Man muss es gesehen haben

Die Veränderung zum Guten. Auf Japanisch lässt sich dieser Satz in einem Wort, bestehend aus KAI = die Veränderung und ZEN = zum Guten, kurz Kaizen, ­ausdrücken. Was das mit Instandhaltung, der neuen Messe „Maintain“ und dem M,O,C,-Veranstaltungscenter in München zu tun hat?

17. Oktober 2005

„Viele High-Tech-Maschinen sind wartungstechnische Krüppel“, so Udo Reimer, Niederlassungsleiter Deutschland des Kaizen Institute of Europe, Bad Homburg. Damit wären wir mitten im Thema - der Instandhaltung. Speziell zu diesem Thema wird die Messe München im Oktober die Maintain (www.maintain-europe.com) im M,O,C,-Veranstaltungscenter im Münchener Norden veranstalten. »119 Aussteller­anmeldungen, darunter die Marktführer der Maintenance-Branche, sowie 6.000 Bruttoquadratmeter Ausstellungsfläche, haben bereits jetzt den Rahmen des Erwarteten bei weitem gesprengt«, erläutert Norbert H. Bargmann, Geschäftsführer der Messe München, erfreut den anwesenden Branchenspezialisten und Journalisten am Round Table im Konferenzraum K1 des 1992 errichteten, hochmodernen M,O,C,. Inzwischen sind die Hallen 1 und 2 ausgebucht und dank des raffinierten Baukonzeptes des M,O,C, lässt sich die Ausstellungsfläche durch das Öffnen der Industrietore zwischen den einzelnen Hallen bis auf 15.000 qm erweitern, erfahren wir auf dem späteren Rundgang, der vom Leiter des M,O,C, Dr. Martin Lerchner, geführt wird.

Dass mit dieser neuen Messe ein Nerv getroffen wurde, belegen die Ausstellerzahlen schon jetzt. Dass sich mit vorbeugender Instandhaltung - ob von externen Experten oder internen Instandhaltern durchgeführt -, die Produktivität steigern, die Maschinenstillstandszeiten teils drastisch verringern und somit erhebliche Kosteneinsparungen realisieren lassen, ist vielen auch heute noch nicht klar. „Wartung kommt nicht von warten“, so Jürgen Stübinger, Leiter Business Development Siemens AG Industrial Solutions and Services IS OLM, und plädiert für einen Strategiewechsel von der »reaktiven« zur „proaktiven“ Instandhaltung. Eric Schwabedissen, Vertriebsleiter Deutschland der Prüftechnik Alignment Systems GmbH, stimmt dem zu und zeigt anhand von Kundendaten auf, dass durch das Monitoring und vorbeugende Instandhaltung „die Instandhaltung ein klarer Wertschöpfungsfaktor ist.“

Graue Mäuse?

Manchem Firmenleiter krampft es den Magen zusammen, wenn er im Flur seinem Instandhaltungschef begegnet, denn für ihn bedeutet Instandhaltung = Kosten und ist damit ein notwendiges Übel. So erging es einst auch Bernhard Werner, Leiter Maschinen, Anlagentechnik und -instandhaltung MTU Friedrichshafen. „Wir sind keine grauen Mäuse und es ist bedauerlich, dass viele den Instandhalter erst sehen, wenn eine Maschine ausfällt. Ich möchte nicht als einer gelten, der Kosten verursacht, sondern als einer, der eine Leistung erbringt“, so Werner. Er plädiert für die zustandsorientierte Instandhaltung (nicht zu früh oder zu spät eingreifen) und dazu gilt es die Menschen einzubinden und zu kommunizieren, und dass hier die Praktiker eng mit den „Theoretikern“ zusammenarbeiten, denn Instandhaltung beginnt mit dem Maschinenkauf und da sind bei MTU auch die Instandhalter mit eingebunden.

Auch Jürgen Stübinger von Siemens bringt noch einen Punkt zur Sprache: „Sie kennen es ja eigentlich: Sauberkeit und Ordnung = Sicherheit. Dass sich die Einhaltung dieser Prämisse auch lebensverlängernd auf Maschinenleben auswirkt und zudem für geringere Stillstandszeiten mitverantwortlich ist, ist klar. Wenn wir einen Kunden beraten, dann gilt für uns eine Leistungsbezogene Bezahlung. Dazu erstellen wir einen Parameterkatalog, wie etwa Maschinenstillstandszeiten, mit dessen Hilfe wir zusammen mit unseren Kunden den Erfolg der getroffenen Instandhaltungsmaßnahmen aufzeigen können. Dazu gibt es alle vier Wochen ein „Maintenance Management Meeting“, auf dem wir die einzelnen Punkte durchgehen und Maßnahmen beschließen.“ Die Instandhaltungskosten sind ein wichtiger Faktor bei den „Life-cycle-costs“, also den Betriebskosten der Maschine und die lassen sich mit der richtigen Strategie weiter senken.

Mensch und Maschine

Bei allen Referenten wird eines offensichtlich: Der Mensch steht im Mittelpunkt der Bemühungen. Sei es der Konstrukteur, der die Maschine bereits wartungsarm konstruieren sollte, der Betreiber, der proaktiv Instand halten sollte, oder der Mann an der Maschine, der seine Maschine sauber und in Ordnung halten sollte. Denn in der Statistik liegen laut Udo Reimer vom Kaizen Institut die Gründe für einen Maschinenausfall nur zu 25 % am Verschleiß, jedoch zu 75 % an den Faktoren Verschmutzung und Mensch. Und so wie Norbert H. Bargmann das Begrüßungswort gesprochen hat, beendet er den Round Table und verweist im Hinblick auf die Maintain im Oktober auf ein Sprichwort aus Usbekistan: „Man kann 1.000-mal von einer Sache gehört haben, man muss es gesehen haben.“

FaktenTreffpunkt für Instandhalter

Die Maintain 2005, internationale Fachmesse für industrielle Instandhaltung, hat vom 18. bis 20.10.2005 Premiere.

Die Messe findet in den Hallen des M,O,C,-Veranstaltungscenters statt. Der DKIN-Fachkongress sowie Diskussionsforen ergänzen die Ausstellerpräsentationen.

Bisher sind 119 Aussteller aus 17 Nationen, darunter die Marktführer der Branche, angemeldet (Stand 14.7.2005). Auf der MOC-Internetseite www.moc-muenchen.de sowie auf der Messe-Homepage www.maintain-europe.com sind die aktuelle Ausstellerliste sowie alle wichtigen Fakten zur Maintain-Messe ersichtlich.

Erschienen in Ausgabe: 10/2005