Konforme Schichten

Technik

In Rheinbreitbach hat sich ein Team aus erfahrenen Physikern und Ingenieuren zusammengeschlossen und sich in kurzer Zeit zu einem beachtenswerten Beschichtungs-Spezialisten entwickelt.

07. Februar 2012
Unconformal Coating  - nicht homogen  - Blaseneinschlüsse Conformal Coating mit TiXX Parylene  - frei von Pinholes  - homogen  - stressfrei. Bildquelle: Tixx
Bild 1: Konforme Schichten (Unconformal Coating - nicht homogen - Blaseneinschlüsse Conformal Coating mit TiXX Parylene - frei von Pinholes - homogen - stressfrei. Bildquelle: Tixx)

Seit Anfang 2011 ist das noch junge Unternehmen Tixx Coatings Mieter im Technologiezentrum für Oberflächentechnik (TZO). Tixx veredelt Produkte für Kunden aus aller Welt und hat sich auf Parylene-Beschichtungen und die Anwendung des Verfahrens für Massenprodukte spezialisiert. Durch die Realisierung hoher Stückzahlen lässt sich annähernd das Preisniveau herkömmlicher Schutzschichten erreichen.

Lückenloser Schutz

Parylene ist ein optisch transparentes Polymer. Für alle Varianten dieser Beschichtungstechnologie wird ein gasförmiges Monomer in einer Vakuumkammer auf die zu beschichtenden Werkstücke aufgebracht. Das Monomer kondensiert und polymerisiert auf der Oberfläche und bildet eine konforme transparente Schicht, die sich exakt der Oberflächentopologie anpasst.

In einem einzigen Prozess können Schichtdicken zwischen 0,1 und 50 Mikrometer realisiert werden. Zum Vergleich: Der Durchmesser eines menschlichen Haares beträgt durchschnittlich 60 Mikrometer.

Durch Parylene werden beispielsweise elektronische Geräte vor Umwelteinflüssen geschützt und Bauteile in Anlagen vor frühzeitigen Ausfällen durch Eindringen von Wasser oder Verunreinigungen bewahrt. Dies reduziert Ausfälle sowie teure Reklamationen und steigert die Zuverlässigkeit der verwendeten Komponenten. Insbesondere vor dem Hintergrund der Miniaturisierung immer komplexerer Elektronikteile sind leistungsfähige Schutzschichten gefragt.

»Komplizierte Oberflächen mit scharfen Ecken, Kanten und Furchen, die mit einem Tauchverfahren nicht

optimal beschichtbar sind, lassen sich mit Parylene gleichmäßig und porenfrei beschichten«, so Tixx-Geschäftsführer Dr. Udo Grabowy. Er nennt weitere Vorteile: »Parylene hat eine höhere Diffusionsdichte als Lacke oder Harze und nimmt extrem wenig Wasser auf. Zudem ist es ein exzellenter elektrischer Isolator und besitzt mit Abstand die höchste Durchschlagsfestigkeit in dieser Materialklasse.«

Überall, wo empfindliche und sicherheitsrelevante Komponenten Temperarturwechseln oder Feuchtigkeit ausgesetzt sind, wird Parylene seit Jahrzehnten eingesetzt, etwa in der Elektro- und Halbleitertechnik, in der Automobil- und Metallindustrie oder der Luft- und Raumfahrt.

»Wir sind in der Lage, alle Materialien zu beschichten – seien es Metalle, Papier, Kunststoffe, Keramiken, Elastomere, elektronische Platinen, Seltene-Erden-Magnete, Drähte, Ferrite oder Silikone«, erläutert Grabowy. Neben dem industriellen Sektor gewinnen Parylene-Beschichtungen in der Medizin eine immer größere Bedeutung, da sie biokompatibel sind und dazu sehr gute Gleiteigenschafen aufweisen. Typische Anwendungen in diesem Bereich sind beispielsweise medizinische Schläuche oder Führungsdrähte von Kathetern.

Hintergrund

Der Innovationscluster Metall-Keramik-Kunststoff ist ein wichtiges Projekt der rheinland-pfälzischen Wirtschaftspolitik in Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsförderungsgesellschaften der Landkreise Altenkirchen, Neuwied und Westerwald. Die Branchen Metall, Keramik, Kunststoff und die Oberflächentechnik sind Schwerpunktbranchen im nördlichen Rheinland-Pfalz. Innerhalb dieses Wirtschaftszweiges befinden sich hier über 250 Unternehmen mit mehr als 25000 Arbeitsplätzen.

Ziel der Clusterinitiative ist die Vernetzung der Innovationspotenziale und die Bündelung der Kompetenzen aus Universitäten, Fachhochschulen, ortsansässigen Forschungseinrichtungen sowie den Unternehmen der Region, um innovative Produkte und Prozesse bis zur Marktreife zu entwickeln und somit zukunftsfähige Arbeitsplätze zu erhalten und zu generieren.

Erschienen in Ausgabe: 01/2012