Mehr Effizienz durch Standardisierung

Die Globalisierung erhöht für den Werkzeug- und Formenbau den Wettbewerbsdruck, bietet aber auch die Chance, von Aufträgen in schnell wachsenden Märkten zu profitieren. Der hohe Kosten- und Zeitdruck zwingt die Betriebe ständig zu einer Effizienzsteigerung. Ein hoher Grad an Standardisierung über die gesamte Prozesskette bietet eine ausgezeichnete Möglichkeit, um Kosten und die Durchlaufzeit von Projekten zu senken.

03. Mai 2019
Mehr Effizienz durch  Standardisierung
Ein formhaltendes Stanzgestell ist im Stanzwerkzeugbau unverzichtbar. (© Meusburger)

Der Produktlebenszyklus eines Werkzeuges erstreckt sich über mehrere Phasen: Von der Entwicklung und der Konstruktion geht es über den Werkzeugbau und die Bemusterung bis hin zur Serienproduktion. Wichtig ist, die Kosten des Werkzeugs ganzheitlich zu betrachten. Bereits zu Beginn eines Projekts sollte über mögliche Einsparungen nachgedacht werden.

Der Einsatz von Normalien wirkt sich hierbei positiv auf die Bilanz aus. Hilfreiche Fragen sind zum Beispiel: Können Werkzeugkomponenten standardisiert werden? Wenn ja, welche Möglichkeiten gibt es, auf intern standardisierte Teile oder Werkzeugkonzepte zurückzugreifen? Könnten diese von einem externen Normalien-Hersteller beschafft werden? Hier gibt es viel Einsparpotenzial, um sich Wettbewerbsvorteile zu sichern.

Die Kosten eines Werkzeuges sind in der Entwicklungsphase stark beeinflussbar, während sie gegen Ende in der Serienproduktion kaum noch gesenkt werden können. Der Konstrukteur bestimmt die Bearbeitungsabfolge im Werkzeug. Es liegt in seiner Hand, wie die einzelnen Bearbeitungsstationen oder auch der Vorschub ausgelegt werden.

In dieser Phase entscheidet sich maßgeblich, mit welchen Produktionsparametern das Werkzeug später in der Stanzerei arbeitet. Weiter entscheidet der Konstrukteur darüber, ob der Werkzeugaufbau aus lagernden Normplatten oder aus auftragsbezogenen Sonderplatten hergestellt wird. Je größer der Anteil an Normalien, desto höher ist der Prozentsatz der fix kalkulierbaren Kosten.

Schneller am Ziel mit Assistenten

Durch den Einsatz von Normalien ergeben sich Einsparungen in allen Bereichen. Das beginnt bei der schnellen und sicheren Vorkalkulation mit Hilfe der Meusburger-Aufbau-Assistenten. Mit diesen digitalen Tools können alle notwendigen Komponenten für ein Projekt schnell und einfach zusammengestellt und für eine spätere Umsetzung gespeichert werden. So vereinfacht Meusburger die Arbeit des Konstrukteurs.

Auch die CAD-Daten kompletter Stanzgestelle können individuell konfiguriert, mit wenigen Klicks vom Meusburger-Webshop exportiert und in den gängigen CAD-Systemen verwendet werden. Dadurch hat der Konstrukteur mehr Zeit, um sich auf die eigentlichen ›Knackpunkte‹ eines Werkzeugs zu konzentrieren.

Denn der Einsatz der standardisierten Teile muss schon während der Konstruktionsphase geplant werden. Ebenso wird die Durchlaufzeit der Werkzeuge mit Hilfe von Standardisierung verringert. Teile, die nicht zur eigenen Kernkompetenz gehören, können als Normteile zugekauft werden, wodurch in der eigenen Fertigung freie Kapazitäten entstehen. Mit der Automatisierung der Prozesse und den dadurch größeren Losgrößen kann zudem eine höhere Wirtschaftlichkeit erreicht werden.

Mit 40.000 Artikeln zum Erfolg

Im Bereich Stanzwerkzeugbau bietet Meusburger mehr als 40.000 Artikel, die speziell auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten sind. Doch wie verhelfen all jene zu Kosteneffizienz und nachhaltigem Erfolg? Einerseits bietet der Hersteller spannungsarm geglühte Platten in mehr als 29 Materialqualitäten an. Das verzugsarme Material hat einen großen Einfluss auf die Herstellungs- und Wartungskosten der Werkzeuge, denn dank der spannungsarm geglühten Qualitätsstähle sowie den präzisen Form- und Lagetoleranzen können Folgekosten reduziert werden. Andererseits übernehmen auch Einbauteile – zum Beispiel Aktivelemente – wichtige Aufgaben im Werkzeug. Diese zuzukaufen, anstatt sie selbst herzustellen, bietet eine weitere große Ersparnis und somit langfristig einen Wettbewerbsvorteil.

