Laserzuschnitte aus dem Netz

Fokus/Laserschneiden

Die Nachfolgeregelung ist für viele Unternehmer ein Problem. Ein weitaus größeres Problem – für die Nachfolger – ist es, wenn ein Unternehmer keine Regelung mehr treffen kann. Die Geschwister Holz konnten dieses Problem erfolgreich lösen: mit einem Online-Portal für Laserzuschnitte.

08. Juni 2015

Jungunternehmer Rouven Holz wurde schon zweimal ins kalte Wasser geworfen. Zum Glück war das Wasser beim ersten Mal nicht ganz kalt, als er nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann und der Tätigkeit in einem größeren Unternehmen in den väterlichen Betrieb zurückkehrte, und er hatte einen guten Schwimmlehrer in Person seines Vaters, sodass er nach ein bisschen Trial und wenig Error die Fachkraft, die Knall auf Fall (sechs Wochen Kündigungsfrist, drei Wochen Resturlaub, also der übliche Horror) gekündigt hatte, ersetzen konnte.

Das war im Jahre 2000. Nach und nach lernte Rouven Holz alle Tätigkeiten im Betrieb kennen, sodass er heute an jeder Stelle, an jeder Maschine einspringen könnte. Lieber allerdings kommt er seiner Tätigkeit als Geschäftsführer nach. Die hat mit dem zweiten Wasserfall zu tun. Aber bevor wir dazu kommen, sollten wir den beruflichen Weg von Rouvens Schwester Anna-Theresa schildern.

Anna-Theresa Holz entschloss sich früh, sich – ab 2008 – im väterlichen Betrieb in Leopoldshöhe bei Bielefeld ausbilden zu lassen: »Was ich von meinem Vater lernen kann, kann ich nirgendwo anders lernen!«, lautete ihr Motto. Und da sie durch eine normale Fünftagewoche nicht ausgelastet wurde, studierte Anna-Theresa Holz parallel an den Wochenenden erfolgreich Betriebswirtschaft. So weit so gut. Bis vor drei Jahren.

2012 wurden Anna-Theresa und Rouven wieder ins kalte Wasser gestürzt, und zwar in eiskaltes: Ihr Vater Erhard Holz starb völlig unerwartet, und die Geschwister standen vor der Wahl: »Weiter- oder zumachen?« Sie entschieden sich für »Weitermachen, aber nicht so!«, und beschlossen, einen neuen Weg einzuschlagen, denn das väterliche Unternehmen mit etwa 15 Mitarbeitern war zu einseitig abhängig von der Baukonjunktur. Deren Aufträge brachten nicht nur immer weniger ein, auch die schmale Basis, die eine einzige Branche grundsätzlich bietet, erschien den Jungunternehmern nicht tragfähig genug.

Wenngleich im engeren Sinne noch keine ›Digital Natives‹, setzten sie von Anfang an aufs Internet und strukturierten das Unternehmen komplett um: Aus der ursprünglichen Metallbau Erhard Holz GmbH (gegründet 1973) und der Doorline GmbH (1995) wurde zum Jahreswechsel 2012/2013 die LTO GmbH. LTO steht für Laserteile online – eine Firmierung, die schon alles sagt.

Das Programm für den Webauftritt von LTO hat Anna-Theresa Holz großenteils selbst geschrieben, es ist auch als App für alle relevanten Systeme verfügbar. Man merkt dem ›Blechkonfigurator‹ an, dass er auf einfache Bedienung getrimmt ist: Wer Laserzuschnitte braucht, ob Großserie oder Einzelstück, wählt aus einer Maske Material und Oberflächenbeschaffenheit aus, gibt Stückzahl und Liefertermin ein, hängt seine Zeichnungsdaten an, etwa als dxf-Datei, und schickt seine Bestellung ab. Sogar Handskizzen werden angenommen. Einfacher geht es kaum.

Der gewünschte Liefertermin spielt vor allem für die Preisfindung kleiner Stückzahlen eine Rolle, denn hier kommt es nicht nur auf die Schachtelung einzelner Teile (Nesting), sondern mehrerer Aufträge an. Und die müssten erst gesammelt werden. Noch funktioniert die optimale Platzierung der Aufträge schon während der Bestellung noch nicht automatisch – wäre aber durchaus wünschenswert, wie Rouven Holz betont: »Dazu müsste man jedoch in die Maschinensoftware eingreifen. Da wir Maschinen verschiedener Hersteller einsetzen, wird es noch dauern, bis dieser Wunsch Wirklichkeit wird.«

Da haben die Software-Entwickler der Maschinenhersteller, aber auch unabhängige Smart-Factory-Spezialisten noch einiges zu tun. Dass die Software auch heute schon eine große Rolle für die Maschinenauswahl spielt, zeigt gerade die jüngste Entscheidung der Geschwister Holz: Obwohl auch Maschinen anderer Hersteller physisch den Anforderungen genügt hätten, passte die Software von Trumpf am besten in die LTO-Umgebung, und so kam 2013 eine TruLaser 3030 ins Haus.

Anna-Theresa Holz weist stolz darauf hin, dass sie diese Investition aus den Rücklagen des Familienunternehmens finanzieren konnten: »Das haben wir früh so vom Vater gelernt.« Und ihr Bruder ergänzt mit leichter Ironie: »Wir hätten auch leasen oder fremdfinanzieren können, aber wir freuen uns jeden Ersten über die Raten, die nicht abgebucht werden.«

Der Umstieg ist also gelungen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass man viele alte Kunden mitziehen konnte, also keineswegs bei null anfangen musste. Aber in den etwa zweieinhalb Jahren seit der Umgründung sind zahlreiche neue Kunden dazugekommen, die von der Richtigkeit der Entscheidung der Geschwister Holz zeugen.

Zur soliden Aufstellung von LTO hat sicher auch beigetragen, dass man sich nicht alleine auf Zuschnitte beschränkt, sondern auch deren Weiterverarbeitung anbietet, etwa Biegen/Abkanten und Schweißen, aber auch Schleifen und Beschichten, nicht zuletzt Montagearbeiten. Auch das Konkurrenzverfahren Stanzen ist kein Tabu. Was man nicht selbst kann, erledigen Partner.

Die zahlreichen Dienstleistungen in der Blechbearbeitung werden ergänzt durch eigene Produkte, die sich überwiegend um das Thema Garten drehen: vom dekorativ angerosteten Engelsflügelpaar bis zum hochwertigen Gartengrill.

LTO ist, wie man sieht, heute sehr breit und damit sicher aufgestellt, anders und viel besser als das Vorgängerunternehmen. Auch ungeregelte Generationswechsel können also gelingen, wenn die Nachfolger zum einen früh eingebunden werden und zum anderen gute Ideen haben.

Hans-Georg Schätzl

Erschienen in Ausgabe: 04/2015