Laserschneiden, Biegen und Software

Bystronic wartete auch auf der diesjährigen Euroblech mit einer ganze Fülle an Innovationen auf. „Wir haben die Leistung unseres Angebots in allen Produktsegmenten gesteigert“, erklärte Bystronic Verkaufschef Johan Elster.

20. November 2012

Allein drei der Bystronic Messeneuheiten entfielen auf das Laserschneiden. Innovation Nummer eins: Die Bysprint Pro 3015 mit sechs Kilowatt. Bysprint Pro? Die gab’s doch schon vorher? Richtig, aber nur mit dem Bylaser 4400, das heißt, mit 4,4 Kilowatt. Und weil die Anlage nun noch mehr Leistung bringt, lässt sie sich noch vielseitiger einsetzen. Sie ist dann sowohl eine Highspeed-Anlage für dünne und mitteldicke Bleche als auch eine Allrounderin, mit der der Anwender dicke Tafeln bis 25 Millimeter schneiden kann.

Eine ähnliche Entwicklung vollzog die zweite Innovation: die Faserlaserschneidanlage Bysprint Fiber, die es jetzt auch im Format 4020 gibt. Eine technische Spielerei, möchte man meinen, aber: Auf einem Vier-mal-zwei-Meter-Blech lassen sich 78 Prozent mehr Teile verschachteln als auf einem Blech im Format drei mal anderthalb Meter. Im selben Ausmaß erhöht sich außerdem die Zeit, in der die Maschine ohne Unterbrechung schneiden kann. Anders ausgedrückt: Nebenzeiten gehen weiter runter, während der Teileausstoß die entgegengesetzte Richtung nimmt. Und noch etwas ist neu an der Bysprint Fiber: Sie ist sowohl mit drei als auch mit vier Kilowatt erhältlich, nähert sich somit Blechdickenbereichen, die bislang noch CO2-Laserschneidanlagen vorbehalten sind, und macht den Anwender dadurch noch flexibler.

Innovation Nummer drei: die Byautonom. Deren Name ist Programm: Die Byautonom wurde gezielt als autonom arbeitende Maschine entwickelt, die zusammen mit Automationsbausteinen wie Bytrans, Bytower und Bycell mannarm betrieben werden kann. Dies gilt auch dann, wenn sich Art und Dicke des Rohmaterials ändern. Denn: Die Maschine holt sich einfach die passende Brennweite und die entsprechende Düse, zentriert automatisch und schneidet weiter. Und wenn sich ein Teil verkantet? Kein Problem. Die Byautonom erkennt einen Crash, stoppt sofort die Bearbeitung, prüft, ob die Düse noch vorhanden ist, fährt dann zur Zentrierstation und zentriert automatisch die Düse neu. Sie merkt sich, wo der Crash erfolgt ist, überspringt dieses Teil und fährt zum nächsten.

Außerdem: Die Byautonom schneidet einfach mehr Teile und sie arbeitet zuverlässig. „Ein höherer Ausstoß bedeutet, dass die Kosten pro Teil sinken“, erklärt Johan Elster. Linearmotoren der neuesten Generation beschleunigen die Maschine, machen die ByAutonom dynamisch wie keine zweite Bystronic-Anlage. Dabei werden sie vom extrem steifen Maschinenbett und der Brücke in Leichtbauweise unterstützt. Auch Dickes wird schneller und besser geschnitten, weil ein spezieller Neun-Zoll-Schneidkopf zur Standardausstattung gehört, der für solche Aufträge geeigneter ist als der 7,5-Zoll-Schneidkopf. Und für die Zuverlässigkeit sorgen unter anderem der Condition Messenger und der Maintenance Messenger. Der Condition Messenger zeigt dem Bediener den Zustand einzelner Komponenten grafisch an und teilt ihm mit, wenn ein Bauteil überprüft werden sollte. Zu diesen Komponenten zählen Laserquelle, Düsenwechsler, Brennweitenwechsler und Strahlengang. Der Maintenance Messenger weist den Bediener darauf hin, wenn Maschine und Laserquelle gewartet werden müssen.

