Kraft der Leere

Mit Vakuumhebegeräten in der Blechbearbeitung auf der sicheren Seite

Eines der berühmtesten physikalischen Experimente der Weltgeschichte machte die Vakuumtechnik bekannt: Im Jahre 1656 demonstrierte der Magdeburger Bürgermeister Otto von Guericke, daß zwei luftleer gepumpte Halbkugeln der Kraft von 16 Pferden widerstehen können. Für das Transportieren und Handhaben wird diese Erfindung aber erst seit einigen Jahrzehnten in größerem Umfang eingesetzt. Die Vorteile der Vakuum-Transporttechnik für die Lastaufnahme werden besonders deutlich, wo sich alles um das Transportieren, Handhaben und Bearbeiten von Blechen aus unterschiedlichen Materialien mit hochwertigen Oberflächen dreht.

22. März 2001

Das Spektrum in der Blechbearbeitung der 1947 gegründeten H. P. Kaysser GmbH & Co. KG, Nellmersbach, reicht von der CAD-Konstruktion und -Entwicklung über CNC- Zerspanungstechnik, Stanzen und Laserschneiden, hochgenaues Umformen, Biegen, Kanten und Richten über das MIG/MAG- und WIG-Schweißen bis hin zur Oberflächenbearbeitung durch Schleifen, Strahlen, Pulver- und KTL-Beschichten. Für das Bearbeiten von Blechen mit Größen von 2.000 x 6.000 mm und Dicken bis 20 mm aus Edelstahl, Baustahl, Aluminiumlegierungen und anderen NE-Metallen steht in Mellmersbach ein moderner Maschinenpark zur Verfügung: Fünf Laserschneidanlagen, von der kleinformatigen 600-W- bis zur großformatigen 4000-W- Anlage ermöglichen konturgenaues und wirtschaftliches Arbeiten. Der Maschinenpark für das Stanzen und Nibbeln reicht vom werkstattprogrammierbaren Stanzautomaten von Edel, Ludwigsburg, bis zu neuesten Trumatic-Anlagen von Trumpf, Ditzingen.

Für das Biegen werden neben CNC-Dreipunkt-Abkantpressen von Hämmerle, Brugg (CH), moderne Schwenkbiegemaschinen von Fasti, Wermelskirchen, eingesetzt. Automatisiertes Schweißen mit dem 2-kW-YAG-Laser-Schweißroboter sichern hohe Wirtschaftlichkeit und hervorragende Qualität in der Fügetechnik.

„Mit der ganzen Bandbreite unserer technischen Möglichkeiten verstehen wir uns als Systemanbieter“, charakterisiert Thomas Kaysser, Geschäftsführender Gesellschafter, die Stärke seines Unternehmens, das von der Problemdefinition bis zum fertigen Produkt komplette Lösungen aus einer Hand anbietet. Eine optimierte Lagerhaltung sichert kürzeste Lieferzeiten und höchste Flexibilität. Ein vollautomatisches Hochregalsystem mit 450 Lagerplätzen versorgt 24 Verarbeitungsstationen anforderungsgerecht und schnell mit Blechtafeln und Platinen. Flexible Vakuumhebegeräte vom Typ „VacuBoy“ sichern optimale Flächennutzung und geringe Wechselzeiten an den Bearbeitungsstationen.

Vakuumhebegeräte sichern Flexibilität

Als einer der ersten sammelte Kaysser vor etwa 20 Jahren Erfahrungen mit dem VacuBoy der Albert Fezer Maschinenfabrik, Esslingen. Heute begegnet man dem VacuBoy in der Fertigung von Kaysser auf Schritt und Tritt. Über 20 dieser flexiblen Vakuumhebegeräte sind im Einsatz und erfüllen die unterschiedlichsten Transport- und Handhabungsaufgaben: Schneidanlagen, Stanzautomaten, Biegemaschinen und Bearbeitungszentren werden mit Blechen, Platinen und Platten beschickt, angearbeitete Teile zur nächsten Bearbeitungsstation transportiert und nach der Fertigbearbeitung abgenommen.

Bei der Vielfalt von Werkstoffen und Oberflächenausführungen fallen die Vorteile der Vakuumtechnik besonders ins Gewicht: Mit Saugplatten lassen sich fast alle Materialien „greifen“. Sowohl empfindliche Oberflächen als auch hochglanzpolierte Rostfrei-Bleche werden rationell und schonend transportiert. Das Lösen der Werkstücke von der Saugplatte erfolgt in Sekundenbruchteilen. Beim Ausfall der elektrischen Energie gewährleisten Rückschlagventil und Sicherheitsspeicher Haltezeiten bis zu mehreren Stunden.

Flexible Geräteserie im Baukastensystem

Das Baukastensystem von Fezer ermöglicht es, für jedes Werkstück mit maximal 6.000 x 4.000 mm und 2 t das passende Standardgerät zu finden. Die Tragfähigkeit ist abhängig von Größe und Anzahl der Saugplatten, die von Fezer am Lager gehalten werden und von 6 bis 630 mm Durchmesser reichen. Form und Ausführung der Saugplatten ist optimal der Last angepaßt. So stehen zur Schonung empfindlicher Oberflächen Abdichtungen aus weichem, wenn nötig ölfestem Material zur Verfügung, für strukturierte Oberflächen spezielle Dichtlippen. Für das Ansaugen und Transportieren von Werkstücken bis 400 °C steht die neue Serie „FS-HB“ zur Verfügung, eine antistatische Ausführung schützt elektronische Bauteile vor Beschädigungen.

Für die Steuerung bietet Fezer unterschiedliche Lösungen. Neben der Ausrüstung mit Handschiebeventil bieten die Esslinger Elektromagnetventile mit integriertem Drucktaster an. Besondere Sicherheit gewährt die Schaltautomatik. Das Ansaugen der Werkstücke erfolgt hier automatisch beim Aufsetzen das Gerätes. Damit kann keine unbeabsichtigte Fehlschaltung während des Transportvorganges erfolgen.

Bei der Weiterentwicklung des VakuBoys wurden von Fezer auch ergonomische Gesichtspunkter hinsichtlich der Bedienbarkeit der Geräte berücksichtigt: So ist der Manipuliergriff in zwei verschiedenen Längen sowie einer optionalen Neigungseinstellung erhältlich und optimal an die unterschiedlichsten Handhabungsanforderungen anpaßbar. Bedienungsfreundlich ist auch die serienmäßige Ausführung der neuen Geräte mit Zweihandführung und Vakuummeter im Sichtbereich. Damit bietet VacuBoy vielfältige Einsatzmöglichkeiten hinsichtlich Transport und Handhabung mit flexibler Anpassung an die jeweiligen Kundenanforderungen.

Erschienen in Ausgabe: 09/2000