Jetzt handeln!

Technik/Fügen

Bald kommt sie, die neue Normenreihe DIN EN 1090 1-3. Ab 1. Juli 2014 dürfen Aufträge für Metallbauten nur noch an zertifizierte Betriebe vergeben werden.

06. Juni 2014

Bauprodukte – Hallen, Brücken, Überdachungen, Geländer, Carports, Treppen, Balkone, – ohne CE-Kennzeichnung gelten ab 1. Juli als mangelhaft und dürfen in Europa nicht mehr installiert werden. Auftraggeber können sogar die Zahlung für Bauprodukte ohne CE-Symbol verweigern, auch wenn sie technisch einwandfrei sind. Branchenkenner schätzen, dass nur etwa die Hälfte der Betroffenen bislang zertifiziert ist.

Die bisherigen Herstellerklassen A–E nach DIN 18800-7 und A–C nach DIN V 4113-3 werden durch die Ausführungsklassen EXC1 bis EXC4 ersetzt. Die Einteilung ergibt sich anhand verschiedener Kriterien wie die Beanspruchung des Tragwerkes, des Schweißverfahrens/Werkstoffs sowie der Versagensfolgen. In allen Klassen müssen die Betriebe eine werkseigene Produktionskontrolle (WPK) einrichten und geprüfte Schweißer mit gültiger Schweißer-Prüfbescheinigung nach DIN EN 287-1 einsetzen. In den Klassen EXC 2, 3 und 4 sind zudem qualifizierte Schweißaufsichtspersonen und Schweißverfahren mit gültiger Qualifikation nötig.

In fünf Schritten zur Zertifizierung

Wenn sein Betrieb nach DIN EN 1090 zertifiziert ist, darf der Hersteller das CE-Symbol sowie die Leistungserklärung selbst erstellen und auf seinen Bauprodukten anbringen. Die Zertifizierung erfolgt auf Basis einer Erstprüfung, die Betriebe durch die folgenden Schritte erreichen: Das Audit für die Zertifizierung des Betriebs wird durch eine von deutschlandweit etwa 30 Zertifizierungsstellen (zum Beispiel TÜV, SLV) durchgeführt. Nach der Erstprüfung sind Überprüfungen in regelmäßigen Abständen ausreichend.

Neben Schrauben und Beschichten gehört Schweißen zu den sogenannten speziellen Prozessen und unterliegt damit einer stärkeren Prüf- und Dokumentationspflicht. So dürfen Produkte ab EXC2 nur unter Anwendung qualifizierter Schweißanweisungen (WPS) hergestellt werden. Jede Schweißnaht muss zu 100 Prozent sichtgeprüft werden, ab EXC2 sind ergänzende zerstörungsfreie Prüfungen vorgeschrieben.

Schweißen als spezieller Prozess

Unter Schweißanweisungen (= Welding Procedure Specification – WPS) versteht man detaillierte Arbeitsanweisungen für den Schweißer. Üblicherweise wird die WPS durch den Anwender selbst erstellt, indem er eine Aufgabe schweißt und die geforderten Angaben notiert. Die WPS wird dadurch qualifiziert, dass bei Stahl bis S275 ein geprüfter Zusatzwerkstoff (etwa DB- oder TÜV-Zulassung) eingesetzt und bei höherwertigeren Stählen eine Verfahrensprüfung durchgeführt wird. Bei Stahl bis S355 können alternativ auch Schweißanweisungen anderer Stellen, wie Schweißgerätehersteller, benutzt werden, sofern diese als Standardschweißverfahren qualifiziert wurden. Solche universellen WPS haben bereits eine Verfahrensprüfung absolviert.

Bei einer Verfahrensprüfung wird im Beisein eines Prüfers die zu qualifizierende Schweißaufgabe nach einer vorläufigen Schweißanweisung durchgeführt und anschließend per zerstörungsfreier und zerstörender Prüfungen überprüft. Bei erfolgreicher Verfahrensprüfung erhält der Betrieb einen entsprechenden Prüfbericht, den sogenannten WPQR-Bericht (= Welding Procedure Qualification Record), der die Tauglichkeit in der Praxis bestätigt.

