Jensen würde auch Smørrebrød schneiden

Titel/Laserschneiden

Zwei Dinge müssen bei Arne Jensen schnell gehen: Laserschneiden und Fahren. Dafür setzt er zum einen den Spiegelschneidkopf von Trumpf, zum anderen eine superleichte KTM des Ex-Rennfahrers Kris Nissen ein.

17. Dezember 2010

AB Jensen hat eine für Job-Shops typische Geschichte. Arne Jensens Vater gründete 1957 das Unternehmen als Schlosserei und reparierte Landmaschinen. Weil Ersatzteile nicht immer verfügbar waren, begann AB Jensen mit der Produktion von Teilen für Mähdrescher. Inzwischen ist das Unternehmen zum reinen Blechverarbeiter geworden und schneidet, was sich schneiden lässt.

Jensen ist gewappnet. Zudem wünschen sich immer mehr Kunden eine zusätzliche Wertschöpfung, und so biegt und schweißt Jensen auch. Sowohl Trubend als auch Trulaser Cell sind nicht weniger ausgelastet als die Schneidanlagen.

›Direktør‹ (wie auf seiner Visitenkarte steht) Arne Jensen ist von Kindesbeinen an in der Werkstatt, jetzt in der Produktion zuhause. Auch dank dieser Kontinuität ist die Kundschaft ebenso zahlreich wie treu. »Von Schmuck bis Offshore« reichen die Abnehmer, und alle wollen sie schnell bedient sein. Rund 300 Blechqualitäten, zusammen zwischen 300 und 400 t, sind deshalb vorrätig. »Edelstahl läuft immer«, sagt Arne Jensen. Rund 60 Prozent des Volumens entfallen auf VA-Qualitäten.

Nach kleinen Anfängen hat das Unternehmen im dänischen Vojens 30 Mitarbeiter. Und jeder würde auf die Frage, was AB Jensen besser als andere Lohnfertiger mache, antworten: »Qualität und Liefertreue«. In diesem Punkt ist man sehr wertkonservativ.

Fünf Laserschneidanlagen in unterschiedlichen Leistungsklassen betreibt Jensen. Drei kommen von Trumpf, unter anderem eine Trulaser 7040 Fiber mit zwei parallel arbeitenden Schneidköpfen und 6-kW-Festkörperlaser Trudisk. Die neueste Maschine ersetzt das vorherige Modell der Trulaser 5030 nach vier Jahren Dauerlauf. 6 kW statt 5 kW – für Jensen zählt eben Leistung. Wie immer, wenn es um Schneidanlagen geht, war die Schneidgeschwindigkeit das Hauptargument.

Dass er einer der ersten Käufer einer Maschine mit Spiegelschneidkopf war, ruft beim Direktør keine Regung hervor. Aber hat ihn als ersten Anwender die neue Technik mehr Mut oder mehr Geld gekostet? »Auf jeden Fall keinen Mut«, denn ein Risiko habe er für die neue Technik nicht gesehen. »Dafür haben wir mit den Anlagen und Maschinen von Trumpf zu gute Erfahrungen gemacht.«

Seit Jahren habe man mit den Technikern und Entwicklern in Ditzingen über einen Schneidkopf ohne Linsen diskutiert. Bo Beermann, der den Kunden für Trumpf seit vielen Jahren betreut, erläutert, wie sehr dem Jobshopper das Thema auf den Nägeln brannte: »Das Thema der sensiblen Linse war Arne schon immer ein Dorn im Auge.«

Zunächst ist der Spiegelschneidkopf eine Option für die Highend-2D-Laserschneidanlage Trulaser 5030 in Verbindung mit dem CO2-Laser Truflow 6000. Der auch als Nachrüstung verfügbare Spiegelschneidkopf kann alternativ oder ergänzend zum Linsenschneidkopf auf derselben Maschine genutzt werden. Trumpf-Produktmanager Matthias Himmelsbach gewinnt beiden Köpfen spezifische Vorteile ab: »Es kommt auf die Applikation an, wel-cher Schneidkopf optimal eingesetzt wird: Mit dem Linsenschneidkopf erzielt man beim Highspeed-Schneiden sehr hohe Vorschübe. Bei Standardprozessen und bei anspruchsvollen Aufgaben erzielt man mit dem Spiegelschneidkopf zuverlässig reproduzierbar sehr gute Bearbeitungsergebnisse – mit minimalem Reinigungsaufwand und ohne Risiko.« Genau dieses Argument hat Arne Jensen überzeugt: sehr gute, reproduzierbare Schnitte erzielen zu können, ohne Gedanken an eine Linse verschwenden zu müssen.

Bedenken, dass der Spiegelkopf mit eingeschränkter Leistung gefahren werden muss, kann Norbert Häberle zerstreuen. Er hat nach über 15 Jahren im weltweiten Serviceeinsatz nun als Projektleiter in der Entwicklung den Spiegelschneidkopf mitentwickelt und ist Ansprechpartner für die Kunden: »Natürlich galt bei der Entwicklung die Prämisse, dass wir mit dem Spiegel die Leistungswerte erzielen wie mit der Linse.« Diese Leistungswerte fasst Trumpf in Tabellen zusammen, sodass der Bediener verlässliche Schneidparameter hat – in Dauerversuchen erprobte Grenzwerte.

