Mehrwert durch Lösemittel-Recycling

Seit Rosenberger Hochfrequenztechnik, Hersteller von Verbindungslösungen in der Hochfrequenztechnik, in seinen Entfettungsanlagen auf hochreine Lösemitteldestillate setzt, spart er immense Kosten und schont auch noch die Umwelt. Die Destillate kommen von Richard Geiss.

30. April 2019
Zwischen 120 und 130 Millionen Steckverbinder laufen pro Monat durch die Entfettungsanlagen bei Rosenberger in Fridolfing. Foto: Richard Geiss GmbH


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Zwischen 120 und 130 Millionen Steckverbinder laufen pro Monat durch die Entfettungsanlagen bei Rosenberger in Fridolfing. (Bild: Richard Geiss)

»Bis wir einen Lieferanten wechseln, muss schon viel passieren und beim neuen Geschäftspartner muss dann auch alles einwandfrei passen. Das war bei Richard Geiss der Fall«, so Helmut Mühlberger, seit 15 Jahren Abteilungsleiter im Bereich Oberflächentechnik bei Rosenberger Hochfrequenztechnik. Als gewachsenes Familienunternehmen setzt Rosenberger auf langjährige Geschäftsbeziehungen. Vor zehn Jahren wagte das mittelständische Unternehmen einen Wechsel bei der Lösemittelbelieferung: weg von Frischware hin zu hochreinen Destillaten von Richard Geiss. »Mit den Destillaten sparen wir uns bis zu 40 Prozent der Kosten im Vergleich zum Frischwarekauf und bekommen bei Geiss alles aus einer Hand«, betont Mühlberger, der bereits seit 34 Jahren bei Rosenberger arbeitet.

Die Rosenberger-Gruppe, mit Zentrale in Fridolfing, beschäftigt weltweit mehr als 11.000 Mitarbeiter; allein am Stammsitz arbeiten rund 2.200 Menschen. Auf dem 133.000 Quadratmeter großen Firmengelände in Fridolfing werden Steckverbinder für die Hochfrequenztechnik entwickelt, gefertigt, montiert und beschichtet. Mit mehr als 2.000 Patenten ist das Unternehmen zudem in der Forschung und Entwicklung aktiv. Die Steckverbinder kommen in den unterschiedlichsten Bereichen zum Einsatz: ein Drittel im Bereich Automotive, ein Drittel in der Kommunikationstechnik und ein Drittel in anderen Bereichen, wie Medizin- und Industrieelektronik, Datentechnik oder Luft- und Raumfahrt. Rosenberger fertigt unter anderem für die Airbus Group, dem zweitgrößten Luft- und Raumfahrtunternehmen der Welt, nach Boeing. Auch auf dem Mars, in Robotern verbaut, sind die Rosenberger-Steckverbindungen im Einsatz.

Bei solchen Einsatzgebieten sind die Qualitätsanforderungen besonders hoch. Bevor die Teile das Werk in Fridolfing verlassen, müssen sie sorgfältig von Öl und Schmutz gereinigt werden, um dauerhaft die geforderten elektrischen und mechanischen Werte zu gewährleisten. Das übernehmen am Stammsitz sechs Entfettungsanlagen des Anlagenherstellers Vapic. Zwischen 120 und 130 Millionen Steckverbinder laufen pro Monat durch die Entfettungsanlagen – von großen Teilen mit Maßen von 20 mal 50 mal 20 Millimeter bis hin zu Kleinstteilen mit gerade einmal 0,5 mal 0,2 mal 0,2 Millimeter. Das Lösemittel für die Entfettung kommt von Richard Geiss, der sich auf die fachgerechte Aufbereitung der Altware und die Rückführung der hochreinen Destillate in ein Kreislaufsystem spezialisiert hat.

