„Lösungen sind unsere Stärke“

Martin Buchholz (44), geschäftsführender Gesellschafter und Inhaber der Weinbrenner Umformsysteme GmbH & Co. KG (www.weinbrenner-online.com), zu seinem Unternehmen, dem Neuaufbau und seinen Zielen.

06. Dezember 2006

br: Herr Buchholz, lange war unklar, wie es mit dem renommierten Unternehmen Weinbrenner weitergehen würde. Seit 2005 leiten Sie das Unternehmen, was wurde bisher geschafft?

Martin Buchholz: Zunächst haben wir versucht den Markt und die Kunden zu beruhigen und das Vertrauen zurückzugewinnen. Dazu haben wir viele Kunden besucht und dabei auch Neukunden gewonnen. Dann sind wir zügig an den Aufbau einer neuen Vertriebs- und Servicestruktur gegangen und haben zudem die Fertigungstiefe reduziert. Dazu haben wir uns bei Weinbrenner darauf verständigt, nur Kernkompetenzen selbst zu fertigen. Ein weiterer Prozess betraf die Mitarbeiter des Unternehmens. Hier haben wir die Mitarbeiterstruktur bereinigt und neue Mitarbeiter eingestellt. Zudem haben wir mit der geplanten Konsolidierung im Unternehmen begonnen und diese sowie geplante Investitionen, umgesetzt. So sind wir vermutlich als einziger Hersteller in der Lage, beispielsweise Werkzeuge selbst zu fertigen.

Wie sieht Ihre Mitarbeiterstruktur aus?

Durch die Insolvenz sind nahezu keine Mitarbeiter verloren gegangen. Alle wichtigen Wissensträger sind geblieben. Die Anzahl der Mitarbeiter in Konstruktion, Service und Montage ist erhöht worden, allein die Kapazität in der Konstruktion wurde nahezu verdreifacht. Auch im Bereich der Verwaltung sind neue Mitarbeiter hinzugekommen.

Hochwertige Abkantpressen und Biegezentren bauen auch andere Hersteller. Was ist an Weinbrenner-Maschinen das Besondere?

Unsere Maschinen zeichnen sich durch eine sehr hohe Qualität, durch ein präzises Arbeiten und Kanten mit Winkelmessung, eine hohe Maschinenverfügbarkeit und höchste Zuverlässigkeit, sowie eine sehr geringe Störanfälligkeit aus. Die Maschinen und die Maschinenteile werden alle in Deutschland gefertigt. Wir verwenden, im Gegensatz zu unseren Wettbewerben, einen guten Stahl. Unsere Maschinen sind stabil, die des Wettbewerbs sind instabil und flattern während des Arbeitens. Zudem fertigen viele unserer Wettbewerber in Osteuropa. Die dort hergestellten Produkte lassen es oftmals an Qualität fehlen. Bekanntermaßen können wir mit unseren Maschinen technische Lösungen bieten, die andere offensichtlich nicht können. Gleich, ob bei den Pressen oder bei den Biegezentren. Schließlich wurden viele Entwicklungen, die heute im Markt existent sind, im Hause Weinbrenner entwickelt. Unsere Palette reicht von einer prozessorientierten Beratung, über die Realisierung individueller Biegehöhen und Anschlagkonfigurationen bis hin zur intelligenten Ablauf- und Stückzeitoptimierung.

Ihre Maschinen sind ein integrativer Bestandteil der flexiblen Blechfertigung. Können Sie sich Kooperationen mit anderen Maschinenbauern vorstellen, um Ihren Kunden Gesamtfertigungslösungen zu bieten?

Ja, es fanden in der Vergangenheit gemeinsame Lösungen mit Trumpf statt. Kooperationen mit anderen Anbietern, beispielsweise LVD und andere, kommen hingegen nicht in Frage.

Kundenspezifische Lösungen sind Trend im Maschinenbau. Wie haben Sie Ihr Unternehmen hier positioniert?

Wir stellen neben Standardprodukten bevorzugt kundenspezifische und kundenorientierte Lösungen her beziehungsweise bieten diese an. Lösungen sind unsere Stärke, gleich ob Pressen, roboterunterstützte Pressen oder bei Biegezentren. Gerade bei den automatisierten Pressen war und ist Weinbrenner führend. Auch hier sind die heute existierenden Lösungen im Hause Weinbrenner entstanden, jedoch wurden diese vielfach, wenn auch schlecht, kopiert.

Neben einem exzellenten Maschinenbau verlangen die Kunden Service und Unterstützung - möglichst 24 Stunden am Tag. Wie wird dies bei Ihnen gewährleistet?

Wir haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Es wurden neue Servicetechniker eingestellt. Mittlerweile sind Servicestützpunkte eingerichtet worden. Weitere sollen hinzukommen. Weiterhin wollen wir sehr schnell eine sehr hohe Servicebereitschaft erreichen. Dennoch verfügen wir auch heute schon über einen guten Service mit einer entsprechenden Servicebereitschaft. Wir bieten eine gute telefonische Beratung. Dennoch konnten wir in den vergangen Wochen leider nicht allen Kunden einen zufriedenstellenden Service bieten. Dies wird sich zukünftig jedoch ändern. Kurzfristig soll neben den vorher genannten Zielen, sofern gewünscht, auch ein 24-Stunden-Service mit Rufbereitschaft eingerichtet werden.

Wo sehen Sie die Trends im Biegebereich?

Der Trend in der Umformtechnik wird sich aus heutiger Sicht zu mannlosen Systemen und Systemen mit hohen Taktzeiten und Systemen im Sinne der Verbundautomatik entwickeln. Auch wird sich die Kombination aus präzisem Laserschnitt und winkel­orientiertem Biegen durchsetzen. Zu berücksichtigen wird auch sein, dass die Daten zukünftig nur noch einmal zentral erstellt werden und allen Fertigungsprozessen zugeführt werden.

Internationalität gewinnt in einer globalisierten Welt an Bedeutung. Bekomme ich Ihre Maschinen und Ihren Service auch im Ausland?

Unsere Maschinen nebst Service bekommen Sie in nahezu allen für uns relevanten europäischen Märkten.

BackgroundDer Qualitätsfanatiker

Martin Buchholz (44 Jahre) hat im September 2005 das renommierte Unternehmen Weinbrenner übernommen und leitet es seither als geschäftsführender Gesellschafter. Auf der Euroblech traf bbr den neuen Chef und erfuhr, wie Martin Buchholz das Traditionsunternehmen wieder auf Kurs gebracht hat.

Dazu setzt der Chef von 60 Mitarbeitern vor allem auf zwei Dinge: Qualität made in Germany und eine starke Entwicklungsmannschaft.

Erschienen in Ausgabe: 12/2006