Leichter bedienbar trotz mehr Funktionen

Fokus / Kleben

Mit dem neuen Software-Update V3.0 beherrscht die SYS6000-Steuerung für Klebeanlagen von SCA mehr Funktionen als bisher, erleichtert die Fehlersuche, senkt Stillstandszeiten und hilft, Klebstoff einzusparen. Dabei wurde die Bedienung spürbar erleichtert, weil ein Großteil der möglichen Funktionen kundenspezifisch ausmaskiert werden kann.

27. August 2013

Die hohe Kunst beim automatisierten Kleben ist, in möglichst kurzer Zeit exakt die erforderliche Menge an Material aus einem Vorratsbehälter zum Auftragskopf zu fördern und beanstandungslos auf das Bauteil zu applizieren«, erklärt Dr. Nils Kohlhase, Leiter Forschung und Entwicklung bei SCA Schucker in Bretten. Dynamisch, flexibel und kostengünstig müsse der Prozess für die Kunden sein.

»Unsere Kunden aus der Automobilindustrie verlangen eine extrem hohe Verfügbarkeit, immer bessere Qualität, immer mehr Möglichkeiten und dabei eine intuitive, für jeden verständliche Bedienoberfläche«, fasst Kohlhase die Erwartungen des Marktes zusammen.

Aktuellste Antwort darauf ist die speziell für Anwendungen im Automobil-Rohbau gedachte Version 3.0 der SYS6000-Steuerung. »Wir haben viele neue Funktionen aufgenommen und dabei die Bedienung extrem vereinfacht«, versichert der Experte. Die Steuerungsversion V3.0 enthalte mehr als 200 Funktionsgruppen, von denen viele aber nur für jeweils einen Automobilhersteller relevant seien. »Sobald der konkrete Einsatzfall eines Kunden bekannt ist, maskieren wir alle nicht benötigten Funktionen aus.

Dadurch wird die Bedieneroberfläche viel leichter verständlich.« Konkret werden sogenannte Funktionsprofile konfiguriert, sodass jeder Bediener nur die für ihn wichtigen Funktionen sieht. Die Verwendung der Funktionsprofile senkt laut Kohlhase die Komplexität der Bedienung um über 90 Prozent. In der Folge seien weniger Fehlbedienungen zu erwarten, Anwender könnten mit höherer Produktivität rechnen.

Höhere Verfügbarkeit, schnelle Fehlersuche, drastische Kostensenkungen

Als weitere Pluspunkte nennt der SCA-Entwickler die deutliche Steigerung der Verfügbarkeit, drastische Kostensenkungen durch schnelle Fehlersuche sowie diverse Verbesserungen, die zu Materialeinsparungen auf dem Bauteil führen. Darüber hinaus sei die SYS6000 sehr kompakt und deutlich schneller beim Systemstart als die PC-basierenden Steuerungen, die überwiegend in den Lackieranlagen zu finden seien.

Eine wichtige Neuerung sind die sogenannten Parameterprofile. Diese werden auf die jeweilige Anwendung hin programmiert und enthalten die spezifischen Defaultwerte, wie zum Beispiel Dosierergröße, Materialfluss, Temperatursetting oder Regelparameter. Plant ein Kunde zehn Anwendungsfälle im Werk, von denen jeweils fünf identisch sind, werden in Abstimmung mit dem Kunden nur zwei Parameterprofile vorbereitet, die dann an jeder Station weltweit eingespielt werden können.

Produktivitätssteigernd wirkt sich auch das neue, intelligente Fehlerhandling aus. Für jeden Anwender kann spezifisch definiert werden, wie das System bei welchem Fehler reagiert. Es kann Warnungen ausgeben, diese eventuell selbst quittieren, es kann erst nach einer bestimmten Anzahl identischer Warnungen einen Fehler ausgeben oder die Linie stoppen. Die Folge: Das System meldet weniger Fehler, die Linie stoppt seltener. Um die Fehlerdiagnose zu erleichtern, verfügt die SYS6000 zudem über eine Folgefehlerunterdrückung. In einer ›Schwarzen Liste‹ kann jeder Betreiber individuelle Fehler und Folgefehler festlegen.

Auch bei den Applikationen erzielen Anwender mit der SYS6000 3.0 deutlich bessere Ergebnisse. So hat SCA die sogenannte QVR-Regelung (Quick Velocity Response) in die Software integriert. Diese Funktion verkürzt die Reaktionszeit bei vorschubgeregelten Anwendungen um bis zu 80 Prozent und macht sie ähnlich schnell wie druckgeregelte Systeme. Schnellere Reaktionszeiten verspricht auch die Unterstützung der geregelten Pistole in der neuen Steuerung.

Sie verbessert vor allem solche Anwendungen, bei denen zwischen Dosierer und Auftragskopf ein Schlauch erforderlich ist, was bei einer Änderung der Auftragsgeschwindigkeit zu Verzögerungen führt. Der Öffnungswinkel der geregelten Pistole lässt sich so exakt regeln, dass der Materialdruck bei sich ändernden Materialflusswerten immer konstant bleibt.

Automatische Luftblasenerkennung

Als letzten großen Vorteil der neuen Software-Version nennt Nils Kohlhase die automatische Luftblasenerkennung: »Wenn der Kolben vorfährt, nimmt ein Sensor die Komprimierbarkeit des Materials auf, woraus errechnet wird, ob sich Luft vor dem Kolben befindet«, erklärt der Entwickler. So erkenne das System jede Blase, noch bevor diese auf das Bauteil gelangen könne, und leite aktiv einen Spülvorgang ein.

Ergänzt wird diese Qualitätssicherungsfunktion durch die Einbindung eines Lasersensors, der die aufgetragene Kleberaupe überprüft. »Damit können wir die meisten Mängel früh erkennen und beheben und eine lückenlose Qualität sicherstellen«, versichert Kohlhase.

Hintergrund

SCA entwickelt und vertreibt Anlagen zur manuellen und automatisierten Applikation von Kleb-, Dicht- und Dämmstoffen. Das Produktportfolio umfasst von der Fasspumpe für das jeweilige Material über die Dosiereinheit und die Auftragsdüse bis hin zur Steuerungssoftware alle Komponenten, die Anwender zum Verkleben, Versiegeln, Auftragen oder Abdichten benötigen.

Die SCA-Technik stellt die genaue Förderung des Klebstoffs, dessen geregelten Auftrag auf dem Bauteil sowie den Datenaustausch mit dem Roboter sicher. Über die Steuerung sind Systemdiagnosen möglich, alle Prozessdaten lassen sich speichern.

Hauptziele der Anlagen von SCA Schucker sind erhöhte Produktivität und Wirtschaftlichkeit im Herstellungsprozess. Dafür soll vor allem ein Innovation Center garantieren, das allein 950 Quadratmeter Fläche im Werk in Bretten umfasst.

Weltweit hat SCA neun Innovation Center von China bis USA. Dadurch erreicht das Unternehmen eine große Kundennähe. Pro Jahr fährt SCA zirka 200 Versuche gemeinsam mit den Kunden, die durch bessere Erfolgs- und Wachstumsperspektiven von der Zusammenarbeit profitieren sollen.

Erschienen in Ausgabe: 05/2013