Kompromisslose Qualität

Puky, sind das nicht die mit den Kinderspielfahrzeugen? bbr besuchte das Traditionsunternehmen in Wülfrath und verfolgte Schritt für Schritt, wie Markenqualität Made in Germany entsteht.

09. August 2007

Um Kinderspielfahrzeuge wie Dreiräder, Laufräder, Roller, Fahrräder, Rutscher, Go-Carts et cetera in Deutschland zu fertigen, muss man ein unverbesserlicher Optimist sein. Puky stellt sich der globalen Herausforderung seit 1949 und setzt dabei auch heute fest auf den Fertigungsstandort Deutschland. Doch wie kann das trotz des enormen Preisdrucks der Billig-Kinderspielfahrzeuge in den Baumärkten noch funktionieren? Dieser Frage ging bbr in Wülfrath, nahe Düsseldorf, im dortigen Fertigungswerk von Puky nach und BLM-Rohrbiegemaschinen kommt hierbei eine wichtige Rolle zu.

Qualität und Sicherheit

Die Geschäftsführer Rolf Kuchenbecker, Ralf Puslat und ihr technischer Leiter Michael Bunte sind kompromisslose Verfechter des Fertigungsstandortes Deutschland. Um trotz des gnadenlosen Preiswettbewerbs hier bestehen zu können, muss man Ideen haben. Eine ist, dass im Puky-Werk in Wülfrath vom Management, der Entwicklung und Konstruktion, dem Vertrieb und der Logistik, über die Qualitätssicherung und Fahrzeugprüfung bis zur Fertigung (Rohre biegen, stanzen, pressen, umformen, schweißen und pulverlackieren) alles von den rund 90 Stamm-Mitarbeitern erledigt wird. Die Montage des umfangreichen Puky-Kinderspielfahrzeugeprogrammes übernehmen neben der eigenen Mannschaft zusätzlich etwa sieben bis acht umliegende Behindertenwerkstätten mit insgesamt 300 bis 350 Mitarbeitern. Ein weiterer, wichtiger Ansatz hier zu fertigen, ist der kompromisslose Qualitätsanspruch von Puky:

»Sie müssen immer damit rechnen, dass ein Kinderspielfahrzeug nicht bestimmungsgerecht eingesetzt wird«, so Kuchenbecker, und er nennt Beispiele, wie etwa den Freund eines Puky-Kunden, der auf dem Gepäckträger mitgenommen wird, oder der Vater, der mit seinen 90 kg Körpergewicht nochmals auf dem Fahrrad seines Sohnes ein wenig Kindheitserinnerungen aufwärmen möchte. All das muss das Fahrrad oder der Gokart oder welches Puky-Fahrzeug auch immer aushalten können. »Wenn ein Gepäckträger oder Rahmen gebrochen ist, fragen die Eltern ihr Kind sicher nicht: Hast du das Fahrrad auch bestimmungsgerecht benutzt? Und selbst wenn, das Kind wird kaum erzählen, dass es mal getestet hat, wie es ist, eine Treppe herunterzufahren«, weiß Michael Bunte aus Erfahrung (er ist schließlich selbst Vater von drei Kindern).

Qualität erfährt Konjunktur

In harten Bauteil- und Fahrzeugtests, die weit über DIN- oder EN-Normen hinausgehen, werden die Puky-Fahrzeuge im Fertigungswerk auf eigenen Spezialprüfständen getestet. Nur Komponenten, die diesem Stress widerstehen, werden überhaupt verbaut.

Daher können die Kunden Puky-Kinderspielfahrzeuge auch nur im Fachhandel beziehen, wo fachkundige Verkäufer dieses Hintergrundwissen weitergeben können denn ein höherer Preis ist immer erklärungsbedürftig. »Qualität setzt sich durch«, ist Kuchenbecker überzeugt, und die steigenden Umsatzzahlen der letzten eineinhalb Jahre geben ihm Recht die Geiz-ist-geil-Welle scheint vorbei zu sein. Der hohe Wiederverkaufswert der Produkte steht wieder häufig im Vordergrund. Hohe Produktqualität kombiniert mit einem langjährigen Ersatzteilservice garantiert eine lange Nutzungsdauer der Produkte.

Das wird vom Endverbraucher wieder wertgeschätzt. Das Unternehmen startet in der nächsten Saison wieder mit einer interessanten Produktoffensive mit vielen innovativen Neuheiten. Auch bei der Fahrzeugentwicklung macht sich Puky Gedanken. So kommt es, dass Puky nicht jedem Trend hinterherläuft. Einige Kinderfahrzeugen würde Puky nicht bauen, weil sie entweder nicht den hohen Puky-Sicherheitsanforderungen entsprechen, oder weil sie nicht wirklich Kinder in Ihrer Entwicklung fördern. Pukys Claim »Sicher Kind sein« steht in Stein gemeißelt und ist oberstes Gebot.

