Mehr Umsatz durch Multitasking

Seit Jahren setzt Alexander Gienger auf voll automatisierte Maschinen. Die Trumatic 6000 fiber begeistert ihn zudem durch die Vielfalt an Möglichkeiten, die sie bietet.

11. April 2019
Thema: TruMatic 6000 von TRUMPF







Aufnahmedatum: 9. August 2018 







Aufnahmeort: Gienger Metallbau, Ulrich-Gminder-Stra§e 12/2, 72654 Neckartenzlingen







Portrait: Alexander Gienger 







Autorin: Monika Unkelbach 



 



Fotograf: Tobias Gerber  



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Alexander Gienger ist glücklich: »Wir sparen Zeit, Fertigungsschritte und Arbeitskräfte.« (© Trumpf)

Alexander Gienger sprüht vor Energie und Dynamik und so kommt er auch gleich auf den Punkt: »Das einzige, das ich bereue, ist, dass ich diese Maschine nicht schon früher gekauft habe.«

Das Familienunternehmen Gienger hat seinen Sitz im schwäbischen Neckartenzlingen, Deutschland. Vor 34 Jahren im benachbarten Aichtal als kleine Schlosserei von Reiner und Ursula Gienger gegründet hat sich das Unternehmen mit den Jahren zu einem Allrounder in Sachen Metallbau entwickelt. Engagement, Zielstrebigkeit und ein Quäntchen Glück halfen dabei, erzählt Alexander Gienger: »In Aichtal waren wir unmittelbarer Nachbar von Putzmeister, heute Weltmarktführer für Betonpumpen. Als wir uns dazu entschlossen, überwiegend für die Industrie zu arbeiten, waren es Aufträge von Putzmeister, die uns zunächst Rückenwind gaben.«

Heute hat Gienger einen Stamm von rund 450 Kunden und fertigt Einzelteile ebenso wie Großserien bis 150.000 Stück. Für den Apparate- und Maschinenbau entwickelt und produziert das Unternehmen komplette Baugruppen inklusive Montage. Bei Putzmeister sind die Neckartenzlinger als A-Lieferant für derzeit rund 2.100 Artikel gelistet.

Automatisiert auf Erfolgskurs

Alexander Gienger führt das Unternehmen seit 2009 gemeinsam mit seinem kaufmännischen Leiter Denis Fröhlich. Das Erfolgsrezept des Duos ist die kontinuierliche Optimierung aller Prozesse, um Kunden schnell und in bester Qualität beliefern zu können. Automatisierung ist dabei ein wesentlicher Schlüssel des Erfolgs: »Wir fahren schon seit zehn Jahren nur noch eine bemannte Schicht. Ich kaufe meine Maschinen voll automatisiert inklusive Be- und Entladen. Die arbeiten dann nachts und am Wochenende. Das ermöglicht es meinen 35 Mitarbeitern, komplexere Aufgaben zu erledigen, bei denen Maschinen an ihre Grenzen stoßen.« Das ist bei der Stanz-Laser-Kombimaschine Trumatic 6000 fiber kaum der Fall. Auf ihr fertigt Gienger Teile aus Stahl, Aluminium und Edelstahl von 0,5 bis 6 Millimeter Dicke. »Der hohe Automatisierungsgrad der Maschine, ihre Produktivität sowie ihre Prozesssicherheit und Flexibilität waren für mich ausschlaggebend, als ich mich vor zwei Jahren dazu entschlossen habe, sie zu kaufen«, erklärt Alexander Gienger.

Das Wunderkind

Für Dynamik beim Schneiden sorgt der 3-Kilowatt-Trudisk-Festkörperlaser. Er ermöglicht Schneidgeschwindigkeiten bis 34 Meter pro Minute und bewältigt auch spitze Ecken und komplexe Konturen sicher und zuverlässig. Die Laserleistungssteuerung passt die Laserleistung automatisch an die Schnittgeschwindigkeit an. Äußerst flexibel zeigt sich der gegen Reflexionen unempfindliche Festkörperlaser beim Schneiden unterschiedlicher Materialien. Seine Stickstoff-Schneidtechnik garantiert auch bei Buntmetallen, wie Kupfer, Messing oder Titan beste Bearbeitungsqualität – und das aufgrund des geringen Wärmeverzugs mit kaum messbaren Abweichungen vom Nennmaß.

Ebenso stark wie beim Schneiden ist die Trumatic beim Stanzen: Mit 180 Kilonewton Stanzkraft und 1.200 Hüben pro Minute setzt sie Maßstäbe. Gienger: »Wir haben 21 Werkzeugplätze und ein Zehnfach-Multitool. Damit können wir alle Aufgaben bewältigen.« Damit Rüst- und Nebenzeiten kurz ausfallen, ist die Maschine mit einer rotierenden Werkzeugaufnahme ausgestattet. So lässt sich ein Werkzeug beliebig drehen und in unterschiedlichen Richtungen einsetzen. Ein Werkzeugwechsel erfolgt innerhalb weniger Sekunden.

Be- und entladen wird die Maschine mit dem Sheetmaster. Seine Sauger nehmen Bleche und Zuschnitte von der Beladestation und legen sie auf den Maschinentisch. Komplexe Einzelteile werden vereinzelt auf einem Entladepodest abgelegt. Die Restgitter stapelt der GripMaster auf einem Scherenhubtisch.

