Jede Minute zählt

Fokus/Laserschneiden

Jobshopper haben’s schwer: Wettbewerber und potenzielle Kunden rechnen auf Cent-Bruchteile genau. Geld lässt sich nur verdienen, wenn man günstiger produzieren oder überlegene Qualität bieten kann – am besten beides zugleich.

10. Februar 2014

Wer sich ein wenig in der Geschichte der jungen Bundesrepublik auskennt, weiß, dass Bad Honnef am Rhein (nicht zu verwechseln mit dem weiter nördlich liegenden Hennef an der Sieg) zu ihren entscheidenden Orten gehört, denn ohne Bad Honnef hätte es, wie ein Blick auf die Landkarte zeigt, nie eine ›Bonner Republik‹ gegeben. Zu Bad Honnef gehört nämlich Rhöndorf, der Wohnort des ›Alten‹, also nicht des Kriminalisten, sondern des ersten Bundeskanzlers, und dem war Frankfurt zu abgelegen. Bad Godesberg dagegen, quasi schräg gegenüber, lag sehr zentral – für einen Rhöndorfer.

Wenige Kilometer östlich des geschichtsträchtigen Rhöndorf liegt Rottbitze, inzwischen auch zu Bad Honnef gehörend. Dort, in den westlichen Ausläufern des Westerwaldes, hat die Wilsberg Metalltechnik GmbH ihren Sitz, die ebenfalls nichts mit Kriminalistik zu tun hat, sondern, wie die Firma besagt, mit Metalltechnik, und zwar – wenn man das Schwesterunternehmen WWW Zerspanung GmbH einbezieht – in einem sehr umfassenden Sinne: Laserschneiden, Wasserstrahlschneiden, CNC-Stanzen und CNC-Abkanten auf der einen, Drehen, Bohren, Fräsen und Schleifen auf der anderen Seite.

Der Konkurrenz voraus mit CO2-Laser

Die Wilsberg Metalltechnik wurde 2000 gegründet und machte sich sehr schnell einen guten Namen, denn man hat, wie Geschäftsführer Hans Werner Wilsberg betont, immer in die neueste und beste Technik investiert. Im Falle Wasserstrahl- und Laserschneiden setzen die Brüder Wilsberg meist auf Maschinen von Bystronic – nicht aus Gewohnheit, sondern weil die Anlagen aus Niederönz in der Schweiz das harte und umfangreiche Testverfahren bisher am besten überstanden haben. Deshalb hat Wilsberg Mitte 2013 auch wieder eine – inzwischen die fünfte in der kurzen Geschichte des Unternehmens – Bystronic-Laserschneidmaschine in Betrieb genommen, und zwar die auf der Euroblech 2012 erstmals vorgestellte Byautonom 3015 mit 6-KW-CO2-Laser.

Doch bleiben wir, bevor wir näher auf die Maschine eingehen, noch kurz bei der Wilsberg Metalltechnik mit ihren 35 Mitarbeitern, von denen 25 direkt in der Fertigung tätig und vier mit Konstruieren und Programmieren beschäftigt sind: Verarbeitet werden Baustahl (meist St 52 und St 37 nach alter Bezeichnung) mit Blechdicken vor allem um 20 mm, Edelstahl der Sorten 1.4301, 1.4571 und – dahin geht der Trend – 1.4404 mit Schwerpunkt 2 mm sowie Bunt- und Leichtmetalle. »NE-Metalle sowie Stahl und Edelstahl bis 4 mm schneiden wir mit dem Festkörperlaser, den Rest mit dem CO2-Laser.«

Der Kundenkreis umfasst den gesamten Maschinenbau, so dass Hans Werner Wilsberg nur die wichtigsten Branchen nennt: »Wir stellen unter anderem Produkte für die Medizintechnik her, etwa für Anlagen zur Blutwäsche, aber auch Gehäuse für Industriecomputer. Wir beliefern Hersteller von Baumaschinen, aber auch Fassadenbauer oder Handwerker, die sich beispielsweise Teile für Treppen von uns machen lassen.« Denn: Jede Trepp’ ist anders – oder so ähnlich heißt es bekanntlich auf der anderen Seite des Rheins.