Gerade bei den Aktivelementen besteht ein großes Einsparpotenzial durch Standardisierung. Beispielsweise wird der Streifeneinlauf ›E 5620‹ und ›E 5622‹ nun in verschiedenen Größen für Streifenbreiten bis zu 152 Millimeter angeboten. So kann die Streifenbreite bereits vor der Montage am Stanzwerkzeug einfach und exakt mittels Endmaß eingestellt werden.

Präzision im Stanzwerkzeugbau

Ein präzises, formhaltendes Stanzgestell ist im Stanzwerkzeugbau unverzichtbar für die wiederholgenaue Fertigung eines exakten Stanzteils. Meusburger bietet die perfekte Grundlage für ein genau arbeitendes Stanzwerkzeug. Mit dem standardmäßigen Spannungsarmglühen der Stahlsorten sowie der ideal temperierten Produktion und Lagerung wird der Verzug des Stahls auf ein Minimum reduziert.

Aus diesem Ausgangsmaterial fertigen moderne Maschinen hochpräzise Platten, die unabhängig von der Stahlsorte idente Maße und Toleranzfelder aufweisen. Strikte Bearbeitungsrichtlinien sowie die Kontrolle mit der Zeiss-Messanalage garantieren gleichbleibende Qualität. Die Stanznormalien von Meusburger sind perfekt aufeinander abgestimmt und eignen sich optimal für den modularen Aufbau eines individuellen Stanzgestelles mit verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten.

Meusburger ist es ein wichtiges Anliegen, Werkzeugbauer während des gesamten Bearbeitungsprozesses bestmöglich zu unterstützen. Deshalb sind die Normalien von Meusburger anwenderfreundlich konstruiert, in der Praxis geprüft und werden laufend weiterentwickelt. So dient zum Beispiel die Ausrichtkante bei den Stanzplatten zur Unterstützung der parallelen Ausrichtung auf der Bearbeitungsmaschine.

Ideal abgestimmte Säulen- und Buchsenbohrungen mit tolerierten Bohrungsabständen von ± 0,003 Millimetern sorgen für eine hohe Präzision und Wiederholgenauigkeit. Die verdrehgesicherte Konstruktion erlaubt den Einbau der Säule sowohl in der Kopf- als auch in der Grundplatte. Damit die Luft beim Eintauchen der Säule in die Gleitführungen entweichen kann, werden die Aufspannleisten standardmäßig mit einer Entlüftungsnut gefertigt. Darüber hinaus hat Meusburger ein optimal angepasstes Sortiment an Einbauteilen.

— Zur Herstellung eines einwandfreien Stanzwerkzeugs hat Meusburger das ›H 3000‹ entwickelt.

Das neue H-3000-Spannsystem für den Stanzwerkzeugbau

Um den Werkzeugmacher in der Herstellung eines maßlich einwandfreien Stanzwerkzeugs zu unterstützen, hat Meusburger das innovative ›H-3000‹-Spannsystem entwickelt. Dieses Spannsystem eignet sich für den Stanzwerkzeugbau zum Ausrichten von Stanzplatten auf der Bearbeitungsmaschine. Die Ausrichtung und Aufspannung der Stanzplatten in den Führungsbohrungen ermöglicht nicht nur ein wiederholgenaues Spannen im Mikrometer-Bereich und eine starke Verkürzung der Rüstzeiten, sondern vereinfacht auch die Maschinenprogrammierung durch das Aufspannen ohne Störkonturen. Das H-3000-Spannsystem erleichtert dem Werkzeugbauer die Fertigung eines präzisen Stanzwerkzeugs, das wiederum zur Erhöhung der Qualität der gestanzten Teile beiträgt.

Langfristige Wettbewerbsvorteile

Alles in allem können Stanzwerkzeugbauer durch den konsequenten Einsatz von Meusburger-Normalien in vielerlei Hinsicht profitieren, denn präzise Endprodukte hängen letztendlich von präzisen Stanzgestellen ab. Meusburger bietet die perfekte Basis dafür. Das modulare System erlaubt eine nahezu beliebige Anzahl an Kombinationsmöglichkeiten – und das bei hoher und gleichbleibender Präzision.

Tipps zur Standardisierung

• Qualitätsstandards durch verzugsarme Platten schaffen

• Konstruktionsrichtlinien erstellen

• Die Vielfalt an verwendeten Komponenten reduzieren

• Standardisierte Bauteile verwenden und dadurch Herstellkosten senken

• Bearbeitungsrichtlinien wie vordefinierte Toleranzen oder Maße erstellen

• Standardisierte Abläufe schaffen.

Infobox

Zahlen & Fakten

Meusburger ist ein österreichischer Hersteller von Normalien für Formaufbauten und Stanzgestelle mit mehr als 21.000 Kunden weltweit. Das Unternehmen mit rund 1.700 Mitarbeitern wurde 1964 als Ein-Mann-Unternehmen in Dornbirn gegründet und ist bis heute im Familienbesitz. Die Produkte werden im Formen- und Stanzwerkzeugbau eingesetzt.

Erschienen in Ausgabe: 03/2019
Seite: 5 bis 41