„Liebling“ der Schweißer

Stürmische Zeiten beim Lohnfertiger Sturm. Um den Auftragsboom bewältigen zu können, hat Sturm unter anderem in einen FlatMaster - eine Teilerichtmaschine von Arku investiert - zur besonderen Freude der Schweißer.

25. Oktober 2007
Hans-Jürgen Haag, Bediener der Teilerichtmaschine FlatMaster von Arku, überprüft Teil für Teil mit dem Haarlineal auf Ebenheit.
Bild 1: „Liebling“ der Schweißer (Hans-Jürgen Haag, Bediener der Teilerichtmaschine FlatMaster von Arku, überprüft Teil für Teil mit dem Haarlineal auf Ebenheit.)

Fast 200 Mitarbeiter beschäftigt der Lohnfertiger Sturm Blechverarbeitung & Systeme im bayerischen Salching, nahe Straubing. Allein in der Schweißabteilung arbeiten 60 Mann. Hier werden beispielsweise Gehäuse, Transportbänder für Mischer, Zentrifugen oder Abscheider für die Lebensmittelindustrie, die Chemische Industrie oder die Petrochemische Industrie geschweißt. »Da kommen bei manchem komplexen Gehäuse durchaus 120-Mann-Stunden allein für das Schweißen zusammen«, weiß der Geschäftsführer Reinhold Schultes. Doch warum gerade die Mitarbeiter dieser Abteilung sich besonders über die Investition ausgerechnet in eine Teilerichtmaschine - dem FlatMaster von Arku - freuen, erschließt sich einem erst durch näheres Nachfragen. Wer das Werk von Sturm nahe Salching das erste Mal zu Gesicht bekommt, entdeckt zahlreiche Neubauten. Zur Unternehmensgruppe mit insgesamt rund vierhundert Beschäftigten gehören die fünf GmbHs Sturm Maschinenbau, WBS Fördertechnik, SMP Maschinenbau, Global Conveyor Solutions und als größtes Gruppenmitglied der Lohnfertiger Sturm Blechverarbeitung & Systeme. »Sechs bis sieben Prozent unserer Leistung ist für die Gruppe, 93 Prozent ist Lohnfertigung in der Blechverarbeitung«, verrät Reinhold Schultes und verweist dabei auf das riesige Teilespektrum: »80.000 unterschiedliche Artikel sind jedes Jahr aktiv in der Bearbeitung. Jedes Jahr fallen etwa 30.000 Artikel heraus und werden durch 30.000 neue Artikel ersetzt.« Und diese unglaubliche Vielfalt, vor allem an Blechteilen, die hier laserstrahlgeschnitten, geschliffen, geschweißt, beschichtet oder gestrahlt, gedreht, gebohrt, gefräst, gekantet oder gestanzt werden, sind Stück für Stück qualitätsüberwacht und werden auf Wunsch mit Zertifikat geliefert. Unterstützt wird die Fertigung durch ein PPS-System, an das jeder Arbeitsplatz angeschlossen ist. »Hier kann jeder Mitarbeiter die Prioritäten und die Reihenfolge der abzuarbeitenden Aufträge sehen. Wenn einmal ein Teil nicht fristgerecht ankommt, kann jeder sehen, wo in der Fertigung sich das Teil gerade in Bearbeitung befindet. Zudem können die Aufträge viele Wochen voraus eingesehen werden, damit sich jeder darauf einstellen kann, was noch auf ihn zukommt«, erläutert Schultes. »Da wir ­circa 2.000 Tonnen Edelstahl im Jahr verarbeiten, ist unsere Kompetenz anerkannt hoch.« Rund 6.000 Tonnen Blech insgesamt pro Jahr verarbeitet Sturm - Tendenz steigend. »Wir haben kontinuierlich rund 1.000 Tonnen Bleche auf Lager. So können wir rasch auf Aufträge reagieren, die außerhalb der Langfristplanung laufen«, erzählt Reinhold Schultes. Die Laserschneidabteilung ist mit acht Laseranlagen von Trumpf ausgestattet. Bei Bedarf können hier auch Großformatblechtafeln mit 2.000 x 4.000 mm geschnitten werden. In dieser Abteilung wird in drei Schichten gearbeitet und das »Futter« für die Schleifabteilung und die Richtabteilung vorbereitet. »Wir fertigen hier vom Einzelteil/Laserteil bis zur kompletten Baugruppe inklusive der Just-in-time-Lieferung und sind Systemlieferant für Kunden im In- und Ausland.«

Der Weg zur Wunschmaschine

Als vom Großkunden Krones, bekannt durch seine Abfüllmaschinen und Etikettiermaschinen für die Getränkeindustrie et cetera, im letzten Jahr der Auftrag zur Herstellung von sogenannten Raptec-Garnituren aus Edelstahl angezeigt wurde, war Reinhold Schultes klar, dass in weitere Maschinen investiert werden musste. »Wir müssen die Lieferfähigkeit zu jeder Zeit gewährleisten können. Als einen möglichen Flaschenhals in unserer Produktion erkannten wir unsere Richtabteilung. Denn jedes kleine gelaserte und geschliffene Edelstahl-Blechteil wird anschließend hier gerichtet. Wenn die Produktion dieser Raptec-Teile erst einmal im großen Stil anlaufen würde, mussten wir vorbereitet sein.« Sturm verfügt bereits über zwei kleinere, ältere Teilerichtmaschinen, die bereits bestens ausgelastet sind. Doch der Blechverarbeiter wollte diesmal eine Maschine mit 1.600 Millimetern Arbeitsbreite haben, um später auch größere Blechteile richten zu können. »Allein für die Raptec-Produktion, deren Teile in unter­schiedlichsten Varianten hergestellt werden können, mussten wir eine nachhaltige Lösung finden.« Ein weiterer Punkt auf der Anforderungsliste von Reinhold Schultes war das Schnellwechselsystem für die Richtrollensätze und Stützrollenböcke für gute Zugänglichkeit zum Reinigen. »Bei unserem Teilespektrum ist die Flexibilität der Richtmaschine ein Muss«, so Schultes. Er sah sich also um, wer als Hersteller solcher Teilerichtmaschinen mit der geforderten Arbeitsbreite und der Schnellwechseleinrichtung überhaupt infrage kam, und stieß so auf die Firma Arku aus Baden-Baden.

