Komplett bearbeitet

Technik/Stanzen

Mittels zweier verschiedener Fräseinheiten realisiert Boschert individuelle Lösungen zur universellen Komplettbearbeitung verschiedener Platten oder Bleche – das bringt dem Anwender eine hohe Flexibilität.

13. Oktober 2014

Im heutigen harten Wettbewerb setzen Anwender darauf, dass sie möglichst viele Prozesse mit einem Anbieter abdecken können. Für Blechverarbeiter aus allen Branchensegmenten bietet Spezialist Boschert mit seinen Stanzmaschinen der Baureihen Compact, Twin/TRI und Multipunch darum standardisierte Anlagen für eine universelle und flexible Anwendung. Der Einsatz erstreckt sich auf Vorgänge wie Präzisionstanzen, Nibbeln oder Umformen, mit Zusatzeinrichtungen sind zudem Prägen, Perforieren oder Gewindeschneiden möglich, mit einem Plasma- oder Faserlaserschneidkopf auch ein kombiniertes Brenn-Laserschneiden und Stanzen. Dies soll eine Komplettbearbeitung in einer Aufspannung ermöglichen, wobei sich das Rohblech- und Teilehandling auf ein Minimum beschränkt.

Aber die Grenzen zwischen klassischer Blechbearbeitung in Arbeitsteilung auf mehreren Maschinen und integrierter Komplettfertigung von Bauteilen aus Blechen auf möglichst nur einer Maschine verwischen immer mehr. Zumal bekannte und neue Werkstoffalternativen auch andere Bearbeitungsverfahren notwendig machen.

Aus diesem Grund entwickelten die Ingenieure von Boschert mit ihrem strikt praxisorientierten Ansatz zwei Anbaueinheiten für Fräsbearbeitungen an Alucobond-Verbundplatten, Aluminiumblechen oder solchen aus anderen NE-Metallen. Ziel ist, dass Metallbau sowie Zulieferer ihren Kunden neue Komplettleistungen bieten können und um neue Marktsegmente zu erschließen. Ferner sollen diese die Komplettbearbeitung einfacher bis komplexer Werkstücke und Bauteile in einem Prozess und damit hoch produktiv durchführen können, wodurch das Handling einfacher wird und die Durchlaufzeiten kleiner.

Als Fassadenbau-Werkstoff entwickelt, finden Alucobond-Verbundplatten im häufiger auch Verwendung im Innenausbau, Messe- und Ladenbau oder in Maschinenverkleidungen. Denn sie sind nicht nur stabil, flexibel und leicht zu verarbeiten, sondern auch witterungsbeständig, schlag- und bruchfest, schwingungsdämpfend, normal entflammbar, nicht brennbar und problemlos zu montieren. Um die Komplettbearbeitung von Alucobond-Platten durch Stanzen und Fräsen in der Fräskanttechnik zu ermöglichen, rüstet Boschert alle Baureihen von CNC-Stanzmaschinen jetzt optional mit einer Fräseinheit aus.

Die Fräskanttechnik erlaubt die Herstellung auch von nicht flächigen Formteilen aus Alucobond in vielen Größen und Arten. Dabei werden auf der Rückseite der Verbundplatten mit Scheiben- oder Formfräsern v-förmige Nuten eingefräst. Das Aluminiumdeckblech der Vorderseite bleibt ebenso erhalten wie ein Teil des Kunststoffkerns. Die geringe Dicke des Alu-Deckblechs gestattet das manuelle Abkanten, wobei die Nutform den Biegeradius bestimmt.

Keine Zwischenschritte notwendig

Im Normalfall sind die Nutenfräsarbeiten eigene und externe Arbeitsgänge. Mit der Fräseinheit von Boschert dagegen verbleibt die Alucobond-Platte auf dem Maschinentisch und wird von der Stanz- sowie Fräseinheit in einem Prozess, also ohne Maschinenwechsel oder Umspannen, komplett bearbeitet. Dies erleichtert nicht nur die Fertigung und spart Zeit, sondern schlägt sich auch in Qualität und Auslastung nieder, denn die Platten müssen nicht mehr transportiert werden, und eine Gefahr von Beschädigungen ist nicht mehr gegeben.

Die Fräsausrüstung für die CNC-Stanzmaschinen besteht aus einer Fräseinheit mit manueller Nonius-Frästiefen-Einstellung, pneumatischem und verstellbarem Materialniederhalter, Spannzangen für die Werkzeuge, Absauganlage mit Absaugglocke und selbstreinigendem Filter sowie Spänewanne. Sie lässt sich an Neumaschinen installieren und auch an vorhandenen Maschinen nachrüsten.

Boschert hat sich aber auch auf Sonderfälle eingerichtet: So gilt es manchmal, an Aluminium- oder NE-Metallblechen Kanten oder Konturen innen wie außen zu fräsen, weil diese nicht zu stanzen sind, oder die Bleche oben, unten oder an beiden Seiten Fasen aufweisen müssen. Darum lassen sich die CNC-Stanzmaschinen der Baureihe Twin/TRI um eine CNC-gesteuerte Zweiachsen-Fräseinheit erweitern. Diese ist frontseitig gesehen links vom Stanzkopf angebaut und damit sehr gut zugänglich sowie vom Bediener direkt einsehbar.

Verschiedene Fräswerkzeuge wie Schaftfräser, Radiusfräser oder Formfräser bis maximal 24 Millimeter Durchmesser können zum Einsatz kommen. Zur Ausrüstung gehören ein Absaugsystem und eine Spänewanne. Die Werkzeugauswahl richtet sich nach den zu bearbeitenden Materialien wie Aluminium, Kupfer oder Messing, wobei die Werkzeuge in einer Spanzange aufgenommen sind und sich schnell wechseln lassen.

Euroblech Halle 11, A14

Zahlen & Fakten

Die Fräseinheit für die CNC-Stanzmaschinen der Boschert GmbH & Co. KG aus Lörrach-Hauingen besteht aus einer Hochfrequenzspindel mit 2 KW Leistung, einer stufenlos regelbaren Drehzahl von 1000 bis 18000 Umdrehungen pro Minute sowie einem Z-Schlitten mit 70 mm Hub. Die neue Zweiachsen-Fräseinheit verfügt über vier Kilowatt Leistung und Drehzahlen im Bereich bis 6000 Umdrehungen pro Minute sowie einem Z-Hub von 150 mm. Boschert hat heute 115 Mitarbeiter und hält mehr als 50 Patente auf dem Gebiet der Stanzmaschinen. Blechbarbeitung ›Made in Germany‹ ist bei Boschert gelebte ›Philosophie‹, das Ziel sind qualitätsorientierte Produkte.

Erschienen in Ausgabe: 05/2014