Ladies first?

Benimm Dich!

Schlechtes Benehmen bei Tisch kann Karrieren knicken und Geschäfte verhageln – erst recht, wenn es schiefgeht, bevor es losgeht?

17. November 2009

Mit aller Kraft stemmte sich das Ein-Zentner-Persönchen gegen die schwere Tür der Schlosswirtschaft, doch die gab kaum nach. Da ist einiges schiefgegangen: Zum einen kann man auch schwere, denkmalgeschützte Türen so ausrichten und schmieren, dass sie kinderleicht zu öffnen sind; zum anderen ist das Öffnen der Tür Sache des Herrn. Denn der geht in Lokale normalerweise voraus – egal, wie schwer oder leicht eine Tür aufgeht.

Die Sitte stammt aus der Zeit der räuberischen Wirtshäuser im Spessart und anderswo: Der Herr hatte, die Hand am Heft – zuerst zu prüfen, ob das gewählte Lokal einer Dame würdig sei oder ihr vielmehr körperliches oder gar sittliches Ungemach drohe. Erst wenn dies auszuschließen war, durfte sie folgen. Und selbstverständlich wurde ihr die Tür aufgehalten.

Was aber, wenn eine heutige Dame von Ritterlichkeit nichts hält oder weiß und stürmisch voranschreitet? Dann lässt man sie zur Not; denn Beinstellen oder Bodycheck geht seit dem Mesolithikum nicht mehr – nicht einmal Vor-die Füße-Laufen, um eher an der Tür zu sein.

Die einzige – neuzeitliche –Ausnahme der Der-Herr-geht in Lokale-voraus-Regel: Wenn die Dame eingeladen und das ihr bekannte Lokal selbst gewählt hat, dann darf sie vorausgehen. Die Tür hält ihr der Herr trotzdem auf. Denn diese Regel gilt ohne Ausnahme.

Sind mehrere Herren dabei, geht übrigens nur einer (der Ranghöchste oder der Einladende) vor und die anderen ganz hinten.

Also, verehrte Damen: Lassen Sie den Männern auch einmal das Gefühl, gebraucht zu werden. Und wenn Sie einer dennoch mit „Ladies first“ und gestelzter Verbeugung vorlässt: Bestehen Sie nicht auf Ihrem Rücktrittsrecht, belehren Sie ihn nicht (es sei denn privat und unter vier Augen, falls Sie sehr gut bekannt sind), sondern lassen Sie ihn lieber dumm sterben!