Puky und BLM

Schon seit Ende der 70er-Jahre haben die Rohrbiegemaschinen von BLM ihren Einzug in die Fertigung bei Puky gehalten. Heute, knapp dreißig Jahre später, stehen zwei nagelneue »Dynamo-E-MR-200-E«-CNC-Rohrbiegemaschinen in der frisch organisierten Fertigung, um leise und vollelektrisch Rohre zu Laufrad-, Fahrrad-, Dreirad- oder Gokart-Rahmen zu biegen. Warum BLM bei Puky den Vorzug erhielt ist schnell erklärt: »BLM ist der einzige Rohrbiegemaschinenhersteller, der aus seinem Standard-Baukastenprogramm heraus individuelle Kundenbedürfnisse zu einem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis bedienen kann«, weiß Rolf Kuchenbecker, und er lobt bei BLM vor allem die Kompetenz in Sachen Rohrbiegen: »Die Vertreter von BLM gehen von ihrem Bauteil aus, um Ihnen nicht etwa eine teure Spezialmaschine zu verkaufen. Sie suchen nach Wegen, den nötigen Biegevorgang auf einer ihrer Standardmaschinen realisieren zu können, denn zumeist gelingt das etwa schon durch Änderungen der Biegewerkzeuge und einer entsprechenden Umprogrammierung der BLM-Software.«

Auch der technische Leiter, Michael Bunte, hat das italienische Unternehmen als kundenorientiert erlebt: »Unsere von BLM ausgebildeten Mitarbeiter haben inzwischen einige komplexe Geometrien selbst programmiert und wir haben in kurzer Zeit eigenes Know-how aufbauen können.« Und Kuchenbecker ergänzt ein Detail: »Bei BLM wird Ihnen nicht eine Maschine verkauft und dann hören Sie nichts mehr von denen, im Gegenteil. Die BLM-Mitarbeiter besuchen ihre Kunden von Zeit zu Zeit und besprechen mit ihnen ihre Erfahrungen mit den BLM-Maschinen. So fließen in nachfolgende Maschinengenerationen viele Kundenideen und Kunden-Know-how mit ein, wovon alle Kunden profitieren.« Den Kundendienst für die Puky-Maschinen übernimmt die Deutschlandvertretung von BLM aus Unna. Die neuen Maschinen sind zudem via Internet (Ferndiagnose) mit BLM in Italien verbunden und die Ferndiagnose funktioniert laut Puky recht gut. Und wenn einmal alle Stricke reißen sollten, wissen die Wülfrather einen hocherfahrenen BLM-Mechaniker zu schätzen, der im Notfall auch direkt aus Italien kommen würde.

Alles im Fluss

Wie schon erwähnt, hat Puky noch ein weiteres Ass im Ärmel, wie man den Fertigungsstandort Deutschland sichern kann. Neben der kompromisslosen Qualität, die im eigenen Prüflabor hart getestet wird, der ausgelagerten Montage und der innovativen Produktpalette verfügt das Fertigungswerk in Wülfrath über ein pfiffiges Produktionskonzept. Und hierin spielen auch die BLM-Rohrbiegemaschinen eine wichtige Rolle. Als bbr das Werk besuchte, war es gerade mitten im Umbruch begriffen, denn Michael Bunte hat mit seinen Mitarbeitern bei Puky die Fließfertigung eingeführt, die bereits nach einem halben Jahr erste handfeste Ergebnisse liefert: »Ich komme ursprünglich aus der Automobilindustrie«, verrät der Ingenieur, der von seinen Erfahrungen, die er unter anderem bei mehrmaligen Japanbesuchen machen konnte, viele bei Puky eingebracht hat. Ein Vorbild ist für Michael Bunte sicher die Fertigung bei Toyota mit ihrer hohen Flexibilität und dem sich ständig vollziehenden Verbesserungswesen.

»Es geht nicht darum möglichst hohe Investitionen für die Automatisierung zu tätigen, um die Produktivität zu steigern, sondern mit bestehendem Equipment eine flexible Fertigung mit geringen Durchlaufzeiten und niedrigen Beständen aufzubauen. Denn bis sich voll automatisierte Fertigungsstraßen rechnen, müssen sie Massen produzieren. Fällt da ein Auftrag weg, fressen sie schnell die Kosten auf«, weiß Bunte.

Kein Wunder also, dass man sich bei Puky von den Schweißrobotern wieder trennt, da sie sich nur schwer in die neue Fertigungsphilosophie integrieren lassen. Und mit der bisherigen Arbeitsteilung in verschiedenen Abteilungen, wie Rohrbiegerei, Stanzerei, Schweißerei, hat der neue technische Leiter aufgeräumt, zugunsten der neuen Fließfertigung, oder wie er es ausdrückt, dem »One piece flow concept«. »Das müssen Sie den Leuten natürlich erklären, und ich denke, dass mich da einige am Anfang belächelt haben, als ich ihnen die Strategie mit den Arbeitsinseln, die bei uns Bearbeitungszentren heißen, genau erklärte«, erinnert sich Bunte und lächelt. Inzwischen sind die Bearbeitungszentren »Fahrradrahmen«, »Laufrad- und Rollerrahmen«, »Dreiradrahmen«, bereits im Betrieb und die Mitarbeiter sind inzwischen überzeugt von dem neuen Fertigungskonzept.

