Maximale Kundenorientierung

Sägeanlage als wichtiges Betriebsmittel

Maximale Kundenorientierung ist für Kuss Stahlhandel in Altenkirchen/ Westerwald der Schlüssel für ein gezieltes Wachstum im Stahlhandel. Um Wartezeiten zu vermeiden, wird daher die Maschinenkapazität und -qualität der Nachfrage angepasst. Unter anderem wurde in eine Sägeanlage von Meba Maschinenbau GmbH aus Westerheim/ Schwäbische Alb investiert.

17. Dezember 2001

Kuss ist ein mittelständisches Handelsunternehmen in Familienbesitz mit etwa 110 Mitarbeitern. Der Kundschaft wird eine breite Palette an verschiedenen Produkten, zum Beispiel Sanitärbedarf, Badeinrichtungen, Saunen, Küchen und Öfen sowie eine große Auswahl von Werkzeugen über Eisenwaren bis hin zu Stahl angeboten. Die Stahlabteilung handelt mit Vierkant-, Rechteck-, Rundrohren nach DIN 2440/2448, Stabstahl, Formstahl, Breitflanschträgern, Edelstahl 1.4301, Aluminium und Blechen sowie Betonmatten und Betonstahl - bearbeitet in der eigenen Biegerei.

Letztes Jahr beschloss die Geschäftsleitung von Kuss, den Stahlhandel um weitere 30 Prozent auszubauen. Im Zeitraum von zwei Jahren soll der monatliche Ausstoß von 800 auf 1.100 Tonnen Stahl steigen. Dass dies mit den damals bestehenden Mitteln nicht möglich sein würde, war allen Beteiligten schnell klar.

„Die Erweiterung des bereits umfangreichen Sortiments, höhere Lieferbereitschaft sowie schnelle und qualitativ hohe Abarbeitung der Sägeaufträge haben wir als Schlüssel zum Erfolg ausgemacht“, so Olaf Becker, stellvertretender Abteilungsleiter Stahl, „um damit die Stammkundschaft stärker zu binden und neue Kunden zu gewinnen. Weiter wollten wir die Möglichkeit schaffen, auch Großaufträge abzuarbeiten.“

Eine Anlage für alle Fälle

Die Verantwortlichen von Kuss beschlossen, die vorhandene Lagerfläche für Stahl auf rund 5.000 m2 zu erhöhen und die bestehende Sägeanlage um modernste Sägetechnologie zu ergänzen. Olaf Becker erinnert sich an die Planungsphase: „Um mit marktgerechten Preisen konkurrenzfähig zu sein, wollten wir unser ganzes Sortiment - von gebündelten Stahlrohren über Stabstahl und Breitflanschträger bis hin zu Edelstahlvollmaterial - auf einer einzigen Anlage mit nur einem Bediener bewältigen können. Wir wollten eine Anlage, mit der Gehrungsschnitte von 30-45-90-135°, Bündelschnitte, Serienschnitte, aber auch Einzelschnitte möglich sind. Die Abschnittlänge sollte hierbei beliebig von 0 bis 12.000 mm wählbar sein. Der Sägeablauf sollte, bei einer dennoch einfachen Bedienung, automatisiert sein.

Automatik mit einfacher Bedienung

Kuss hat sich für eine Sägeanlage von Meba entschieden. Herzstück der Anlage ist ein Doppelgehrungs-Vollautomat Typ „Meba 400 DGA-700“. Dieser Sägeautomat ist für den schweren Einsatz konzipiert. Auf die Zweisäulenführung mit einer geschliffenen und gehärteten Rundsäule und einer Flachsäule gewährleistet Meba zehn Jahre Herstellergarantie auf Funktion und auf Verschleiß. Die Schnittkapazität liegt für Flachmaterial bei 400 x 700 mm beziehungsweise 406 mm für Rundmaterial. In der Grundausstattung hat diese Maschine bereits zwei NC-Achsen, eine in der Gehrungseinstellung und die andere in der Nachschubzange. Die Genauigkeit für die Gehrungseinstellung liegt bei ± 0,1°, die Längentoleranz der Nachschubzange beträgt ± 0,1 mm.

