Mehr Gewinn

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Zu den Weltgrößten Herstellern von Blechbearbeitungsmaschinen gehört Salvagnini. Produktmanager Tommaso Bonuzzi erläutert, warum sich die Investition in vielseitige Maschinen lohnt.

08. Juni 2011

Salvagnini arbeitet nach einem anderen Prinzip. ›Ausreichend‹ ist für uns nicht gut genug. Mit dem Namen Salvagnini werden bestimmte Erwartungen verknüpft. Diese müssen wir erfüllen – ob es um Integration, Qualität, oder Produktivität geht: Wir müssen, wir wollen top sein – nicht nur ausreichend. Wir besetzen Marktnischen. Unsere Kunden suchen das Besondere, Maschinen, die sie anderswo nicht finden.

Die italienischen Lohnnebenkosten sind extrem hoch, was die Maschinen verteuert, so dass die italienischen Hersteller zur Spitzenqualität geradezu verdammt sind.

Wir zahlen sehr hohe Steuern, aber der Staat bietet auch sehr gute Gegenleistungen. Alles in allem kann man in Italien wohl günstiger produzieren als in Deutschland oder Skandinavien.

Viele italienische Maschinenbauer haben eine sehr schlanke Fertigung, weil es eine gute Infrastruktur exzellenter und zuverlässiger Zulieferer in unmittelbarer Umgebung gibt. Wie ist das bei Salvagnini?

Wir haben ein Netz sehr guter Zulieferer, mit denen wir eng zusammenarbeiten. Salvagnini verfügt jedoch über eine ausreichende Kompetenz sowie eine Werks- und Infrastruktur im Inneren der Firma, die es uns erlauben, zum Beispiel Prototypen komplett selbstständig zu konzipieren und zu konstruieren. Auch in puncto Kundendienst ist Salvagnini so ausgestattet, dass wir den Anforderungen unserer Kunden jederzeit nachkommen können.

Sie haben kurz das Thema Integration angesprochen. Können Sie ein Beispiel nennen.

Einige unserer Anlagen können 40 Bewegungen gleichzeitig ausführen. Dies ist mit Standardsteuerungen nicht möglich. Deshalb haben wir, zusammen mit Partnern, die Steuerung wie auch die Software selbst entwickelt.

So eine Anlage ist aber sicher schwer zu bedienen.

Ganz im Gegenteil: Die einfache und einheitliche Bedienung aller unserer Maschinen stellt das wichtigste Entwicklungsziel dar – ein Ziel, das Tradition hat bei Salvagnini. Schon unser Gründer Guido Salvagnini legte größten Wert darauf. Heute arbeiten bei uns mehr als 60 Personen in den Bereichen Steuerung, Software und Elektrik.

Unsere Kunden sind überrascht dass durch die einfache Programmierung auch kleine Losgrößen effizient gefertigt werden können. Und die Losgrößen werden immer kleiner.

Es ist unsere Mission, Intelligenz in die Blechverarbeitung zu bringen.

Sie propagieren einfache Bedienung und einfache Prozesse – anstelle von einfachen Maschinen.

Genau! Die möglicherweise komplizierten Prozesse laufen in der Anlage ab. Der Bediener sieht sie zwar, aber er muss nicht darüber nachdenken. Für ihn ist der Ablauf einfach. Das ist die wahre Lean Production, mit einfachen Fertigungsprozessen und nicht mit einfachen Maschinen. Ein Beispiel: Hier im Showroom haben wir ein Blechlager direkt an der Maschine, alles integriert. Das Teil wird programmiert: Geometrie, Werkstoff etcetera. Ein Druck auf den Startknopf genügt, und wenig später kommt es fertig gestanzt und gebogen aus der Maschine.

Die Teile können dann auch in beliebiger Stückzahl und Reihenfolge programmiert und produziert werden, ohne die Herstellungsdauer zu verlängern.

Ja. Ein Beispiel: Ein Hersteller von Weißware braucht 500 Gehäuse, bestehend aus mehreren Teilen. Früher wurden zuerst 500 rechte Seiten, dann 500 linke Seiten und so weiter produziert und am Ende der Woche alles auf fünf LKWs geladen und zum Kunden gebracht. Mit unseren Anlagen geht das anders: Man fertigt sofort 100 Sätze bestehend aus mehreren, verschiedenen Teilen und liefert diese 100 Sätze am Montag, weitere 100 Sätze am Dienstag etcetera.

Unsere Maschine mag teurer sein, aber sie bringt auch mehr. Auf mittlere Sicht bringen sie mehr Gewinn als kleine, einfache, billige Maschinen, die nicht viel können.