Perfekte Inseln

»Jede Insel ist mit einer oder zwei BLM-Rohrbiegemaschinen, wenn nötig einer Stanz- oder Umformpresse oder unseren selbst entwickelten Maschinen zum Ausklinken, Lochen et cetera und einem Schweißautomaten ausgestattet. An jeder Rohrbiegemaschine steht ein Rohrmagazin, von dem sich die Maschine das Rohr selbstständig holt, es biegt und auf eine Rutsche oder ein Förderband fallen lässt, von wo es der Mitarbeiter den weiteren Bearbeitungsschritten in seiner Fertigungszelle zuführt.« »Ein Arbeiter ist im Gegensatz zur früheren Fertigung also nun für das gesamte Produkt ›Rohrrahmen‹ verantwortlich. Vorteil dieser Methode ist auch, dass ein Mitarbeiter sofort erkennt, wenn ein Bearbeitungsprozess nicht sauber läuft, weil beispielsweise der gebogene Rahmen nicht in die Schweißvorrichtung passt. Sofort kann der betroffene Mitarbeiter handeln und die Fehlerquelle ausschließen.

Zuvor hätte es vielleicht ein Mitarbeiter der Schweißabteilung bemerkt und inzwischen wären schon Hunderte neue Rohre in der ehemaligen Biegerei falsch gebogen oder gestanzt worden.« Die bisher durch die Umstellung der Produktion erzielten Ergebnisse geben Bunte Recht: »Wir produzieren rund 25 Prozent schneller und unser Platzbedarf ist gar um 30 Prozent gesunken. Das schafft Platz für weitere Fertigungsinseln, um etwa steigende Kapazitäten abfedern zu können oder zukünftig externe Aufträge annehmen zu können.« Schon jetzt fertigt Puky gut 300.000 bis 350.000 Einheiten pro Jahr einschichtig. Gerade in Zeiten in denen ein weltweit enormer »Materialhunger« herrscht, wird es zunehmend schwierig, Halbzeuge mit einer gleichbleibend guter Qualität und zu vernünftigen Preisen zu finden.

Die Konsequenz: Oftmals verhält sich das Material bei weiteren Bearbeitungsschritten, wie dem Umformen, nicht gleichmäßig die Fertigungstoleranzen laufen aus dem Ruder. Das gilt selbstverständlich auch für das Halbzeug Rohr. Und hier kommen wieder die Rohrbiegemaschinen von BLM ins Spiel: »Moderne Rohrbiegemaschinen können heute diese Toleranzabweichungen der Rohmaterialien weitestgehend kompensieren. So können Chargen-Unterschiede schnell und problemlos durch die CNC-Maschinen ausgeglichen werden, ohne dazu viele Proberohre biegen zu müssen«, weiß Rolf Kuchenbecker. Nach den Erfahrungen, die Puky mit den italienischen Rohrbiegemaschinen-Spezialisten aus Cantú gemacht hat, gilt als sicher, dass die Westfalen weiterhin auf Technik aus Italien setzen, um auch weiterhin kompromisslose Qualität zu produzieren ? für die Sicherheit ihrer jungen Kunden.

Erik Schäfer

Know-howDie Dynamo-E-MR-200-E-CNC-Rohrbiegemaschine in Zahlen

- Kapazität: 4 mm bis 28 mm Durchmesser bei einer maximalen Wandstärke von 1,5 mm für die Werkstoffe Kupfer, Messing und Aluminium sowie max. 22 mm Durchmesser bei 1,5 mm Wandstärke für Edelstähle

- Fixe Radien bis zu drei verschiedene mit einem variablen Radius

- CNC-Achsen: acht

- Biegerichtungen: rechts oder links

- Be-/Entladungautomatisch, in Maschine integriert (in-built)

- Programmierung mit VGP (Visual Graphic Programming), in die VGP-Steuersoftware ist eine virtuelle Machbarkeitsanalyse für die Werkstücke integriert

BackgroundDie Puky GmbH & Co. KG

Unternehmensname: PUKY

Gründung: 1949

Geschäftsführer: Rolf Kuchenbecker (Technik) und Ralf Puslat (Marketing und Vertrieb)

Mitarbeiter: ca. 90 Mitarbeiter im Werk Wülfrath sowie weitere 350 Mitarbeiter in den externen Montagen

Produkte: Kinderspielfahrzeuge wie Dreiräder, Laufräder, Roller, Fahrräder, Gokarts und Handwagen Hauptmärkte: Europa, Japan, Australien

Umsatz: zwischen 20 und 25 Mio. Euro (Export: ca . 20 %).

Erschienen in Ausgabe: 05/2007