Korrosion und Korrosionsschutz

Das korrosionsbedingte Schadensaufkommen in Deutschland wird derzeit auf ca. 130 Mrd. € pro Jahr geschätzt. Der betriebswirtschaftliche Einfluss ist also enorm und verlangt nach praktikablen Lösungskonzepten.

24. April 2012

In der Din EN ISO 8044 wird Korrosion allgemein als Reaktion eines Werkstoffs mit seiner Umgebung, die eine messbare Veränderung des Werkstoffs bewirkt und zu einer Beeinträchtigung der Funktion eines Bauteils oder Systems führen kann, definiert. Das korrosionsbedingte Schadensaufkommen in Deutschland wird derzeit auf ca. 130 Mrd. € pro Jahr geschätzt. Der betriebswirtschaftliche Einfluss ist also enorm und verlangt nach praktikablen Lösungskonzepten. Die Fehlerursache kann dabei in nahezu allen Schnittstellen entlang der Prozesskette liegen. Analysen und individuelle Korrosionsschutzkonzepte schaffen Prozesssicherheit. Die Abstimmung aller in den Prozessen eingesetzten Medien untereinander ist dabei essentiell.

Wie entsteht Korrosion?

In den meisten Fällen sind eine korrosive Umgebungsatmosphäre (hohe Luftfeuchtigkeit, Aerosole, etc.) oder korrosive Flüssigkeiten (Salzwasser, chemische Verbindungen, etc.) korrosionsauslösende Faktoren. Vereinzelt tritt Korrosion auch durch die Bildung eines galvanischen Elements (Stromfluss bei unterschiedlichen Metallen in Gegenwart eines Elektrolyten) auf.

Es lässt sich eine Vielzahl weiterer Ursachen identifizieren, z.B.:

• Phasenunterschiede / Phasengrenzflächen

• Konzentrationsunterschiede (in Löchern, Spalten, unter Ablagerungen und Partikeln)

• Zugbeanspruchungen, statische und dynamische

• Direkter Kontakt unterschiedlicher Metalle

• Absorption von Wasserstoff

• Phaseneinschlüsse

• Inhomogenität im Werkstoff / Gefüge

Temporärer Korrosionsschutz in der Prozesskette

„Als temporären Korrosionsschutz bezeichnet man den Korrosionsschutz, der für einen begrenzten Zeitabschnitt vorgesehen ist.“ Klassische Anwendungen für temporären Korrosionsschutz sind Lagerung und Transport von Metallteilen oder während einer Stillstandzeit von betrieblichen Einrichtungen. Wichtige Erfolgsanforderungen sind dabei eine einfache Applikation und geringe Schichtdicken. Die chemische Verträglichkeit mit anderen Medien und eine leichte Entfernbarkeit müssen sichergestellt sein. Die Einhaltung von Umwelt- und Arbeitsschutzvorschriften sind zwingend.

Passgenaue Korrosionsschutzkonzepte helfen Korrosion zu verhindern und Schadensbilder zu vermeiden. Neben der Konservierung mit flüssigen organischen Medien wie Ölen, wässrigen Medien, etc. kommt häufig auch eine Trockenkonservierung oder eine Kombination aus beidem zur Anwendung. Hier werden häufig VCI-Folien (VCI=Volatile Corrosion Inhibitors), VCI-Beutel, VCI-Pulver, VCI-Papiere, VCI-Wellpappen, Pulver-Tabs oder staubfreie Spendersysteme wie imprägnierte PU-Schaumstoffe verwendet.

Das VCI-Prinzip besteht im Wesentlichen darin, dass die im Verpackungsmaterial oder im Spendersystem (auch in VCI-Flüssigkeiten) eingebauten Moleküle durch Sublimation oder Verdampfung eine Schutzatmosphäre im Innenraum einer geschlossenen Verpackung oder in Hohlräumen wie Motoren, Getrieben, Pumpen, Tanks, u.v.m. aufbauen und durch Adsorption eine monomolekulare Schicht auf den blanken Metalloberflächen ausbilden. FE- und NE-Metalle werden zuverlässig vor Korrosion geschützt. Dieses Verfahren ist mittlerweile auch von Versicherungen bspw. bei Überseetransporten anerkannt.