Automatische Anpassung an die Sägeaufgabe

Ausstattungsdetails wie der vollautomatische Nullanschlag, Bündel- Vollhubspannung mit automatischer Anpassung an die Bündelgröße, Schnittverlaufskontrolle, elektronische Mindestdrehzahl-Überwachung, Bandbruchüberwachung, hydraulische Bandspannung, Kratzbandförderer für die Späneentsorgung und eine hydraulisch anhebbare und angetriebene Materialheberolle gewährleisten einen sicheren Sägebetrieb.

Eine von Meba neu entwickelte Vorschubsteuerung, mit der sich Schnittdruck und Sägevorschub stufenlos einstellen lassen, eignet sich gleichermaßen für das Sägen von Profilen sowie von Vollmaterial. Beim Sägen von Profilen wird mit konstantem Schnittdruck, beim Sägen von Vollmaterial mit konstanten Vorschub gesägt. Mit Überschreitung des vorgewählten Schnittdrucks wird der Sägevorschub automatisch reduziert.

Als Steuerung wird die Meba-Programmsteuerung Typ III für Doppelgehrungsvollautomaten eingesetzt. Der Vorteil dieser Steuerung liegt in der einfachen Programmierung der Anlage mit Hilfe von Schnittbildern an einem Siemens-Operator-panel. Je nach gewählter Sägeaufgabe fordert die Steuerung die notwendigen Sägemaße an. Weitere Größen, aus der Programmfolge sich ergebende Zwickelstücke und die Schnittkanalbreite in Abhängigkeit von der Gehrungsposition berechnet und programmiert die Steuerung von selbst.

Qualitätssicherung und Bedienkomfort groß geschrieben

Im Automatikmodus werden die Soll- und Ist-Werte ständig angezeigt und verglichen. Anhand eines Schnittbildes wird die aktuelle Sägeaufgabe dem Bediener angezeigt. Über ein Balkendiagramm erhält er Informationen über den Schnittverlauf. Die Skalierung und die maximal zulässige Abweichung sind vom Benutzer stufenlos wählbar. Bei Überschreitung des zulässigen Wertes schaltet die Maschine ab und meldet dies. In der Standardausführung sind 255 Bearbeitungsprogramme mit je 20 Sätzen speicherbar.

In den Betriebs- und Störmeldungen lassen sich auf einfache Weise Probleme diagnostizieren. Die meisten Fragen können so mit dem Meba- Service telefonisch geklärt werden.

Auf Wunsch kann die Maschine um eine PC-Datenbank-Software zur Verwaltung und Programmierung von 5.000 Bearbeitungsprogrammen und bis zu 1.000 Materialgruppen mit Technologiedaten wie Schnittgeschwindigkeit, Schnittdruck, Vorschub und Spanndruck erweitert werden. Dies ermöglicht zum Beispiel die Programmierung der Anlage aus der Arbeitsvorbereitung.

Peripherie entscheidet über Effizienz

Auf Basis des Meba-Baukastensystems wurde die Säge nach den Wünschen von Kuss um eine Beschickungs- und Entsorgungsanlage sowie um einen NC-gesteuerten Messwagen ergänzt.

An der Zufuhrseite wurde ein angetriebener Rollengang mit einer Länge von 18 m und einer Nutzbreite von 700 mm installiert. Der Antrieb des Rollengangs wird über frequenzgeregelte Stirnradgetriebe-Bremsmotoren vorgenommen. Die Rollenbahngeschwindigkeit ist stufenlos von 1,3 bis 23 m/min einstellbar. Im Automatikbetrieb läuft die Rollenbahn synchron zum Zangeneinschub der Maschine, was einen sicheren Materialtransport und eine exakte Materialmessung garantiert. Die Bedienung und Ansteuerung der Rollenbahn erfolgt zentral am Bedienpult der Maschine.

