Investitionen in die Zukunft

Fokus/Handel

Als partnerschaftliches Unternehmen wurde 2007 von den Unternehmen Weyland, Jepsen Stahl und H-Metall die SLC Stahl Logistik Center GmbH gegründet. In der SLC vereinen sich Stahlbeschaffung und -weiterverarbeitung in einer für Europa einzigartigen Form.

13. Februar 2017
SLC im Donauhafen Lobau bei Wien. Bildquelle: SLC Stahl Logistik Center GmbH
Bild 1: Investitionen in die Zukunft (SLC im Donauhafen Lobau bei Wien. Bildquelle: SLC Stahl Logistik Center GmbH)

Das SLC ist nicht nur ein Stahl Logistik Center, sondern auch ein Stahl Service Center, in dem sämtliche Baustahlgüten bis hin zu hochfesten Stahlwerkstoffen verarbeitet werden. Warmgewalzte Stähle können auf eine Länge bis 18 Meter zurechtgeschnitten werden. Mit dieser Besonderheit besitzen die Partnerunternehmen in Zentraleuropa nach eigener Einschätzung ein Alleinstellungsmerkmal am Markt. Jährlich produziert das SLC zirka 120.000 Tonnen Stahl. Der Standort des Unternehmens liegt am Wiener Donauhafen auf einer Gesamtfläche von 20.000 Quadratmetern mit Gleisanschluss. Somit können sämtliche Lieferungen auf dem Wasser, über die Straße und mit der Bahn in das SLC gelangen, dort bearbeitet und anschließend zum Kunden weitertransportiert werden.

Nur geprüfte Stahlgüten werden bearbeitet und versandt

Der Produktionsprozess im SLC wird streng auf Qualität geprüft und überwacht. So werden nach Eingang des Materials zunächst Lieferschein und Etikett verglichen und anschließend mit einer eigenen SLC-ID gekennzeichnet. Danach überprüft ein Produktscanner die Qualitätsmerkmale der Coils gemäß der eigenen, vom Qualitätsmanagement festgelegten Vorgaben. Erst nachdem das Material freigegeben ist, wird es im ERP-System eingelagert. Dort erfolgt dann die Produktionsvorbereitung.

Während Einlauf-, Haupt- und Auslaufbediener dafür sorgen, dass das Produkt mit dem Produktionsplan übereinstimmt und das Paket sauber gestapelt wird, wird zeitgleich im PDA-System eine automatische Qualitätsaufzeichnung vorgenommen. Die fertigen Pakete werden per Kran zur Kommissionierung geliefert und dort auf Beschädigung kontrolliert. Bei der anschließenden LKW-Beladung werden Paketanzahl, Gewicht und Ladesicherung geprüft.

Eine zukunftweisende Richtanlage für Warmbreitband

Die SLC Stahl Logistik Center GmbH und der italienische Hersteller von Metallband-Schneidemaschinen FIMI s.p.a. (Fimi) präsentierten auf der Euroblech im Oktober 2016 eine der in Zentraleuropa technologisch führenden Richtanlagen für Warmbreitband. Das Besondere an dieser Anlage: Bei der Ebenheit wird der vorgegebene Wert der EN10051 um 80 Prozent unterschritten. Engste Toleranzen in der Ebenheit und der Länge werden garantiert. Zusätzlich werden die Richtergebnisse (Spannungsarmut) im Profil (Querschnitt) des Bleches bis fünf Millimeter Blechstärke und > 1.200 Millimeter Breite deutlich verbessert.

Der zuständige technische Direktor bei Fimi, Giulio Magnani, meint: »Die Anlage in Wien ist in ihrer Art einmalig. Wir werden auch in Zukunft immer wieder verbesserte Detaillösungen hinzufügen, um die Qualität, die Produktivität, die Zuverlässigkeit und die Betriebsbereitschaft der Maschine zu verbessern.«

Seit seiner Gründung ist das SLC Kunde der italienischen FIMI (Fabbrica Impiani Macchine Industriali). Fimi ist einer der international führenden Hersteller von Anlagen zum Schneiden von Metallbändern. Das Produktportfolio umfasst unter anderem Längs- und Querteilanlagen, Verpackungsanlagen für Spaltband, Aufwickel-, Besäum- und Prüfanlagen sowie die Entwicklung der dazugehörigen Automatisierung.

Die Zusammenarbeit mit der Fimi begann mit der Bestellung einer Längsteilanlage. Daraus entwickelte sich unter der Federführung des SLC-Geschäftsführers Rupert Hartl eine kontinuierliche und fruchtbare, für beide Seiten gewinnbringende Zusammenarbeit, die bis zum heutigen Tage andauert.

