Meister in drei Blech-Disziplinen

Drei Technologien für Blechteile in drei Dimensionen

Sieht aus wie eine Mühle, liegt am Bach, und in Sichtweite grasen Kühe. Aber in der Werkstatt arbeiten CO2-Laser und CNC-Maschinen. Bei Isny im Allgäu fertigt die Maschinenbau Kolb GmbH für gut 200 Kunden in 200 Kilometer Umkreis besondere Blechteile. Eine reaktionsschnelle Fertigung, ein Unternehmer mit 15 engagierten Mitarbeitern - und eine Blechfertigung in drei Technologien und Dimensionen: High-Tech- Leistung in Blech.

15. März 2001

Lohnfertigung ist leidvoll, wenigstens was die Auftragsvielfalt, die Varianten, die meist bescheidenen Losgrößen, die Gesamt-Stückzahlen, die verschachtelte Durchlauf- und Kapazitätsplanung und die immer knappen Termine betrifft. Dem Wunsch nach genauen Blechteilen, schnell und termintreu, kommt das Allgäuer Unternehmen Kolb GmbH mit dreifacher Technologie und in drei Dimensionen entgegen: Laser-, Wasserstrahl- und Stanz-Nibbel-Anlagen sind Konzentrationspunkte einer Blechfertigung mit allen Varianten - und vielen Finessen.

Auf den ersten Blick sieht es in Werkhof und Werkstatt der Kolb GmbH zwar so aus wie in anderen Betrieben auch. Auf den zweiten Blick erkennt man aber, was hinter der Landhaus- Fassade an High-Tech steckt. Zwei flexible Laserschneidzentren, eine Wasserstrahl- Schneidanlage und eine moderne Stanz-Nibbel-Anlage fertigen nach neuesten Technologien in Blech - auch dreidimensional. CNC-gesteuerte Abkantpressen vollenden die Blecharbeit, motivierte Mitarbeiter im „Finish“ montieren, komplettieren und produzieren die Vielfalt der Wunschteile für viele ungeduldige und immer anspruchsvolle Kunden.

Die „Kolb Maschinenbau GmbH“ kann diesen Kunden für so ziemlich jeden Werkstoff und für alle Teile die auf ihre Teilezuschnitte „zugeschnittene“ wirtschaftliche Technologie anbieten, weil die Auftragsfertigung dafür gut gerüstet und maschinell bestückt ist: Durch ein Laserschneidzentrum für zweidimensionale Bleche, ein weiteres Laserschneidzentrum mit 2-D-Schneideinrichtung für großformatige Teile, Rohre, Profile und andere Arbeiten in der dritten Dimension, eine Wasserschneidanlage, und natürlich eine „konventionelle“ Stanz-Nibbel-Anlage. Für jeden Auftrag kann das richtige Fertigungsverfahren eingesetzt werden: Kolb wählt das wirtschaftlichste Verfahren - und schreckt dabei vor keinem komplizierten und komplexen Teil zurück.

Für jeden Bedarf die passende Maschine Entscheidend für die Wahl des Fertigungsverfahrens sind dabei immer das Material und die Materialstärke: Mit diesen beiden Kriterien ist praktisch auch festgelegt, welches Verfahren, welche Technologie und welche „Maschine“ für welche Teile richtig und wirtschaftlich ist: Seit 1990 hat man mit dem Laser für Blechzuschnitte beste Erfahrungen gemacht - seit Walter Kolb mit der Nase auf die neue Technologie gestoßen wurde und sich das erste Mal für den Schweizer Lieferanten Bystronic entschieden hat. Er ist ihm treu geblieben und hat die letzte, vierte Bystronic-Laserschneidanlage zu Jahresanfang 1998 beschafft. Seitdem tut die neue „Bystar 2512“ mit einem 3,5-Kilowatt-CO2-Laser ihren Dienst in der etwas beengten 800-Quadratmeter-Fertigung.

Rund 400 Tonnen Material laufen pro Jahr durch diese Fertigung und verwandeln sich beispielsweise in Blechteile, Zuschnitte, Profile, Prototypen, Apparate, Verkleidungen und Blechgehäuse. Zu etwa zehn Prozent sind es Einzelteile, zu 80 Prozent umfassen die Losgrößen 20, 50 oder 100 Stück, schön sind Aufträge von 400 bis 500 Teilen. Selten, bei höchstens 10 Prozent der Aufträge, hat man das Glück, Stückzahlen bis zu 5.000 Teilen „abarbeiten“ zu dürfen.