Mit mehr Laserleistung geht es weit schneller

Wer allerdings glaubt, Wilsberg Metalltechnik sei auf Einzelfertigung und Kleinserien spezialisiert, irrt: 5000 oder gar 10000 gleiche Teile sind auch auf der Laseranlage keine seltene Ausnahme. Außerdem kann Wilsberg ja auch stanzen. Meist sind die Serien, die mit dem Laser geschnitten werden, aber kleiner – auch wenn die Byautonom sehr flott ist und durchaus ›richtig Meter machen‹ kann. Das verdankt sie vor allem dem 6-KW-Laser, »der schon mehr wegschafft als der der Vorgängerin, eine Bystar 3015 mit 4,4 KW«.

Von dieser Vorgängerin schwärmt aber Wilsberg dennoch: »Das war schon eine Supermaschine. Deshalb hat uns Bystronic gerne die Rücknahme angeboten, während wir die meisten anderen Maschinen an Händler geben«, betont Hans Werner Wilsberg. »Unseren Ansprüchen, immer die neueste, effizienteste Technik einzusetzen, hat die alte Anlage halt nicht mehr gereicht.«

Zukunftssichere Antriebe nützen den starken Laser

Die Byautonom mit ihren Linearantrieben und Torque-Motoren dagegen weist in die Zukunft. Deren enormes Beschleunigungsvermögen und Kraft im Verbund mit der hohen Steifigkeit von Maschinenbett und Leichtbaubrücke ermöglichen erst, den starken Laser wirklich auszunutzen – wenn er läuft und nicht auf den nächsten Auftrag wartet. Damit der Laser möglichst ohne Unterbrechung schneidet, setzte Bystronic bei der Konstruktion der Byautonom auf Maßnahmen, die die Nebenzeiten minimieren - für einen Jobshopper mit ständig wechselnden Aufträgen und einem entsprechend hohen Nebenzeitenanteil extrem wichtig.

Höchste Verfügbarkeit

Zur schnellen Umstellung trägt zum Beispiel die gute Zugänglichkeit bei, die Hans Werner Wilsberg sehr schätzt: »Der Bediener kommt im Stehen dran – auch von der Seite – und muss nicht in die Maschine hineinkriechen.« Das ist aber nur ein Vorteil von vielen. Auch andere Einrichtungen der Byautonom überzeugen bei Wilsberg.

»Am wichtigsten – neben der höheren Schneidleistung – ist für uns der automatische Wechsel der Schneiddüsen, ihre Zentrierung sowie der ebenfalls automatische Linsenkassettenwechsel«, erklärt Hans Werner Wilsberg. »Da ist bisher viel Zeit liegengeblieben. Gegenüber der Vorgängermaschine konnten wir alleine durch diese automatischen Wechsel die Hauptzeiten um fast zehn Prozent erhöhen. Das war für uns ein entscheidender Gesichtspunkt, denn sonst hätte sich die Investition vielleicht nicht gelohnt.«

Sollte es einmal zu einer Kollision zwischen Schneiddüse und Blechteil kommen, erkennt dies die Maschine, stoppt, fährt selbständig in die Zentrierstation, prüft die Schneiddüse und zentriert sie neu. Außerdem merkt sich die Steuerung, wo der Crash stattgefunden hat, und umgeht diesen Bereich in der weiteren Bearbeitung. ›Collision Detection‹ heißt dieses Ausstattungsmerkmal.

Einfache Bedienung und Programmierung

Die Programmierung der Byautonom erfolgt parallel im Büro. Wilsberg testet gerade ›Bysoft 7‹, eine modular aufgebaute 2D- und 3D-CAD-CAM-Software mit weitreichenden Funktionen zur Planung und Überwachung der Fertigungsprozesse. Das Programm bietet einen großen Funktionsumfang und ist dennoch einfach zu bedienen. Mit Bysoft 7 konstruiere der Anwender schnell und bequem passgenaue Teile und erstelle auf Knopfdruck Schneidpläne sowie Biegeprogramme, so Bystronic in der Produktbeschreibung. »Meine Leute sind begeistert von der leichten Bedienung, besonders aber vom extrem schnellen Nesting«, bestätigt Hans Werner Wilsberg und fügt augenzwinkernd an: »Auch wenn sie deswegen auf den einen oder anderen Kaffee verzichten müssen.«

Perfekter Überblick

Außerdem werden Fertigungsprozesse von Bysoft 7 effizient geplant und überwacht. So behalten die Produktionsverantwortlichen stets den Überblick, und die Aufträge werden schnell und günstig erledigt.