Überzeugend

»Was andere Hersteller nur als Zeichnung oder Versprechen abgeben konnten, stand im Richtzentrum bei Arku bereits aufgebaut. Da wir damals noch nicht wussten, wie die zu rich­tenden Raptec-Bauteile exakt aussehen würden, haben wir ähnliche Musterbauteile erstellt. Die haben wir dann auf einem anderen FlatMaster richten lassen. Das Richtergebnis hat uns überzeugt. Zudem haben unsere Maschinenbediener immer ein Wörtchen mitzureden, und auch die waren von der Maschine überzeugt«, erinnert sich Schultes. Arku-Marketingmann Sascha Becker pflichtet ihm bei: »Das ist ein großer Vorteil, dass unsere Kunden ihre Musterteile, wenn möglich, direkt auf ihrer Wunschmaschine bei uns richten lassen können beziehungsweise die Maschine selbst bedienen können. Dann sehen sie direkt, wie einfach die Steuerung zu handhaben ist. Natürlich führen wir hier auch Trainings für die Bediener durch.«

»Liebling« der Schweißer

Seit März 2007 steht der FlatMaster 80 - eine hydraulische Teilerichtmaschine von Arku - bei Sturm in der Richtabteilung. Die Richtmaschine kann in dieser Ausführung bis zu 23 Millimeter starkes Blech richten. Dass Hans-Jürgen Haag den Vorschub hier recht flott eingestellt hat, hat seinen Grund: »Es geht uns nicht darum, so gut wie möglich, sondern so gut wie nötig zu richten«, so Sturms erfahrener Werker. Teil für Teil überprüft er mit dem Haarlineal auf Ebenheit, bevor es auf die Palette zur Weiterverarbeitung in die Kantabteilung darf. »Der FlatMaster ist unsere Edelstahlrichtmaschine, auf dem wir derzeit ausschließlich Edelstahlteile richten. Neben den fünf Millimeter starken bis 800 Millimeter breiten, unterschiedlich langen Raptec-Segmenten richten wir hier inzwischen auch Mantelbleche für unsere Zentrifugengehäuse und andere Gehäuse«, erklärt Reinhold Schultes. Und gerade Letzteres hat sich als ein Segen für die Schweißerei erwiesen, dazu Schultes: »Die gerichteten Mantelbleche walzen wir zu Halbbögen. Dann werden sie in der Schweißerei eingepasst und verschweißt. Als wir die Mantelbleche noch nicht vorgerichtet haben, bedeutete das oftmals erhebliche Nacharbeiten in der Schweißerei. So mussten die oftmals bauchigen oder verzogenen Mantelbleche mit der Flamme gerichtet werden, damit sie in die Spannvorrichtung passten und sich überhaupt exakt verschweißen ließen.« Dies erklärt, warum gerade unter seinen »Künstlern«, wie Schultes seine Schweißer gerne nennt, der Arku-FlatMaster in so hohem Ansehen steht. »Damit entfällt für sie eine Menge Knochenarbeit und wir können so Kapazitäten freimachen, die sonst durch die Richtarbeit gebunden sind. Gerade gute Schweißer sind selten und teuer«, weiß Reinhold Schultes. Inzwischen denkt der Geschäftsführer der Sturm Blechverarbeitung & Systeme schon laut darüber nach, einen zweiten Richtrollensatz für andere Materialien anzuschaffen: »Die positiven Erfahrungen mit unseren Edelstahlteilen sollten wir auch für andere Blechgüten erreichen. Dazu wäre dann ein eigener Rollensatz fällig, damit wir nicht so viel reinigen müssen.« Noch hat Reinhold Schultes keine exakten Zahlen, wie sich das zusätzliche Richten besagter Mantelbleche rechnet. Doch er ist überzeugt, dass er so weitere Kapazitäten in der Schweißabteilung freimachen kann. Angesichts der derzeitigen Auftragslage ein nachvollziehbarer Schritt, denn die Schweißer sollten sich lieber mit dem Schweißen und weniger mit dem Richten beschäftigen müssen. Somit wird dem Liebling der Schweißerei - der ­Arku-FlatMaster-Teilerichtmaschine - in Zukunft noch mehr Arbeit sicher sein. _

Erik Schäfer

know-howDer FlatMaster 80/1600 in Zahlen:

Der FlatMaster 80/1600 von Arku ist eine servo-hydraulische Teilerichtmaschine mit Schnellwechselsystem für Richtwalzen und Stützrollenböcke. Er ist CE-zertifiziert und verfügt über einen Überlastschutz.

Richtwalzenanzahl: 17

Richtwalzendurchmesser: 88 mm

Max. Blechdicke: 23 mm

Durchlassbreite: 1.600 mm

Durchlaufgeschwindigkeit: 3-12 Meter pro Minute

Steuerung: servo-hydraulisch

Erschienen in Ausgabe: 07/2007