Auf das neueste Laserschneidzentrum bei Kolb, die „Bystar 2512“ kommen dabei vor allem Stahlteile bis 20 Millimeter, Edelstahlteile üblicherweise bis zu zwölf, und Aluminiumteile normalerweise bis sechs Millimeter Stärke, manchmal auch stärker. Die Mittelformatmaschine, „ideal für mich als Lohnfertiger“, so Inhaber Walter Kolb, ist für mittlere Blechtafelabmessungen von 1.250 x 2.500 Millimetern ausgelegt. Be- und entladen wird bei Kolb manuell oder per Wechseltisch. Eine automatisierte Beschickung und Entsorgung lohnt sich für die Lohnfertigung und ihre gemischten Einzelaufträge in geringen Stückzahlen und bescheidenen Losgrößen natürlich nicht.

Die Maschine wird über eine Schwenkarmsteuerung, einen WOP-fähigen Industrie-PC mit Farbbildschirm mit 32-Bit-Prozessoren gesteuert. Zur Versorgung der Steuerung mit NC- Programmen wird bei Kolb vor allem auf die „Bysoft“-Software-Module des Maschinenherstellers zurückgegriffen: Mit „Bycad“ werden Geometrien von Einzelteilen und die NC-Maschinenprogramme erstellt, per „Bynest“ können sie zusammengefaßt und verschachtelt werden. Ein Software-Auftragsverwaltungsmodul „Byjob“ kann auch die Einzelaufträge für die Laserschneidanlagen verwalten und verarbeiten.

Älter, aber noch lange nicht veraltet

Zweidimensional wird auch auf der dienstälteren Laserschneidanlage „Byflex 4210“ mit 1,8-Kilowatt-Turbolaser bei Kolb gearbeitet, wenigstens meistens. Diese lange 21/2D-Laserschneidanlage, ebenfalls von Bystronic, ist eine der „älteren“, die bei Kolb Dienst tun. Auf sie kann man ausweichen, wenn die Kapazität und die Teile-Dimensionen es nötig machen: Wenn die „großen“ Abmessungen von 1.000 x 4.000 Millimetern gefertigt werden müssen, die nicht auf die neue Bystar-Laseranlage passen, dann ist die Byflex dran. Sie wird vor allem dann eingesetzt, wenn Profile oder Rohre geschnitten werden müssen und wenn dreidimensionale Schnitte nötig sind: Dann können an der flexiblen Anlage ein Dreibackenfutter eingeschwenkt und auch lange Rohre und Profile und Stangen bearbeitet werden. Die langen Teile werden per Gegenhalter gespannt. In jedem Falle lassen sich hier Teile bis zum Durchmesser von 350 Millimetern in drei Dimensionen bearbeiten und schneiden. Auch in ihre Maschinensteuerung werden die in der Programmierung von drei Mitarbeitern „offline“ erstellten Programme, auch dreidimensionale, nach Nummern identifiziert, aufgerufen, eingespielt, die Schneidparameter vor Ort in die Steuerung eingegeben und abgearbeitet. Den erfahrenen Maschinenbedienern machen all diese Arbeitsgänge keine Probleme.

Steter Tropfen schneidet Blech

Auf die dritte „Schneidanlage“ bei Kolb, eine Wasserstrahlschneidanlage „Byjet 3015“ von Bystronic, kommt alles, was der Laser nicht oder nur schlecht schneiden kann: Dazu gehören NE-Metalle, gelegentlich auch schon mal Glas, Kunststoff, Plexiglas und Holz, wenn es sein muß auch Stein. Außerdem ist dieser Anlage das starke Stahlblechmaterial vorbehalten: Bis zu 40 Millimeter Stärke wird hier bei Kolb geschnitten. Wasserstrahlschneiden wird auch immer dann gewählt, wenn die Rest-Stege beim Schneiden für den Laserstrahl zu dünn und zu filigran sind und „Verschmelzungen“ auftreten würden - oder wenn bei großen Materialstärken der Laserstrahl passen muß. Auch wenn ein Teil so fein und filigran ist, daß dünne Stege stehenbleiben, die der heiße Laserstrahl verbrennen würde, dann hat das Wasserstrahlschneiden seinen Einsatz: Immer dann geht es auf dem Wasserstrahl-Schneidzentrum zur Sache, mit 3.400 bar Strahldruck und speziellem Schleifmittel: Gearbeitet wird mit speziellen Schneidzusätzen wie dem aus Norwegen importierten „Olivin“ oder dem aus Australien importierten „Granat“, einem besonders effektiven und standfesten Abrasivzusatz, der sich als „Schleifmaterial“ für den Schneidstrahl besonders bewährt hat.