Rosenberger bezieht jährlich einige Tonnen des hochreinen Destillats ›Geiss PER HS‹ für die Oberflächenreinigung seiner Teile. Die Versorgung ist so einfach wie möglich geregelt: »Am Anfang eines Monats werden wir automatisch beliefert. Die Belieferung erfolgt durch Fahrer und Fahrzeuge von Richard Geiss. Sollten wir einmal mehr oder weniger Perchlorethylen benötigen, genügt ein Anruf bei Richard Geiss«, so Mühlberger, der den guten Kontakt und die kurzen Dienstwege schätzt. Auch die Entsorgung einiger Tonnen Altware jährlich sowie die anschließende Aufbereitung übernehmen die Recycling-Profis aus Offingen. »Die Altware, die wir von Rosenberger abholen, enthält zwischen zehn und 20 Prozent Perchlorethylen. Diesen Lösemittelanteil können wir unendlich oft wieder zu hochreinen Destillaten aufbereiten«, erklärt Lech Andrzejewski-Eser, der betreuende Außendienstmitarbeiter im Bereich Oberflächenreinigung bei Richard Geiss.

100 Prozent recycelt

Die Geiss-Destillate stehen der Frischware in nichts nach – im Gegenteil: Sie erreichen 100 Prozent der Qualität der Originalware bei gleichzeitiger CO2-Einsparung von 92 Prozent. »Wir fertigen unter anderem für die Medizintechnik. Einige unserer Steckverbinder sind zum Beispiel in Herzschrittmachern verbaut. Hier sind die Reinheitsanforderungen extrem hoch. Auch im Bereich Luft- und Raumfahrt haben wir strenge Auflagen. Da müssen wir uns auch auf die hohe Qualität des Lösemittels verlassen können«, betont Mühlberger. Neben Fridolfing beliefert Richard Geiss zwei weitere Rosenberger-Standorte: Radeberg in Sachsen und ein Werk in Ungarn.

Die Entfettungsanlagen bei Rosenberger in Fridolfing werden streng überwacht und engmaschig kontrolliert. Auch hier vertraut das mittelständische Industrieunternehmen auf den Service und das Know-how der Recycling-Profis. Alle drei Monate werden Proben aus den Entfettungsanlagen im Labor am Sitz von Richard Geiss analysiert. Sollte mit den Lösemittelwerten etwas nicht stimmen, wird Mühlberger sofort informiert. Er kann dann alle weiteren Maßnahmen in die Wege leiten: Mit dem Anlagenhersteller Rücksprache halten und eventuell auch den Kunden in Kenntnis setzen. »Wir haben einen sehr stabilen Prozess und der Per-Altwarengehalt liegt bei 15 Prozent. Genau da wollten wir hin«, ist der Abteilungsleiter für Oberflächenbehandlung bei Rosenberger zufrieden.

Drei-Stufen-Testkoffer

Die wöchentliche Lösemittelüberwachung und Badpflege nehmen Mühlberger und sein 17-köpfiges Team mithilfe des Drei-Stufen-Testkoffers und den Stabilisatoren von Richard Geiss selbst in die Hand. Der Testkoffer für Perchlorethylen ist mit allen notwendigen Messgeräten, Testreagenzien sowie einer Arbeitsanleitung für die selbstständige Lösemittelüberwachung vor Ort ausgestattet. So können die Mitarbeiter bei kleineren Unregelmäßigkeiten schnell selbst nachjustieren. Einmal im Jahr wird Mühlbergers Team von Lech Andrzejewski-Eser im Umgang mit dem Testkoffer und den Stabilisatoren geschult.

Ein Plus an Nachhaltigkeit

»Gerade auch in Bezug auf Circular Economy und Nachhaltigkeit ist der Wechsel zu den recycelten Lösemitteln von Richard Geiss ein wichtiger Schritt für uns gewesen. Umweltschutz ist bei uns fest verankert«, erklärt Mühlberger. Vor allem will das mittelständische Industrieunternehmen den unnötigen Verbrauch von Rohmaterialien reduzieren. Diesem Ziel trägt die Umstellung auf Destillate Rechnung. Denn die Lösemitteldestillate lassen sich unendlich neu aufbereiten, was den Bedarf an neuproduzierten Lösemitteln senkt. Die Kreislaufwirtschaft wirkt sich zudem positiv auf die CO2-Bilanz aus: Wenn Industrieunternehmen auf Frischware verzichten und stattdessen auf recycelte Lösemittel setzen, spart das je nach Produkt zwischen 46 und 92 Prozent an CO2-Emissionen ein. Bei Perchlorethylen erreicht der Hersteller sogar diese 92 Prozent. Das bestätigt die Studie ›Carbon Footprints of Recycled Solvents‹.