Sollte der Bediener noch Optimierungspotenzial erkennen, kann er an der Maschine in die Steuerung eingreifen. »Er muss sich halt trauen«, lächelt Hans Werner Wilsberg. Damit sich die – durch die Bank angelernten – Mitarbeiter trauen, ließ er Bystronic eine dreitägige Schulung durchführen. Das genügte: »Zum einen haben unsere Leute Erfahrung, zum anderen sind Bedienung und Programmierung sehr einfach. Auch das war für die Entscheidung wesentlich.« Nur wenige Eingaben sind für einen neuen Auftrag nötig, denn alle wichtigen Parameter sind in einer Datenbank hinterlegt.

Minimale Zwangspausen

Vermeidbare Stillstände verhindern auch der ›Condition Messenger‹ und der ›Maintenance Messenger‹, die rechtzeitig auf akute beziehungsweise reguläre Wartungsmaßnahmen hinweisen, die folglich auch rechtzeitig eingeplant werden können. Damit der Zustand der Maschine sofort erkannt werden kann, zeigt ihn der Condition Messenger grafisch an. Eine Routinewartung der Byautonom, schätzt Wilsberg, wird ein bis zweimal pro Jahr anstehen.

Und wenn doch einmal unerwartet etwas schiefgeht? »Der Service von Bystronic ist sehr zuverlässig und reagiert schnell und individuell. Das ist für ein so großes Unternehmen, das zu den Weltmarktführern gehört, ganz erstaunlich. Die Servicemitarbeiter von Bystronic gehen sofort auf unsere Situation und unsere Wünsche ein. Wenn wir spätnachmittags ein Problem haben und ein Ersatzteil benötigen, ist es in der Regel am nächsten Morgen da, per Bahn und Auto. Das ist für uns sehr wichtig und war ein weiterer Pluspunkt für Bystronic, denn jede Minute zählt für uns.«

Schnell amortisiert

Das gilt vor allem in den ersten Monaten des Einsatzes einer neuen Maschine, denn nur in dieser Phase, wenn ein Produzent besser ausgestattet ist als seine Wettbewerber, lässt sich Geld verdienen, kann man die Investition hereinholen. Vorausgesetzt, es sind genügend Aufträge da, um auch die neue, leistungsfähigere Maschine für die von Wilsberg geplanten zwei Schichten pro Tag auszulasten. Aber damit hat man in Bad Honnef kein Problem.

Hans-Georg Schätzl

Hintergrund

Bystronic entwickelt Systeme für die Blechbearbeitung. Hauptsitz ist Niederönz (Schweiz). Weitere Entwicklungs- und Produktionsstandorte befinden sich in Gotha (Deutschland) und in Tianjin (China). In rund 30 Ländern auf vier Kontinenten ist Bystronic mit eigenen Verkaufs- und Servicegesellschaften aktiv und in zahlreichen weiteren Ländern mit Agenten vertreten. Seit 1994 gehört Bystronic zur Schweizer Industrieholding Conzzeta. In Niederönz baut Bystronic Laser- und Wasserstrahlschneidanlagen, in Gotha Abkantpressen und in Tianjin Laserschneidanlagen und Abkantpressen, die auf die Bedürfnisse des asiatischen Markts zugeschnitten sind. Komponenten, die für die Leistung der Systeme entscheidend sind, entwickelt Bystronic selber oder zusammen mit ausgewählten Partnern – etwa Steuerungen, Laserstrahlquellen oder Hochdruckpumpen.

Erschienen in Ausgabe: 01/2014