Natürlich gibt es auch „konventionelle“ Technik für die Blechbearbeitung bei der Kolb GmbH, sogar nach neuester Technik. Wenn Nibbeln, wenn Prägen, Senken, Umformen und Stanzen nötig sind, erledigt dies eine finnische Kraftmaschine: Von Finn-Power ist der Stanz-Nibbel-Automat, eine besonders stabile Maschine, weil der quergebaute Maschinenständer hier nicht offen ist, sondern beidseitig geschlossen. Mit einem Magazin mit 21 Werkzeugstationen, von denen jedes Werkzeug noch eine Reihe kleinere „Unterwerkzeuge“ aufnehmen kann, geht es vor allem dann immer an die Arbeit, wenn es Teile zu bearbeiten gilt, bei denen nicht nur geschnitten, sondern in Kombination auch geprägt, vertrieft, geformt werden muß.

3.000 bis 5.000 Aufträge pro Jahr

Es ist naheliegend zu fragen, warum denn keine „Kombimaschine“, aus den beiden Technologien Laser und Stanz-Nibbeln im Einsatz ist? Walter Kolb hat diese Alternative als „zu teuer“ verworfen. Außerdem stört es ihn, daß dann immer die halbe Maschine und die halbe Technologie brach liegen müßte, wenn die andere gerade im Einsatz ist. Für seine neueste Laser-Anlage Bystar 2512 hätte die Investition rund 750.000 Mark ausgemacht - wenn Walter Kolb sich nicht für die betriebswirtschaftliche Form des Leasing entschieden hätte.

Daß alle in der Multi-Technologie-Werkstatt von Kolb gefertigten Teile natürlich per CNC-Maschine von Hämmerle auch abgekantet werden können, ist ein Teil der angebotenen Weiterverarbeitung. Auch komplette Prototypen können so wirtschaftlich produziert werden. Solche Aufträge sind fast täglich Brot bei Maschinenbau Kolb, und die Stückzahl „1“ schreckt schon lange niemanden mehr in der Kolb-Blechfertigung. Zwischen 3.000 bis 5.000 Aufträge laufen auf diese Weise jährlich durch die Fertigung, keine leichte Aufgabe, sie zu verwalten, die Programme zu archivieren und bei einem Wiederholauftrag darauf zurückzugreifen. Walter Kolb hat sie allerdings nach eigener Codierung auf Computerfestplatte gespeichert und jederzeit Zugriff.

Gut, wenn man mit den Vertretern vor Ort gut kann

Daß der Name eines Schweizer Maschinenherstellers bei der Kolb GmbH so häufig auftaucht, hat gute Gründe, die Walter Kolb nur zurückhaltend preisgibt: Nach fleißiger Suche, Vor-Ort-Besichtigungen und telefonischem Erfahrungsaustausch hat sich Walter Kolb für die Maschinen der unkomplizierten, zurückhaltenden, praxisnahen Schweizer Lieferanten entschieden und über deren deutsche Vetretung Ackenhausen + Vogel in Leinfelden bei Stuttgart gekauft. Mit seinem Schweizer Vorzugslieferanten und seiner schwäbischen Vertretung ist Blechpraktiker Walter Kolb auch menschlich gut zurechtgekommen, weil er es hier eher mit der bodenständigen Praktikerebene zu tun hatte als mit abgehobenen Technik-Freaks. Zufrieden ist Walter Kolb auch mit dem Service, den ihm die deutsche Bystronic-Vertretung in Neuhausen-Hamberg bietet, die für die Montage, Service und Ersatzteile der drei Bystronic-Anlagen im Hause Kolb zuständig ist: „Der Service ist gut, die Verschleißteile günstiger als anderswo“.

Seit den guten Erfahrungen mit der ersten Laseranlage, beschafft 1990, hat sich allerdings das natürlich gewachsene Unternehmen Kolb-Maschinenbau in seiner ländlichen Umgebung gewandelt - nicht zuletzt wegen der Lasertechnik: Aus der mechanischen Werkstätte mit handwerklichem Schlosserei-Charakter ist längst ein spezialisierter Industriebetrieb geworden: Ein „High-Tech-Outsourcing-Partner“ - mit neuester Technik und industrieller Fertigung.

Erschienen in Ausgabe: 11/1999