Laser oder Wasserstrahl?

Konkurrenz oder Ergänzung?

Gleich, um welche Materialien es geht - Schneiden ist in fast allen Produktionsprozessen erforderlich. Eisen, Stähle, Bunt- und Leichtmetalle, Folien, Laminate und Schichtstoffe, Gummi, Leder, Textilien oder Glas, Marmor und Fliesen müssen in Form gebracht werden. Insbesondere bei harten Materialien wird häufig Präzision verlangt - und so wenig Nacharbeit wie möglich. Wenn nicht große Stückzahlen verlangt werden, scheidet Stanzen wegen der hohen Werkzeugkosten aus. Dann ist rechnergesteuertes Schneiden mit Laser oder Wasserstrahl gefragt.

15. März 2001
Paketbearbeitung ist für den Wasserstrahl kein Problem: Schneiden von Edelstahlblechen in drei Lagen.
Bild 1: Laser oder Wasserstrahl? (Paketbearbeitung ist für den Wasserstrahl kein Problem: Schneiden von Edelstahlblechen in drei Lagen.)

Wie pflegen Juristen zu antworten, wenn man sie fragt, was Sache ist: „Es kommt darauf an.“ Auf die Frage, welches Schneidverfahren - Laser oder Wasserstrahl - mehr Vorteile bietet, lautet die Antwort genauso. Unschlagbar wirtschaftlich ist der Laser zum Beispiel bei Blechen mittlerer Stärke, wo seine Schnelligkeit besticht. Er arbeitet dann sehr genau, mit Toleranzen von ± 0,05 mm. Schnell an seine Grenzen stößt er allerdings durch seine hohen Temperaturen - 3.200 °C im Schnittbereich! Mit zunehmender Materialstärke zeigen sich Schmelzunebenheiten, die oft eine Nachbearbeitung erfordern. Ganz an sein Ende stößt der Laser bei allen Buntmetallen, allen Kunst- und Schichtstoffen sowie Gummi oder ähnlichem. Die Schnittstelle verbrennt. Die Laseranwendung bleibt daher hauptsächlich auf Eisenmetalle beschränkt.

Wasser schneidet edlen Stahl

Solche Schranken existieren beim Wasserstrahl-Schneiden nicht, das in vielen Fällen Vorzüge bietet. Kaum vorstellbar ist, daß einfach Wasser, wie wir es im Alltag sanft erleben, Edelstahl bis 10 cm Dicke schneiden kann. Auch bei Blechen, wo der Laser konkurriert, kann der Wasserstrahl Boden gutmachen, weil er bei dünneren Materialien mehrere Lagen auf einmal durchtrennt. Die Genauigkeit liegt im dünneren Bereich ebenfalls bei ± 0,05 mm, hängt aber von Materialstärke und Schnittgeschwindigkeit ab. Je dünner das Material und je langsamer gefahren wird, desto genauer und glatter ist der Schnitt. Wird Präzision gewünscht, fährt man nicht zu schnell, und eine Nachbearbeitung ist in vielen Fällen nicht mehr nötig. Auch bei „softigen“ Materialien, wie Gummi, Schaumstoffen oder Lebensmitteln, liefert der Wasserstrahl verblüffende Ergebnisse an materialbezogener Genauigkeit und glattem Schnitt. Oft ist kein Spritzguß mit kompliziertem Formenbau nötig.

Wasserstrahl fertigt die erstaunlichsten Formen

Speziell im filigranen Bereich beweist der Wasserstrahl sein Können. Die Temperatur steigt nicht über 70 °C - der Wasserstrahl hinterläßt keinerlei Wärmeschäden. Mit einer Schnittbreite von 0,8 mm lassen sich die erstaunlichsten Formen direkt fertigen - ohne Wärmespuren. Dies gilt auch für „schwierige“ Materialien, wie Marmor, Fliesen oder Glas. Ein Beispiel sind Intarsien in Fliesen oder Marmor. Die Anwendungsmöglichkeiten des Wasserstrahls sind sicher noch nicht ausgeschöpft.

Als „neutraler“ Berater in der Frage „Laser oder Wasserstrahl“ eignen sich Dienstleister, die beide Verfahren anbieten, etwa in einer „Symbiose“, wie sie zwischen Microjet, Herrlisheim/Elsaß, und HGGS Lasercut, Hagenbach, besteht. Microjet ist für das Wasserstrahlschneiden und Lasercut - wer hätte das gedacht - für die Laserbearbeitung zuständig. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen ermöglicht es, dem Kunden das jeweils günstigere Verfahren anzubieten.

Erschienen in Ausgabe: 11/1999