Pakete von Schweißgeräteherstellern sparen Zeit und Geld

Schweißstromquellen-Hersteller haben sich auf die neuen gesetzlichen Anforderungen an ihre Kunden eingestellt und bieten spezielle Pakete an, die die Einführung der Normenreihe für Schweißfachbetriebe erleichtern. Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass die Zertifizierungen für Standardschweißverfahren und somit auch der entsprechenden Schweißanweisungen auf andere Anwender übertragen werden können – wenn der Anwender das gleiche Schweißgerät, die gleichen Schweißparameter und die gleichen Schweißzusätze wie bei der bereits erfolgten Verfahrensprüfung verwendet. Diese Möglichkeit besteht bei Stumpf- und Kehlnähten sowie bei Blechdicken von 3 mm bis 25 mm und einer Streckgrenze bis 355 MPa (etwa S355).

Schweißgerätehersteller wie Rehm haben Schweißanweisungen zusammengestellt und diese durch Verfahrensprüfungen konform zur DIN EN 1090 zertifizieren lassen. Die vorgefertigten WPS sowie die akkreditierten WPQR-Berichte bieten sie als Paket ihren Kunden an. Die können sich so den zeitaufwendigen und teuren Zertifizierungsprozess für eigene qualifizierte Schweißanweisungen sparen. Denn die WPS-Sammlungen der Gerätehersteller decken bereits einen großen Teil betrieblicher Schweißaufgaben ab. Je umfangreicher eine solche Sammlung ist, desto mehr Zeit und Geld kann gespart werden.

Das Rehm-Handbuch ist besonders umfangreich. Es enthält für die Geräteserien Mega.Arc2 und Mega.Puls Focus 170 fertige Schweißanweisungen, zwölf WPQR-Berichte sowie 40 vorgefertigte WPS-Vorlagen. Durch diese WPS-Vordrucke ist es einfach, eigene Schweißanweisungen nach DIN EN 15610 ›Zugelassene Schweißzusatzwerkstoffe‹ zu ergänzen – ohne weitere Verfahrensprüfungen. Alle Rehm-Schweißanweisungen erfüllen die Anforderungen der DIN EN ISO 15612 und können bis Stahlgüte S355 für das manuelle Schweißen von Stahltragwerken in den EXC1 und EXC2 verwendet werden.

Die neue Norm DIN EN 1090

Ziel der DIN EN 1090 ist es, technische Handelshemmnisse innerhalb der EU abzubauen und gleiche Voraussetzungen für im europäischen Raum gehandelte Produkte zu schaffen.

Kern der DIN EN 1090 sind Einführung, Dokumentation und Aufrechterhaltung eines 0ualitätsmanagementsystems zur werkseigenen Produktionskontrolle (kurz WPK), das den gesamten Herstellungsprozess im Unternehmen erfasst: Einkauf, Wareneingang, Lagerwesen, Produktion und Montage sind demnach ebenso betroffen wie Qualitätssicherung, Verpackung und Auslieferung.

DIN EN 1090-1 regelt das CE-Konformitätsnachweisverfahren für tragende Bauteile. Sie verlangt außerdem den Nachweis, dass das Personal für die jeweilige Tätigkeit ausreichend qualifiziert und ausgebildet ist.

DIN EN 1090-2 enthält technische Regeln für die Herstellung von Stahltragwerken und ist Ersatz für DIN 18800-7.

DIN EN 1090-3 gilt für Aluminiumtragwerke und ist Ersatz für die bisherige DIN V 4113-3.

Gilt die Norm auch für CrNi? Grundsätzlich unterliegen Bauwerke aus Chromnickelstahl der DIN EN 1090. Gleichzeitig ist die bisherige Vorschrift Z-30.3-6 gültig.

Die wichtigsten Schritte

1.Informieren und Vorplanen: Muster-Handbuch organisieren/Seminar besuchen/Zertifizierungsstellen kontaktieren

2.Qualifizierung der Mitarbeiter: zum Beispiel Schweißerprüfungen absolvieren

3.Einführung werkseigener Produktionskontrolle (WPK): Konformitätsnachweise von Zulieferern anfordern; schriftliche Verfahrensanweisungen und Checklisten zur Überprüfung erstellen

4.Qualifizierung der Schweißprozesse: Schweißanweisungen und Verfahrensprüfungen

5.Zertifizierung und Überprüfung: einmalige Zertifizierung und regelmäßige Überprüfung

Erschienen in Ausgabe: 04/2014