Massive Optik

Materialbeschichtung sieht massiv aus und ist ganz leicht - wie funktioniert das? Eine Möglichkeit ist das Metallfolieren auf Profilen und Platten als leichten Trägermaterialien. Neue Entwicklungen bei Maschinen und Klebstoffen ermöglichen nun auch das Metallfolieren mit Edelstahl und Aluminium.

09. August 2007

Klebebeschichtung mit Metall ist in der Oberflächenbehandlung bisher noch weitgehend unbekannt. Neue Entwicklungen bei Maschinen und Klebstoffen machen nun auch die Beschichtung mit Edelstahl und Aluminium möglich. In vielen Bereichen ist die Metallfolierung eine funktionale und preiswerte Alternative zu Massivmaterialien.

Leichtigkeit durch Metallfolieren

»Durch Beschichtungsverfahren lassen sich die spezifischen Vorteile unterschiedlicher Werkstoffe in einem Bauteil vereinen«, so Wolfgang Schwarz, Geschäftsführer der Schwarz Profilbeschichtungs GmbH & Co. KG, die seit 20 Jahren auf das Aufbringen verschiedenster Materialien auf Profile und Platten spezialisiert ist. »Die Kombination von gängigen Trägermaterialien mit Folien aus Edelstahl oder Aluminium bringt eine funktionale und optische Bereicherung und ist gegenüber Massivmetall meist deutlich günstiger«, bringt Schwarz die Vorteile auf den Punkt.

Metall statt Kunststofffolien

In einem Beschichtungsvorgang, der bisher überwiegend im Zusammenhang mit Kunststofffolien angewendet wurde, werden die Metalle wie Folien beispielsweise auf Profile aufgeklebt. Eine der Hauptschwierigkeiten stellt dabei der Klebstoffauftrag dar. Dieser muss deutlich dünner als die Folie sein, damit kein sogenannter »Matratzen-Effekt« entsteht. Speziell bei dünnen, hochglänzenden Folien sollte der verwendete reaktive Hotmelt-Klebestoff eine Dicke von nicht mehr als 0,015 mm erreichen - eine Herausforderung für die Produktion. Schwarz Profilbeschichtung setzt dazu eigens entwickelte Maschinen ein, die mit einer besonderen Pumpensteuerung und Temperaturführung ausgestattet sind und die Toleranzen der Folie ausgleichen können.

Attraktive Kostensenker

Die Einsatzbereiche dieses neuen Beschichtungsverfahrens sind vielfältig und reichen vom Möbel-, Laden- und Fensterbau bis hin zur Automotive-Branche. »Immer dann, wenn es darum geht, Kosten zu senken, sollte man Beschichtung in Betracht ziehen. Denn in den meisten Fällen können hier signifikante Einsparungen erreicht werden«, so Schwarz. Mit der Vorgabe, Geld aber auch Gewicht zu sparen, trat kürzlich ein Systemgeber an die Firma Schwarz heran. Für die Schiffsküche eines Ozeandampfers wurden T-Profile benötigt, die üblicherweise aus massivem Edelstahl bestehen - aufgrund der hohen Materialpreise von Edelstahl sowie dem aufwendigen Strangpressen eine sehr kostspielige Angelegenheit. Da Edelstahloberflächen für Großküchen aus Hygienegründen Pflicht sind, erstellte man ein Aluprofil, bei dem sämtliche Sichtflächen mit einer 0,02 mm dicken Edelstahlfolie beschichtet wurden. Das Ergebnis war letztlich nicht nur wesentlich günstiger, sondern auch leichter als Edelstahl-T-Profile.

»Leichte« Ästhetik

Nicht immer steht die Funktion im Vordergrund, häufig sind es ästhetische Empfindungen, die die Wahl einer bestimmten Oberfläche beeinflussen. Ein beliebter Trend im Wohnbereich ist die Edelstahl-Optik bei Geräten und Einrichtung. Da massive Teile teuer sind und Möbel schwer machen, wird auch hier häufig mit Beschichtung gearbeitet. »Grundsätzlich lässt sich Edelstahl mit Klebetechnik auf Kunststoff-, Aluminium-, oder Holzprofilen und -platten aufbringen. Im Einzelnen muss allerdings geprüft werden, wie sich das Material dann im Einsatz verhält«, gibt Schwarz zu bedenken. So muss der Verarbeiter von beispielsweise stahlbeschichteten Fensterprofilen den unterschiedlichen Wärmeausdehnungskoeffizienten bei der maximalen Flügelgröße mit berücksichtigen und sich beim Eckschweißen und Verputzen anpassen. Zudem wird auch eine Schweißnahtbegrenzung nötig.

Wenn Kunststoff metallisch wird

Ein weiteres Einsatzgebiet für Metalloberflächen ist die Beschichtung von Kunststofffenstern mit einer nur 0,2 mm dicken Alufolie. Sie stellt eine kostengünstige Alternative zu den gängigen PVC-Alu-Schalensystemen dar, die eine eigene Fertigungsstraße erfordern. Noch hat sich dieser Ansatz nicht am Markt etabliert, doch Wolfgang Schwarz ist von der Lösung und ihrer Wirtschaftlichkeit überzeugt: »Der Verkaufspreis von alubeschichteten Profilen kann ähnlich hoch angesetzt werden wie bei den deutlich ertragsstärkeren PVC-Alu-Schalensystemen. Dabei ist die Verarbeitung wesentlich einfacher.«

Erschienen in Ausgabe: 05/2007