Und was tut Kim Bram Felber? Er lässt die Maschine einfach schneller laufen. Oder er legt dickeres Blech auf. Mit rund zwanzig Jahren Erfahrung darf man schon etwas mutiger sein, auch wenn es die Maschine des Chefs ist. Bevorzugt schneidet er auf der Trulaser 5030 Baustahl und verzinktes Blech: »Gerade bei Baustahl in der von uns verarbeiteten Qualität haben wir stabilere Prozesse.« Bei Baustahl geht es mehr oder weniger regelmäßig über das Limit. Bei üblichem VA sind 30 mm Blechstärke für die 6-kW-Maschine ab Werk freigegeben. Felber fährt bereits 35 mm. Ein Risiko sieht er dabei nicht. »Man sieht und hört doch, wie die Maschine arbeitet«, meint er. Trumpf-Vertreter Beermann pflichtet ihm bei: »Bei Jensen habe ich mich daran gewöhnt, dass vieles anders, aber alles gut gemacht wird.« Wenn die normalerweise dreischichtig belegte Maschine gerade für zehn Minuten frei ist und Felber Grenzen ausloten will, lässt er die Maschine eben ein bisschen langsamer fahren. Zumindest beginnt er langsamer. Sind die Schneidparameter erst einmal ermittelt, kann es extrem schnell werden.

Grenzwerte zur minimalen Blechstärke sieht Felber allenfalls als Empfehlung. So beginnt laut Handbuch der Standardbereich für Aluminium bei 1 mm Blechdicke. Bei AB Jensen ist man schon länger bei 0,5 mm. Bei großen Teilen, wenn also die Maschine ihre Beschleunigung voll ausspielen kann, werden Schnittgeschwindigkeiten bis 110 m/min erzielt.

Der extreme Einsatz hinterlässt seine Wirkung auf der Linse, und entweder gibt man sich mit nachlassender Qualität oder reduzierter Geschwindigkeit zufrieden – aber welcher Kunde tut das schon – oder man unterzieht die Linsen einer regelmäßigen, aufwendigen Reinigung. Auf 90 Prozent beziffert Trumpf die Einsparung für das Reinigen des Spiegelkopfes. Himmelsbach: »Hinzu kommt ein deutlich geringerer Verschleiß, so dass die Kosten dafür im Schnitt 40 Prozent niedriger liegen.«

Minimaler Wartungsaufwand

Kurze Reinigungsstopps und einfache Wartung machen den Spiegelkopf hochinteressant. Mehr oder weniger unbekannte Materialien, für die keine exakten Standardparameter vorliegen, bergen die Gefahr, bei den ersten Schnitten übermäßig viele Spritzer auf der Schneidoptik zu hinterlassen. Im Jensen-Werkzeugschrank neben der Maschine liegt daher ein Reinigungsset für den Betrieb mit Linsenschneidkopf bereit. Die Linse muss bei Dauerbelastung mit einem 6-kW-Laser nach etwa 24 Stunden gereinigt werden. Bei Versuchen mit neuen Materialien kann sie noch schneller verschmutzen. Möglicherweise ergibt sich durch Spritzer oder verdampftes Material ein sogenannter ›Fokus Shift‹ der Linse, der zu nachlassender Qualität führt. Der gehört beim Spiegelschneidkopf der Vergangenheit an. Außerdem verlängern sich die Reinigungsintervalle auf bis zu 240 Betriebsstunden. Das reduziert die Kosten und freut die Bediener, die lieber schneiden als putzen.

Der Ausbau des Kopfes geht blitzschnell. Handelsübliches Werkzeug reicht aus. Also Kopf raus, Kühlwasser raus; mit einem speziellen Reinigungsmittel und Wattepads ist der Spiegel schnell gereinigt. Dauert nicht viel länger, als eine Brille zu putzen. Eine vom Linsenwechsel bekannte, lästige Pflichtübung entfällt: das Justieren der Düsenmittigkeit. Exakte Anschläge halten den Spiegel in der korrekten Position.

Wann eine Reinigung nötig ist, lässt sich kaum planen. Mit dem Spiegelschneidkopf in diesem Punkt flexibler zu sein und mehr Freiheiten zu haben, kann für einen Jobshop schon ein gewichtiges Argument sein. Nicht täglich, aber immer wieder kommen bei AB Jensen Kunden vorbei, die ein Teil ganz dringend brauchen und auf das fertige Stück warten. Das lässt auf die Dauer keine ausgewogene Produktionsplanung zu, ist für den Lohnschneider jedoch Teil des Wettbewerbes. Neben anderen Faktoren ist es für Jensen also entscheidend, über zuverlässige Maschinen wettbewerbsfähige Preise kalkulieren zu können.

Und schließlich meint Felber: »Mit verschmutztem Spiegel schneiden wir immer noch besser als mit verschmutzter Linse.« Für ihn, der für die Schneidanlagen auch die Programme macht, hat der Spiegelkopf noch einen weiteren Vorteil: »Der Schneidstrahl ist stabiler und man muss nicht so viele Parameter anpassen. Das Prozessfenster ist breiter.« Dem Kunden sei es ja egal, ob er seine Teile mit Linsen- oder Spiegelkopf geschnitten bekomme. Einzig die Qualität sei ausschlaggebend. Aber: Läuft die Maschine schnell und problemlos rund um die Uhr, sind die Teile bei gleich bleibender Qualität günstiger. So kommen auch mehr Betriebsstunden pro Schicht zusammen.

Ach so: Natürlich gilt in Dänemark ein Tempolimit – nicht jedoch auf abgesperrten Strecken. Entweder lässt Arne Jensen seine Lasermaschine neue Rekorde aufstellen oder er feiert mit seinem 1000-PS-Toyota auf der Viertelmeile Beschleunigungsorgien. Wenn er nicht gerade auf seiner raren Red-Bull-KTM über einen Cross-Parcours pflügt.

Erschienen in Ausgabe: 06/2010