Die Abkantpresse Xcite wird elektrisch angetrieben; das gab’s noch nie bei Bystronic. Und der Nutzen für den Kunden? „Sie ist der schnelle und günstige Weg zu hochwertigen Biegeteilen“, erklärt Johan Elster. „Vor allem schnell“, schiebt er nach. Konkret biegt sie rund 2,5 mal so schnell wie eine hydraulische Abkantpresse. Mit dem Sicherheitssystem Fast Bend+ kann das Werkzeug der Xcite im Eilgang sehr nahe an das Blech herangefahren werden, ohne den Maschinenbediener zu gefährden. Erst dann schaltet die Maschine auf Biegegeschwindigkeit um. Und sie ist präzise. Dank des von Bystronic entwickelten Force Dynamic Drive biegt sie innerhalb einer Toleranz von erstklassigen ± 25 Winkelminuten und mit einer Wiederholgenauigkeit von ± 0,0025 Millimeter. Hinter dem Force Dynamic Drive verbirgt sich das Zusammenspiel zwischen einer besonderen Lagerung der Unterwange und dem einzigartigen Antriebssystem der Oberwange. Schön für den Maschinenbediener: Die Xcite ist benutzerfreundlich. So wurde der Einsatz der Byvision-Steuerung von Laser- und Wasserstrahlschneidanlagen auf Abkantpresse ausgedehnt. Seither kommt jeder Anwender mit wenigen Interaktionen über den 22-Zoll-Touchscreen zum gewünschten Ziel. Die Vorkenntnisse sind dabei unerheblich, denn: Die Byvision leitet den Anfänger sicher durch die Programmierung und unterstützt ihn mit vielen Automatismen. Anderseits lässt sie den Profi sein Wissen einbringen und die Grenzen der Biegetechnologie ausloten.

Last, aber bei weitem nicht Least: BySoft 7. „Nicht einfach nur ein Update, sondern eine komplett neue Softwaregeneration“, wie Johan Elster erklärt. Aber was ist das Spezielle an BySoft 7? „Zahlreiche neue Funktionen und Möglichkeiten“, so Elster. Bereits wenn der User ein Teil oder eine Komponente konstruieren möchte, erlebt er die erste Überraschung: Ein Klick und es öffnet sich die jüngste Version von Solidworks und damit ein 3D- und 2D-CAD mit hoher Reputation. Auch auf der CAM-Ebene findet der BySoft 7 User zahlreiche Neuerungen. Innenkonturen von Schneidteilen zum Beispiel lassen sich automatisch zerkleinern, so dass sie sich nicht mehr aufstellen können. Diese Funktion minimiert die Wahrscheinlichkeit, dass die Schneiddüse mit solchen Resten kollidiert. Das Ergebnis: Die Maschine arbeitet noch zuverlässiger. Mehr Prozesssicherheit bietet auch das so genannte gespreizte Nesting, mit dem sich die verschachtelten Teile besser verteilen lassen. Besser bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Bysoft 7 den Abstand zwischen den Teilen vergrössert, um eine noch höhere Prozesssicherheit zu erreichen. Möchte der User den umgekehrten Weg gehen, kann er jetzt auf die Funktion Komprimiertes Nesting zurückgreifen. Beim komprimierten Nesting minimiert Bysoft 7 den Sicherheitsabstand, um noch mehr Teile auf dem Blech zu verschachteln. Hinzu kommen optimiertes Common Cut, Vorstechen beliebiger Konturen, automatisches Scanning und noch vieles mehr.

Bysoft 7 vereinfacht die Prozesse innerhalb des Betriebs. Teile verschachteln, Schneidpläne erstellen, Biegeprogramme generieren, Biegefolge simulieren und, und, und. Alles geschieht automatisch und auf der Grundlage gesicherter Daten. Bysoft 7 besteht aus vier Modulen: Flachbearbeitung, Rohrbearbeitung, Biegen und Plant Manager. Der Plant Manager ist einWerkzeug, das für den Kunden sämtliche Laser- und Wasserstrahlschneidprozesse sowohl plant als auch überwacht. Es stellt darüber hinaus alle relevanten Maschinen- und Produktionsdaten zur Verfügung und sorgt somit für maximale Transparenz in der Blech- und Rohrbearbeitung.

Außer den Neuheiten waren in Hannover noch jede Menge bewährter Lösungen aus allen Produktsegmenten ausgestellt. Darunter befand sich auch die Wasserstrahlschneidanlage Byjet Smart, die zwar bereits 2011 in den Märkten eingeführt wurde, aber in diesem Jahr erstmals an der Euroblech zu sehen war.