Ist Widerstandsschweißen wirtschaftlicher?

Welches Schweißverfahren im Automobilbau ist wirtschaftlicher, Widerstands- oder Laserschweißen? Dalex-Chef Dr. Walther Spies und Trumpf-Laser-Chef Peter Leibinger geben ihre Antworten.

23. März 2005

+ Wirtschaftlichkeit zählt traditionell zu den Stärken von Widerstandsschweißen. Nicht umsonst steht diese Technik ganz oben auf der Liste der im Automobilbau bevorzugten Fügeverfahren. Zum Einsatz kommen bewährte Komponenten, die technisch ausgereift und preiswert qualitativ hochwertige Schweißverbindungen liefern. Keine Branche, insbesondere Automotive nicht, ist ›widerstandslos‹. Es ist ein extrem flexibles Verfahren mit hohem oder niedrigem Automatisierungsgrad je nach Stückzahl, Lohnkostenumfeld und Schlankheitsgrad einer Produktion. Toleranzen bei den Bauteilen sind unproblematisch: die kraftgeregelte Kontaktierung per Elektroden sorgt für Spaltfreiheit und die gewünschte Schweißqualität. Moderne Regelungstechnik in Verbindung mit Spezial-Servomotoren eröffnet dem Verfahren heute völlig neue Anwendungsfelder: Lösbar sind Dinge wie Prellschlagfreiheit und das Schweißen schwierigster Materialkombinationen bei geringerer Netzbelastung. Prozeßsicherheit ergibt sich durch die Überwachung des Schweißpunktes in Echtzeit, die noch beim Schweißen Korrekturen zuläßt, teure Nacharbeiten überflüssig macht und den Schweißpunkt garantiert. Kein Wunder, daß in der Szene mittlerweile das Schlagwort vom ›Entlasern‹ die Runde macht!

- Ohne die möglichen Vorteile in der Konstruktion zu berücksichtigen, läßt sich ein Vergleich der Wirtschaftlichkeit der Fügeverfahren nicht anstellen. Beim Laserschweißen können statt punktförmiger Verbindungen Nähte mit beliebiger Geometrie ausgeführt werden. Mit weniger Fügestellen läßt sich so eine höhere Steifigkeit erzielen. Ebenso wichtig: Beim Laserschweißprozeß ist kein beidseitiger Zugang zu den Fügepartnern erforderlich. Dies ermöglicht unter anderem die Konstruktion stabiler Profilbauweisen, die Reduktion der Blechdicke bei gleicher Steifigkeit sowie schmalere Flansche. Für das Laserschweißen spricht auch die hohe Produktivität. Insbesondere das Remote-Laserschweißen steigert die Produktivität um ein Vielfaches. In der Fertigung großer Stückzahlen reduziert dies die Anzahl der benötigten Anlagen und die Produktionsfläche. Dies führt zur ausgezeichneten Wirtschaftlichkeit des Verfahrens.

Ferner tritt in der laufenden Produktion beim berührungslosen Schweißen mit Laserlicht kein Werkzeugverschleiß auf. Dies spart Kosten und Zeit und führt zu einer gleichbleibenden Qualität über den gesamten Fertigungszeitraum. Für die Gesamtbewertung der Wirtschaftlichkeit sind also die Anforderungen und Rahmenbedingungen der Anwendung entscheidend.

Erschienen in Ausgabe: 01/2005