Und personalkostenintensive Produktionsstandorte wie Deutschland und Italien kann man nur erhalten, wenn man höchst effiziente und produktive Maschinen einsetzt.

Wer sind Ihre Kunden?

Unsere Kunden sind vor allem Zulieferer und Job-shopper. Aber es kommen auch viele OEMs dazu. Viele entwickeln sich in Richtung Losgröße 1 mit parametrisierten Produkten. Ein Beispiel sind Aufzugshersteller, die heute ihre Aufzüge oft wunschgemäß an die Gegebenheiten anpassen müssen, die sie in den Gebäuden vorfinden. Mit Hilfe unserer Maschinen können sie eine hohe Effizienz erzielen.

Welche Bedeutung hat für Sie der deutsche Markt?

Der deutsche Markt ist einer der wichtigsten, in den Ergebnissen am Ende des Jahres ist er immer unter den ersten drei. Im Hinblick auf Qualität ist Deutschland der anspruchsvollste Markt und dies ist sehr wichtig für einen Hersteller: Wenn man in der Lage ist, deutsche Maßstäbe zur erfüllen, kann man weltweit Erfolg erzielen.

Was heißt für Sie Nachhaltigkeit?

Unsere Maschine verbrauchen nur dort Energie, wo sie wirklich gebraucht wird. Das hängt mit der Steuerung und natürlich mit den Antrieben zusammen: Wenn man Paneele abkantet, steigt die Energiebedarf, zum Ausschleusen des Teils sinkt er. Wir sind überzeugt, dass ein Teil, das aus einer Salvagnini-Maschine kommt, mit dem geringsten Energieverbrauch produziert wurde, den man auf dem Markt finden kann.

Die Laser, die wir einsetzen, benötigen weder eine Warm-up- noch eine Shut-down-Time, noch müssen sie zwischendurch betriebsbereit gehalten werden. Und unsere Laser haben einen Wirkungsgrad von etwa 25 Prozent. Hier kommt hinzu, dass auch das Material mit welchem wir arbeiten, das heißt die Blechteile und –abfälle, hundertprozentig recyclebar ist.

Wie entwickelt sich China in Sachen Sicherheit und Nachhaltigkeit?

Ich war kürzlich in China und sehr überrascht, wie hoch der Standard in einigen Unternehmen ist. Auch in der Qualität holt man dort auf. Und unsere einfach zu bedienenden Maschinen kommen den chinesischen Ansprüchen sehr entgegen. Unsere chinesischen Kunden nützen die Maschinen auch konsequent aus, etwa was die interne Logistik betrifft, um mehr Teile in der gleichen Zeit zu fertigen.

Kommen wir zurück nach Europa: Warum soll sich ein Unternehmer statt einer Salvagnini nicht eine kleine, billige Stanze zulegen, die sich mit einem größeren Auftrag in einem Jahr amortisiert hat?

Betrachten wir einen Zeitraum von fünf Jahren: Mit der kleinen Stanze bleiben ihm vier Jahre zum Geldverdienen, mit der Salvagnini, die sich in vielleicht drei Jahren amortisiert, nur zwei. Aber in den zwei Jahren verdient er mit der Salvagnini deutlich mehr als mit der kleinen Stanze in vier Jahren. Und er kann mit unserer Maschine weit mehr anfangen, schneller reagieren, seine Kunden schneller mit Teillieferungen bedienen. Was dies anbelangt sind die chinesischen Unternehmer oft mutiger als viele Europäer.

Was werden Sie auf der Blechexpo zeigen?

Wir werden unter anderem eine hochdynamische Faserlaser-Schneidanlage ausstellen, deren Prototyp schon auf der Euroblech zu sehen war. Jetzt haben wir diese Maschine auf den Markt gebracht. Sie ist ausschließlich für den Faserlaser konzipiert und vermag maximale Geschwindigkeit, Präzision, Zuverlässigkeit und Performance zu erreichen. Diese Maschine bietet Leistungen, die man dem Faserlaser bisher nicht zugetraut hat. So erreichen wir Beschleunigungen bis 5g ohne empfindliche und energiefressende Linearantriebe.

Wir werden auch zwei ganz besondere Abkantpressen auf der Messe zeigen. Salvagnini hat vor einigen Jahren einen kleinen, feinen Hersteller elektrischer Abkantpressen gekauft und damit eine Menge Know-how dazugewonnen. Eine der beiden ausgestellten ist rein elektrisch angetrieben, die zweite durch eine elektronisch angesteuerte Hydraulik. Durch diese Ansteuerung ist sie schneller leiser, verschleißärmer und genügsamer.

Hans-Georg Schätzl

Erschienen in Ausgabe: 03/2011