Kraftvoll clinchen

Leistungsstarke Clinch-Zangen mit geringem Gewicht

Das mechanische Fügeverfahren Clinchen wird erst seit rund 25 Jahren im großen Stil in Handwerk und Industrie eingesetzt. Das Clinchen eignet sich jedoch nicht nur für Großserien, selbst bei gelegentlichen Fügearbeiten spielt es seine Festigkeits- und Kostenvorteile aus.

13. August 2002

Die Hinterschneidung des oberen Blechs in das untere Blech erzeugt beim Clinchen einen Form- und Kraftschluß, der hohe Kräfte zu übertragen vermag. Der Clinchpunkt glänzt vor allem durch seine extrem hohe dynamische Belastbarkeit. Darin ist das Clinchen selbst dem klassischen Punktschweißen weit überlegen. Im Vergleich zu anderen Fügeverfahren, wie dem Nieten, Schrauben oder Kleben, bietet das Clinchen die notwendigen Festigkeitswerte bei möglichst geringen Kosten je Verbindung. Verursacht werden die Kosten der alternativen Fügeverfahren durch Verbrauchsmaterialien, wie Niete, Schrauben, Klebstoff, und der dazu erforderlichen Zuführtechnik. Im Vergleich zum Schweißen ist hauptsächlich der Energie- und Materialverbrauch sehr viel geringer.

Fest gefügt, Kosten gesenkt

Gegenüber dem geschlossenen Matrizenkonzept weist das „Tog-L-Loc“ Rundpunktsystem der BTM (Europe) Blechverbindungstechnik GmbH, Erwitte, bei etwa gleichen Scherzug-Festigkeiten meist höhere Kopfzug- und Schälzug-Festigkeiten auf. Dieser Effekt zeigt sich verstärkt bei Dünn-Dick-Blechkombinationen, da bei dem sehr flachen Clinchpunkt das stempelseitig dünne Blech weitaus weniger tief gezogen werden muß und sich dieses aufgrund der Hinterschneidung ausbildet. Etwaige Blechdickenschwankungen oder unterschiedliche Blechdickenkombinationen, die in einer Einstellung geclincht werden müssen, werden mit der dreigeteilten Matrize durch „mehr oder weniger weites Öffnen“ der drei Matrizenlamellen kompensiert. Dies führt bei nahezu gleicher Festigkeit zu weit geringerem Verschleiß am Clinchwerkzeug.

Leicht und kraftvoll

BTM bietet seit kurzem sehr kompakte, handgeführte Clinchzangen unter der Bezeichnung „Ultra Light Gun“ (ULG) an, die sich zum Verbinden von Aluminium- oder Stahlblechen bis zu einer Gesamtblechdicke von maximal 3 mm eignen. Drei Baugrößen sind lieferbar, welche vergleichsweise sehr hohe Preßkräfte bis zu 35 kN bieten. Das Zangengewicht der sehr leichten Clinchzangen liegt je nach Modell zwischen 1,8 und 3,2 kg. Als Anschluß dient das normale 6-bar-Druckluftnetz. Über einen integrierten Luft-Öl-Übersetzer werden dann die hohen Preßkräfte aufgebracht. Die Geräte arbeiten mit ihren 63 dB(A) sehr geräuscharm und sehr sauber. Sie sind vibrationsfrei und gewichtsmäßig ergonomisch ausbalanciert.

Die ULG-Clinchzangen können mit unterschiedlichen Werkzeugaufnahmen sowie Stempeldurchmesser bestückt werden. In der Standardversion gibt es sie mit einem Alu-C-Bügel mit 13 mm Ausladung oder mit einem Stahl-C-Bügel mit 38 mm Ausladung. Selbstverständlich liefert das Unternehmen auch Sonderaufnahmen mit kundenspezifischen Abmessungen.

Anwendergerecht

Drei „Tog-L-Loc“-Rundpunktwerkzeuge mit Stempeldurchmesser von 3 bis 5,5 mm sind einsetzbar. Mit der größten Ausführung (ULG-7 mit Durchmesser 4,6) lassen sich zwei Bleche mit einer Dicke von 1,5 mm sicher clinchen. Die Scherzugkraft bei Stahlblechen beträgt dabei 2.500 N. Da sich die Stempel reversibel einbauen lassen, können die Clinchpunkte sowohl von oben wie von unten angebracht werden. Vor allem bei beengten Bausituationen ist diese Reversiermöglichkeit sehr wichtig. Die Eindringtiefe läßt sich über einen festen Anschlag einstellen. Damit ist die Dicke des Restbodens der Clinchverbindung eindeutig und stets reproduzierbar anzufertigen. Die Restbodendicke stellt bekanntlich ein wichtiges Qualitätskriterium einer Clinchverbindung dar.

Die kompakten, handgeführten ULG-Clinchzangen zeichnen sich durch ein bemerkenswertes Preis-Leistungs-Verhältnis aus, denn schließlich sind zusätzliche externe Druckübersetzer oder gar ein Hydrauliksystem nicht erforderlich.

Die einfache Handhabung der ausbalancierten Clinchzangen und die Möglichkeit dieses Systems, unterschiedliche

Werkzeugaufnahmen und Stempeldurchmesser einsetzen zu können, sprechen für eine Anwenderfreundlichkeit und Flexibilität, wie sie in der Produktion benötigt werden.

Erschienen in Ausgabe: 04/2002