Für die Vorlagerung und die Lagerung von Reststücken wird ein Hubwagenquerförderer mit fünf Holmen eingesetzt. Materiallängen von 1,6 bis 18 Meter lassen sich mit dieser Technik sicher querfördern. Die Verfahrgeschwindigkeit beträgt im Eilgang 13 m/min, im Schleichgang 1,9 m/min. Dies gilt für alle gängigen Materialien und Abmessungen von Trägern, Bündeln und auch Rundmaterialien. Auf wenig Raum lassen sich so die unterschiedlichsten Materialabmessungen vorlagern.

Auf einem Reststücklager werden Reststücke ab 1,2 m zwischengelagert. So kann die Maschine ohne Unterbrechung mit dem nächsten Sägeauftrag beginnen. Die Effizienz der Anlage wird somit deutlich erhöht. Das Reststück wird mit dem Hallenkran vom Reststücklager genommen und ins Materiallager zurückgebracht.

Angepasste Zu- und Abfuhr

Auf der Abfuhrseite ist ebenfalls ein angetriebener Rollengang mit einer Länge von 13 m installiert. Entsprechend dem Zufuhrrollengang beträgt die Nutzbreite 700 mm. Die Rollenbahngeschwindigkeit ist auch hier stufenlos von 1,3 bis 23 m/min einstellbar.

Die ersten 1.000 mm des Abfuhrrollengangs sind mit abgestuften Rollen ausgeführt. Der Rollgang kann auf diese Weise direkt an die Maschine anbinden. Die Gehrungseinstellung der Maschine wird nicht behindert. Über eine Kupplung wird die Verbindung und der Antrieb zum folgenden Rollengang hergestellt.

Beim Sägen von Serienschnitten mit Abschnittlängen kleiner als 600 mm wird die Kurzrollenbahn gegen eine Box getauscht. Die Abschnitte fallen über eine Materialrutsche in die bereitgestellte Box. Die Funktion der Anlage entspricht in diesem Falle einem 90°- Abschnittautomaten.

NC-Messwagen für schwerste Einsatzbedingungen

Für die Messung längerer Abschnitte ist abfuhrseitig ein stabiler NC-Messwagen installiert, der schwersten Einsatzbedingungen gewachsen ist. Durch eine in den Messwagen integrierte Vorabschaltung wird die Endpositionierung des Materials im Schleichgang durchgeführt. Beim Erreichen der Soll-Position schaltet der Rollgang ab, das Material wird gespannt. Mit Beginn des Sägeschnitts fährt der Messwagen frei und schwenkt hoch.

Handling spart Geld und Zeit

Alle Abschnitte mit einer Länge zwischen 600 und 12.000 mm werden über den angetriebenen Abfuhrrollengang automatisch aus dem Maschinenbereich transportiert und über eine Querabschiebeeinrichtung auf das 3 m breite und 12 m lange Kommissionierlager geschoben.

Die Querabschiebeeinrichtung treiben Zahnstangen über einen frequenzgeregelten Stirnradgetriebe-Bremsmotor an. Die Abschiebegeschwindigkeit lässt sich vom Bedienpult stufenlos einstellen, und so bei leichtem und mittelschwerem Material die Taktzeit weiter verkürzen.

Das Kommissionierlager schließt direkt an die Fahrstraße für die LKW-Beladung an. Mit dem Hallenkran werden die Sägeabschnitte ohne vorheriges Zwischen-Handling direkt auf den LKW geladen.

Mehr Möglichkeiten durch Baukastensystem

Die Meba-Sägeanlage wurde im Dezember 1999 bei Kuss installiert. Seit Januar 2000 ist sie voll in Betrieb.

Ähnliche Anlagen sind mit dem Meba-Baukastensystem möglich. Den Anwendern bietet Meba eine breite Produktpalette, bestehend aus über 50 verschiedenen Maschinen, vom 90°-Halbautomaten bis zum Doppelgehrungs-Vollautomaten mit einer Schnittkapazität von 600 x 1.000 mm.

Die Maschinenausstattung sowie die komplette Peripherie mit Zufuhr, Abfuhr, Messsystem, Querbeschickung und Querentsorgung wird nach den spezifischen Anforderungen der Kunden ausgeführt.

Erschienen in Ausgabe: 04/2000