»Dieses Multitasking ist einfach klasse!«

Begeistert ist Gienger von den vielfältigen Möglichkeiten, die ihm die Trumatic 6000 fiber bietet: »Kleine Kantungen bis 100 Millimeter machen wir auf der Maschine nebenher. Die Bearbeitung von Gehäusen, bei denen vorher zwei Mann nur mit Stanzen beschäftigt waren, läuft jetzt über Nacht. Ohne die Maschine zu wechseln, können wir direkt auf der Kombimaschine Löcher stanzen und filigrane Strukturen lasern. Dieses Multitasking ist einfach klasse!«

»Ohne Trumatic wäre unser Durchsatz unmöglich.«

— Alexander Gienger

Fertigungsschritte, die sich bisher nur aufwendig in Handarbeit erledigen ließen, übernehmen nun genau auf die Maschine abgestimmte Werkzeuge. Gienger: »Mit vier Gewindeeinsätzen und dem Senkwerkzeug können wir automatisch Gewinde einbringen. Dafür waren bisher zwei Mann und zwei Prozessschritte nötig. Dazu kommt, dass sich per Gewindeformen eine viermal so hohe Festigkeit des Gewindes erreichen lässt als bei einem geschnittenen.« Auch für das Einbringen von Sicken und das Kennzeichnen von Blechen hat sich Gienger neue Werkzeuge angeschafft. »Mit dem Multitool Easy Type ist die Kennzeichnung gestochen scharf und mit dem Rollsickenwerkzeug senken wir Materialkosten, indem wir dünnere Bleche versteifen können.«

Gefallen hat Alexander Gienger, dass er sämtliche Bestandswerkzeuge, auch auf der Trumatic 6000 fiber einsetzen kann. »Wir sprechen hier immerhin von rund 240 Werkzeugen, Werkzeugaufnahmen und Matrizen«, erklärt er. »Nur die Abstreifer musste ich neu bestellen.«

Qualitäts- und Geschwindigkeitsweltmeister

Neben Schnelligkeit und Prozesssicherheit ist die Teilequalität ein Kriterium, das bei Alexander Gienger im Fokus steht. »Wir produzieren Teile, die absolut kratzerfrei sein müssen. Klingel-Tableaus aus Edelstahl haben wir beispielsweise vorher nur in kleiner Menge produziert. Nachts war ein Mitarbeiter damit beschäftigt, die Teile einzeln zu entnehmen und auf einem Tisch abzulegen.« Um das zu vermeiden, ließ Gienger zwei Teilerutschen an der Trumatic 6000 fiber anbringen. Die Maschine schneidet die Teile dank des Bürstentisches in bester Qualität und schleust sie dann über die Rutschen schonend aus. Der Mitarbeiter verpackt sie nur noch in Kisten. Gienger: »Auf dem Flachbett-Laser hatten wir bei 100 Teilen durchschnittlich zehn Ausschussteile. Spritzer von unten aufgrund der Auflageleisten sowie Kratzer bei der Entnahme führten zu dieser hohen Rate. Jetzt geht die Quote gegen null.« Mittlerweile produziert Gienger auf der Kombimaschine 3.000 bis 5.000 Teile. »Ohne die Maschine wäre unser hoher Durchsatz gar nicht möglich.«

In Zukunft Grenzen sprengen

Bisher hat Alexander Gienger seine neue Maschine noch nicht beworben. »Wir sind auch so gut ausgelastet«, sagt er schmunzelnd, »aber wir konnten mit der Kombianlage unser Portfolio erweitern und sind noch schneller und besser geworden.« Das zeigt sich auch am Umsatz. Rund 15 Prozent mehr, schätzt Gienger, dürften sich aus der Kombination neuer Aufträge und optimierter Fertigungsprozesse ergeben haben. Gebremst werden die Höhenflüge jetzt nur noch von der Fertigungshalle, die bereits aus allen Nähten platzt. Gienger: »Optimal wäre es gewesen, die Trumatic 6000 fiber an ein Materiallager anzubinden, aber dafür fehlt uns derzeit einfach der Platz.« Aber Alexander Gienger lässt sich von solchen Widrigkeiten nicht aufhalten: »Sobald alles passt, bauen wir auf der grünen Wiese neu, und dann schalten wir mit unseren automatisierten Maschinen samt Lageranbindung noch einen Gang hoch.«

Zahlen & Fakten

TRUMPF wurde 1923 als mechanische Werkstätte gegründet und hat sich zu einem der weltweit führenden Unternehmen für Werkzeugmaschinen, Laser sowie Elektronik für industrielle Anwendungen entwickelt. In Ditzingen befindet sich der Stammsitz der Trumpf-Gruppe mit den beiden Geschäftsbereichen Werkzeugmaschinen und Lasertechnik. Mit insgesamt 13 Produktions- und Vertriebsstandorten in Deutschland ist Trumpf nahe beim Kunden. Im Geschäftsjahr 2017/2018 erwirtschaftete das Unternehmen mit rund 13.400 Mitarbeitern einen Umsatz von 3.566 Millionen Euro.

Erschienen in Ausgabe: 02/2019