Löhne und Gehälter um 2,5 Prozent gestiegen

Die Löhne und Gehälter in Deutschland sind im Jahr 2016 um 2,5 Prozent gestiegen. Aufgrund der niedrigen Inflation von 0,3 Prozent bleiben den Menschen damit 2,2 Prozent mehr Geld im Portemonnaie. Die höchsten Steigerungen konnten in der Automobil-, Chemie- sowie Pharma- und Gesundheitsindustrie festgestellt werden, die niedrigsten in der kriselnden Energieindustrie. Das hat eine Untersuchung von Korn Ferry ergeben.

02. November 2016

„Die Einkommen der Deutschen im Jahr 2016 steigen – vor allem aufgrund der niedrigen Inflation“, sagt Thomas Gruhle, Vergütungsexperte bei Korn Ferry. „Dieses Plus droht im Folgejahr jedoch deutlich niedriger auszufallen.“ So prognostiziert die Europäische Kommission für Deutschland 2017 eine Inflation von 1,5 Prozent. Thomas Gruhle sagt: „Wir gehen davon aus, dass die reale Lohnerhöhung im nächsten Jahr nur bei rund 1,0 Prozent liegen wird.“

Insgesamt sind die Löhne und Gehälter im Jahr 2016 um 0,2 Prozent weniger gestiegen als im Vorjahreszeitraum. Besonders Industrie und Maschinenbau (0,6 Prozent geringere Steigerung) sowie die Automobilbranche (0,4 Prozent geringere Steigerung) waren bei Gehaltsanpassungen deutlich restriktiver als im Vorjahr. Stärker gewachsen sind dagegen die Löhne in der IT (0,2 Prozent höhere Gehaltssteigerung) sowie bei den Energieversorgern (0,1 Prozent höhere Steigerung).

Deutsche Wirtschaft dauerhaft unter zwei Prozent

Thomas Gruhle: „Seit 2012 wächst die deutsche Wirtschaft nicht mehr signifikant und verbleibt dauerhaft unter zwei Prozent. Die verhaltenen Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute auch für das nächste Jahr lassen Unternehmen leicht auf die Gehaltsbremse treten.“

Im internationalen Vergleich der Industrienationen liegt Deutschland bei den Steigerungen der Reallöhne seit 2008, dem Beginn der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise, auf dem vierten Platz. Insgesamt konnte Deutschland seit 2008 das reale Gehaltsniveau um fünf Prozent steigern, bei gleichzeitigem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um sechs Prozent.

Nur Kanada (7,2 Prozent), Australien (5,9 Prozent) und Frankreich (5,2 Prozent – bei 3,8 Prozent Wirtschaftswachstum) liegen vor Deutschland. Das reale Gehaltsniveau in den USA ist um 3,1 Prozent gesunken bei einem BIP-Wachstum von 10,2 Prozent, ebenso in Japan um 1,9 Prozent sowie im Vereinigten Königreich um 0,1 Prozent. Die größten Abschläge müssten dabei jeweils die unteren Gehaltsklassen hinnehmen.

Führungskräfte haben größte Gehaltszuwächse

„Auch in Deutschland haben Führungskräfte die größten Gehaltszuwächse erzielt“, sagt Thomas Gruhle. So verdienen Manager heute sechs Prozent mehr als 2008. Der Unterschied zu einfachen Angestellten ist dabei weniger groß als vermutet: Einsteiger und Mitarbeiter mit einfachen Aufgabenfeldern erhalten heute 4,2 Prozent mehr Lohn (USA: -14,8 Prozent), Professionals und Spezialisten 4,7 Prozent (USA: 2,0 Prozent).

Thomas Gruhle: „Auch wenn die gefühlten Unterschiede zwischen Arm und Reich in der öffentlichen Debatte zunehmen, ist zu konstatieren: Mitarbeitergruppen, die in Deutschland üblicherweise durch Tarifverträge abgedeckt werden, haben merklich vom Wachstum seit der Wirtschafts- und Finanzkrise profitiert. In einem Land wie den USA dagegen finanzieren die unteren Gehaltsklassen das Wirtschaftswachstum bis heute durch massive Einschnitte in ihre Löhne und Gehälter.“