Kooperation ist eine ganz entscheidende Stellschraube

Bernhard Jacobs_ Wie können Kleine und Mittlere Unternehmen in einer sich globalisierenden Welt bestehen? bbr fragte den Geschäftsführer des ­Industrieverbands Blechumformung (IBU), Bernhard Jacobs, nach probaten Wegen.

28. August 2006

br: Herr Jacobs, Stichwort Globalisierung: Chance oder Gefahr für unsere KMUs?Jacobs: Nach wie vor Chance! Bei allem Veränderungsdruck, der sich in den Mitgliedsunternehmen durch globalisierte Märkte ergibt, sind mittelständische Unternehmen doch auf Veränderungen eingestellt und haben Erfahrungen und das unternehmerische Handwerkszeug darauf zu reagieren.

Gerade die KMUs, die Ihr Verband vertritt, sehen sich mit enormen Herausforderungen konfrontiert, auf internationalen Märkten zu bestehen. Wie können Sie hier konkret unterstützen?

In unserem Verband sind mittelständische und große Unternehmen gleichermaßen vertreten und jedes Unternehmen hat einen spezifischen Anpassungsbedarf. Wir unterstützen durch gute Informationen über die Marktentwicklung, die Gegebenheiten an den Auslandsstandorten und den Umgang von Zulieferern und Kunden am Auslandsstandort. Hier ist zu unterscheiden zwischen einer sinnvollen Produktionsverlagerung aus Kosten- oder Markterschließungsgründen und zweifelhaften Forderungen an die Zulieferer, unbedingt vor der Haustüre des Kunden zu sitzen oder in Billiglohnländern zu produzieren.

Wie reagieren denn die erfolgreichen KMUs, können Sie aktuelle Beispiele nennen?

Erfolg versprechend sind Entscheidungen, die sich an der Situation des einzelnen Unternehmens orientieren. Notwendigerweise geht dem Aufbau eines Auslandsstandortes die Überlegung voraus, welche Kostenminimierung in Deutschland überhaupt noch zu realisieren wäre. Dann kann es Kooperationspartner im Ausland geben oder es gibt erfreulicherweise auch die Vorhaben, mit einem anderen deutschen Unternehmer gemeinsam einen neuen Markt zu erschließen.

Gerade die Riesen der Branche setzen oft auf Preisdumping oder bewegen sich zunehmend in den Nischen der Kleinen. Wie können die kontern?

Gekontert wird über Flexibilität, Innovationsfähigkeit und Kooperationswillen. Jedes Zulieferunternehmen muss den Anspruch formulieren, nur solche Aufträge entgegenzunehmen, die rentierlich sind. Hier muss man, um am Markt zu bleiben und ein verlässlicher Zulieferer zu sein, auch mal an der richtigen Stelle »nein« sagen können.

Kooperationen bei der Forschung und Entwicklung, dem Energie- und Rohstoffeinkauf, beim Vertrieb etc. sind eine probate Antwort der Kleinen auf die Herausforderungen der Globalisierung. Doch Kooperationswillige finden nicht unbedingt zusammen. Bietet der IBU da eine Art Partnerbörse?

Kooperation ist eine ganz entscheidende Stellschraube der Unternehmensentwicklung und eine ganz große Herausforderung der Verbandsarbeit. Der Industrieverband Blechumformung unterstützt jede Form der Kooperation, und alle genannten Beispiele sind wichtig. Hierbei ist die Vorgehensweise die, vor Ort IBU-Mini-Netzwerke zu bilden, die über den persönlichen Kontakt der Unternehmer zu praktischen Lösungen finden. Acht bis zehn Unternehmen aus einer Region sind ideenreicher und innovativer als mancher organisierte Cluster. Als Verband begleiten, fundieren und organisieren wir den Austausch und sorgen für den »roten Faden« in dem vielschichtigen Verbandsgewebe.

Wo sehen Sie derzeit noch akuten Handlungsbedarf bei deutschen Unternehmen - ist’s der Service?

Natürlich sind die Dienstleistungen für den Kunden ausbaufähig, wenn der Kunde sie wünscht und bezahlt. Wichtig ist aber insbesondere, dass die Unternehmen wissen wo sie stehen und sich noch frühzeitiger auf Marktentwicklungen einstellen. Hier bieten wir ein betriebswirtschaftliches und technisches Benchmarking an und geben Einschätzungen zu den Märkten, die aus dem Erfahrungsaustausch der Unternehmen entstehen. Zudem ist die Zuliefer-Kompetenz unserer Unternehmen noch stärker im Markt bekannt zu machen. Also Vertriebsaktivitäten in Deutschland und darüber hinaus.

VitaBernhard Jacobs

Geboren 1957 in Aachen - Technische Ausbildung an der RWTH Aachen - Studium Politik- und Wirtschaftswissenschaften Duisburg/Aachen. Berufliche Erfahrungen: Politik- und Wirtschaftsberatung, Wirtschaftsförderung, Technologie- und Innovationstransfer, Mergers & Akquisition, Verbandsführung - Geschäftsführer des Industrieverbandes Blechumformung (IBU) seit dem 1. April 2003.

Erschienen in Ausgabe: 08/2006