garantiert eine konstant saubere Vertikalführung des Stößels im gesamten Verfahrbereich. Die Parallelität von Stößel zu Tisch ist viel präziser als bei herkömmlichen Systemen.Damitwerden die Werkstücke entsprechend präziser, und die Standfestigkeit der Werkzeuge erhöht sich erheblich. Dadurch werden die Produktionskosten reduziert. Unser Plunger-System erlaubt die Konstruktion eines geschlossenen Pressenkopfes, in dem ein Ölbehälter für die Schmierung der beweglichen Teile untergebracht werden kann. Das Öl gelangt so nicht in den Arbeitsraum und auf die Werkstücke.

Eine Ihrer Spezialitäten ist die Presse ›DC 4‹ für Aluminiumstrukturbauteile. Wer sind hier Ihre Kunden?

Diese Presse ist vor allem für die Herstellung von Wärmetauscherplatten aus Aluminium gedacht, also für die Klimatechnik. Die Presse hat eine Presskraft von 1000 kN und verfügt über vier Säulen und vier Pleuel. Durch unser Plungersystem kann der Kunde Werkstücke mit einer Planheit herstellen, die so mit herkömmlichen Systemen nicht erreichbar ist. Die DC 4 ist mit dem ›quick lift‹-System ausgestattet, um den schnellen Zugang zum Werkzeug zu ermöglichen. Bei einer Überbelastung im Werkzeug etwa kann der Bediener durch nur einen Befehl den Stößel mitten im Lauf 100 mm anheben. Zudem garantiert ›quick lift‹, dass der Bediener sein Werkzeug gut einsehen kann, denn herkömmliche Systeme haben einen viel kürzeren Stößelhub.

Konnte die Euroblech Ihre Erwartungen in Bezug auf Ihre Geschäftskontakte erfüllen?

Wir sind sehr zufrieden mit dem Messeverlauf. Wir hatten viele Besucher nicht nur aus Deutschland, sondern aus ganz Europa und Kontakte auch in außereuropäische Staaten, die ganz gezielte Anfragen hatten zu Neuinvestitionen von Maschinen. Die Auswirkungen der Finanzkrise allerdings zeigten sich nach der Messe darin, dass die Investitionsentscheidungen zum Teil auf Eis gelegt oder verschoben wurden. Dies betrifft fast alle Sektoren.

Der Pressenmarkt ist hart umkämpft. Die Politik der Preisnachlässe schwächt den Markt. Wie wirken Sie als Pressenbauer dieser negativen Entwicklung entgegen?

Unser Markt war schon immer schwierig. Rabattschlachten haben teilweise zu Dumping-Preisen geführt. Dieser Preiskampf findet seit Jahren statt, sogar als die Materialpreise extrem anstiegen. Neue Konkurrenten sind auf den Markt gekommen mit teils sehr aggressiver Verkaufspolitik. Dieser Preiskampf wurde vor allem von Unternehmen vorangetrieben, die sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befanden, in der Hoffnung einen Konkurs abwenden oder hinauszögern zu können. Diese Politik hat sich als falsch und ruinös erwiesen: Mit den Preisnachlässen gingen auch eine schlechtere Qualität und ein geringerer Funktionsumfang der Pressen einher. Das führte zu zahlreichen und kostspieligen Klagen.

Schon immer hat Balconi – und heute in besonderem Maße – versucht, die Kosten im Griff zu halten, aber gleichzeitig das Qualitätsniveau zu verbessern. Unsere Projektingenieure verfügen über die modernsten Simulations- und Berechnungs-Tools, um eine genau auf den Kunden zugeschnittene Presse zu konstruieren. Durch FEM- Einsatz können unsere Ingenieure die Konstruktion hinsichtlich Material und Dimensionen optimieren. Durch 3D-Konstruktion können wir leicht Modelle erarbeiten, die es erlauben, Maschinen verschiedenster Dimensionen daraus zu entwickeln. Dies spart uns Konstruktionskosten und Arbeitszeit. Unsere Konstruk-teure und Fertigungsingeni-eure arbeiten eng zusammen, um die besten Materialien auf dem Markt zu finden, die Montage zu optimieren sowie die Wartung vereinfachen und auf ein Minimum reduzieren zu können. Das bedeutet für unsere Kunden minimale Stillstandszeiten und weniger Betriebskosten. Balconi ist nicht nur Pressenhersteller, sondern auch Partner der Kunden, um deren Probleme zu lösen. Wir können auch komplette Fertigungslinien anbieten, mit allen notwendigen Ausstattungsvarianten, wie Haspeln, Bandzuführungen, Werkzeugschnellwechselsysteme und die Automatisierung der Produktion.

Die meisten Pressenhersteller setzen inzwischen auf die Servomotortechnik. Wie ist hier Ihre Position zu dieser Antriebstechnik?

Die Servopressen sind eine innovative Technik in Bezug auf ihr Einsatzspektrum. Sie erlauben eine exakte Zeit-Weg-Einstellung aller Parameter genau auf das zu produzierende Werkstück. Wir denken, dies ist vor allem für die Kunden von Nutzen, die ein breites Produktspektrum fertigen müssen und somit ein sehr flexibles System benötigen. Auch wir haben bereits ein Projekt entwickelt und umgesetzt, das diese Antriebstechnik einsetzt. Trotzdem finden wir, dass hier noch wichtige Fragen zu lösen sind: so etwa die hohen Kos-ten für heutige Servomotoren sowie ihr hoher Energieverbrauch. Diese Faktoren sorgen dafür, dass der Einsatz der Servosysteme noch immer sehr limitiert ist.

Es fragte: Erik Schäfer

Übersetzung: Patrizia Marini

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Erschienen in Ausgabe: 04/2009