Kostengünstige Reinigung

Druckluft ist energieintensiv und teuer. In vielen Bereichen, auch in der Stahlindustrie, können konventionelle Einrichtungen durch die Luftklingentechnik ersetzt werden, die deutlich leiser ist und bis zu 85 Prozent Energie einspart, was die Betriebskosten senkt.

16. Februar 2019
Kostengünstige  Reinigung
Luftklingen eignen sich zum Entfernen von Flüssigkeiten und Fertigungsrückständen sowie zum Reinigen, Abblasen und Trocknen. (Bild: von Gehlen)

Luftklingen reinigen, trocknen oder kühlen Bauteile, Motorkomponenten, Bänder, Bleche, Coils oder kleine Teile wie Kabel, Drähte und Plastik- oder Gummiprofile. Sie eignen sich zum Entfernen von Wasser, Flüssigkeiten und Fertigungsrückständen wie Spänen oder Staub sowie zum Reinigen, Abblasen und Trocknen von Werkstücken.

»Mit der Luftklinge spart man gegenüber Druckluft sehr viel Energie ein.«

— Carl-Joachim von Gehlen, Geschäftsführer

Vielseitige Anwendungsmöglichkeiten

Die modularen Luftklingensysteme bestehen in der Regel aus drei Komponenten: einem Gebläse, Zuluftleitungen und einer Luftklinge als Abblasmodul. Die Luft wird vom Gebläse in die Luftklinge geführt und anschließend über einen parallelen Schlitz wieder herausgeleitet. So wird ein gezielter, sauberer Luftvorhang mit hoher Geschwindigkeit und niedrigem Druck erzeugt. Durch den speziellen Korpus der Luftklingen und eine exakte Luftzuführung ist ein gleichmäßiger Druck ohne Schwankungen über die gesamte Breite der Luftklingen bis hin zu mehreren Metern Länge garantiert. Da der Druck nur gerade so hoch ist, dass Tropfen und Partikel weggeblasen werden, wird weniger Energie verbraucht, und das Verfahren kann flexibel für unterschiedliche Bereiche und Produkte eingesetzt werden.

»Gerade bei breiteren Flächen und Produkten ab 100 Millimeter Größe lassen sich mit einer durch Gebläse versorgten Luftklinge bessere Ergebnisse erzielen und man spart gleichzeitig viel Energie ein«, erläutert Carl-Joachim von Gehlen, Geschäftsführer der Carl von Gehlen Spezialmaschinen und Zubehör GmbH & Co. KG und Experte für industrielle Reinigungsvorgänge. »Die Systeme des englischen Herstellers Air Control Industries (ACI) mit spezieller Klingenform erlauben eine Reduktion auf 15 Prozent der Energiekosten der Drucklufttrocknung.«

Höhere Energieeffizienz gegenüber Druckluftdüsenbalken

Die Kosteneinsparung durch den Einsatz von Luftklingen wird deutlich in folgendem Rechenbeispiel: Zur Erzeugung eines 500 Millimeter langen Luftvorhanges nehmen wir einen Druckluftdüsenbalken mit zehn Flachstrahldüsen mit je 47 Millimetern. Dieser wird mit 6 bar betrieben und generiert somit laut Hersteller einen Luftverbrauch von 380 Kubikmetern pro Stunde. Gerechnet mit einem Durchschnittswert von 0,12 Kilowattstunden je Kubikmeter/Stunde Druckluft verbraucht der Druckluftdüsenbalken 45,6 Kilowattstunden.

Diese Druckluft-Konfiguration vergleichen wir mit einer 500 Millimeter langen Luftklinge mit einem 7,5-Kilowatt-Gebläse. Je nach Anwendungsfall kann die Versorgung auch durch ein kleineres Gebläse erfolgen. Das Luftklingensystem ermöglicht in diesem Fall laut von Gehlen eine Energieeinsparung von satten 83,55 Prozent. Eine Investition in Luftklingen amortisiere sich demnach meist in sehr kurzer Zeit – ein Payback in 5 oder 6 Monaten, so von Gehlen weiter, sei nicht ungewöhnlich.

Die Effizienz des Systems kann für unterschiedliche Oberflächen maximiert werden, da der Anstellwinkel der Luftklinge je nach Fließband und Produkt angepasst werden kann.

Die Klinge sollte darüber hinaus entweder so dicht wie möglich am Objekt – im Abstand von circa 10 Millimetern – oder aus Sicherheitsgründen weiter entfernt angebracht werden; dies wird über den Druck und das Luftvolumen ausgeglichen. Die Luftklingen von ACI bestehen aus eloxiertem Aluminium oder Edelstahl und lassen sich den Kundenvorgaben entsprechend gestalten. So sind unterschiedliche Längen sowie verschiedene Fixierungsmöglichkeiten und Lufteinlassstutzen verfügbar.

Vorteile gegenüber Druckluftanwendungen

Neben einem geringeren Energieverbrauch und dadurch niedrigeren Betriebskosten verfügt ein mit Gebläse betriebenes Luftklingensystem über weitere Vorteile gegenüber der konventionellen Druckluftmethode: So muss die ausströmende Luft bei manchen Anwendungen, beispielsweise in Lackierbetrieben, ölfrei sein. Bei der Verwendung von Gebläseluft kann dies in jedem Fall gewährleistet werden, bei Druckluft jedoch nicht: Entstammt diese aus nicht ölfrei verdichtenden Kompressoren, ist sie verunreinigt und eignet sich ohne aufwendige Filtration nicht für hochreine Anwendungen.

Außerdem erwärmt sich die Gebläseluft um 10 bis 20 °C, was sich bei einer vorhergehenden Behandlung der Teile mit kaltem Wasser günstig auf die Trocknung auswirkt. Die Technik zeichnet sich ferner durch ein wesentlich niedrigeres Geräuschniveau als bei Druckluftanwendungen aus. Durch die Verwendung von Niederdruck bietet sie mehr Sicherheit und ist gleichzeitig sehr leicht zu installieren: »Im Prinzip muss das System nur angebracht und an das Stromnetz angeschlossen werden. Jeder ausgebildete Schlosser ist dazu in der Lage«, verspricht Carl-Joachim von Gehlen.

Erschienen in Ausgabe: 01/2019
Seite: 16 bis 17