Hans Georg Diederichs Fachjournalist aus Grevenbroich

Die im SLC vereinten Partnerunternehmen

Jepsen Stahl: Das Stahlunternehmen wurde 1983 in Regensburg gegründet, der Sitz wurde später nach Nitteldorf verlegt. In den ersten Jahren umfasste das Kerngeschäft von Jepsen Stahl den Handel mit Walzstahlerzeugnissen aus Polen und der ehemaligen Tschechoslowakei. Die Bezugsquellen und Verkaufsgebiete haben sich mittlerweile deutlich ausgeweitet, das Material wird weltweit bezogen, der Schwerpunkt liegt aber immer noch bei den langjährigen, zentraleuropäischen Partnern. Das Produktportfolio umfasst neben Warmbändern auch Quarto-Bleche. Jepsen beliefert Kunden aus dem Fahrzeug-, Maschinen-, Brücken-, Stahlhoch- und Behälterbau. www.jepsen-stahl.at

H-Metall: Das Unternehmen wurde 2002 in Wien gegründet. Durch den Aufbau der SLC mit Sitz im Wiener Donauhafen Lobau und dem Einsatz eines ganz neuen Maschinenparks konnten das Angebot und der Vertrieb von warmgewalzten Blechen erweitert werden, um somit die Kunden in Europa und Osteuropa bestmöglich zu versorgen. Zusätzlich zu den Produkten aus dem Stahl-Service-Center gehört ein Anarbeitungs-Center zum Portfolio von H-Metall. Hier werden mit einem hochwertigen Maschinenpark auf internationalem Niveau Metallkonstruktionen hergestellt. Es werden größtenteils warmgewalzte Bleche und Quartobleche durch Laser- oder Plasmamaschinen verarbeitet, geschweißt und lackiert und an Landmaschinen-, Kamin-, Baumaschinen-, Kran- und Bergbaumaschinenhersteller geliefert. www.h-metall.at

Weyland: Die oberösterreichische Weyland GmbH wurde 1833 gegründet und gilt als erfolgreiches Familienunternehmen im Großhandel mit Sitz in Schärding am Inn. Das Unternehmen vertreibt Stahl und Bewehrung, Holzwerkstoffe und Zimmereibedarf. Das Tochterunternehmen Weyland Steiner, das 2016 mit der Weyland Gruppe zusammengeführt wurde, bietet zusätzlich Produkte aus den Bereichen Bauwaren und Befestigungstechnik, Beschläge, Haus und Saisonartikel sowie Elektrogeräte. Die Weyland Gruppe beschäftigt gesamt 75 Mitarbeiter und verzeichnete im Jahre 2015 einen Umsatz von 370 Millionen Euro.

SLC-PartnerUnternehmen Weyland GmbH bündelt seine Aktivitäten

Nach knapp 200 Jahren erfolgreicher Arbeit hat sich das bis heute familiengeführte Unternehmen Weyland entschlossen, einen weiteren Schritt zu mehr Transparenz für seine Kunden und Zulieferer zu tun. Dazu sprach bbr mit den beiden Geschäftsführern Norbert Thumfart und Otto Weyland jr.

Interview Mit Rupert Hartl, SLC

Wie kam die Kooperation zwischen SLC und der FIMI s.p.a. zustande?

Nach zirka zwei bis drei Jahren Produktion und ausgewerteten Erkenntnissen durch SLC wurde Fimi kontaktiert, um gemeinsam ein Konzept zur Verbesserung der Richtqualität und Spannungsreduktion zu entwickeln.

Aufgrund der Erfahrung und Entwicklungen von Fimi, speziell im Hochfestbereich jenseits S700, die zwischen den Jahren 2008 und 2011 erfolgten, wurde bei SLC ein Konzept zur Verbesserung erstellt. In der Umsetzung des Erstkonzeptes wurde zusätzlich Potenzial zur Weiterentwicklung beider Unternehmen besprochen.

Die Miteigentümer Jepsen Stahl in Deutschland, die Kontakte zur Entwicklungsabteilung eines namhaften deutschen Stahlherstellers pflegt, organisierte einen Schneidversuch bei SLC mit Fimi im Streckgrenzbereich über 1.000N/mm². Im Zuge dieses Versuches wurde der Grundstein für die technische Zusammenarbeit gelegt.

Wie lange arbeiten Sie bereits mit Fimi zusammen?

Die Richtanlage von Fimi wurde 2008 von Fimi und SLC am Standort Wien in Betrieb genommen. Die Inbetriebnahme erfolgte auf Basis der beiderseitigen Erfahrungen im Zwei-Maschinen-Betrieb, VRM und entsprechende Feinrichtmaschine, vorgewählt zu den entsprechenden Blechdicken und Blechbreiten.

Was gab den Ausschlag für die Entwicklung der neuen Richtanlage?

Neue Richtanlage ist nur bedingt korrekt. Kontinuierliche Verbesserung der Anlage und der Anlagenbetriebsarten, um die von SLC angestrebten Richtergebnisse (Spannungsarmut) zu erzielen, beschreibt die Lage genauer.

Was genau ist anders an der Richtanlage im Vergleich zu früheren Modellen?

Die Anlage wird in mehreren Betriebsarten und Maschinenkombinationen betrieben. Je nach den Erfahrungen und Erfordernissen des zu richtenden Materials werden die drei Richtmaschinen kombiniert. VRM– FRM1– FRM2, VRM– VRM1– FRM2 oder im Zwei-Richtmaschinen-Betrieb VRM– FRM, das heißt eine Vorrichtmaschine (VRM) und eine Feinrichtmaschine (FRM).

Definieren Sie bitte, was der an anderer Stelle erwähnte »geschlossene Kreislauf in der technologischen Zusammenarbeit« ist.

Kurz gesagt: SLC zeichnet Erkenntnisse auf, übermittelt diese an Fimi, Fimi analysiert. Danach erfolgt eine gemeinsame Festlegung der Maßnahme und ein Test, der protokolliert und gemeinsam ausgewertet wird. Fimi kann bei Bedarf auf Daten von SLC zugreifen, diese online nach SLC-Freigabe abrufen und auswerten. Fimi kann auch neue Entwicklungen bei SLC erproben.

Werden diese neuen Richtanlagen ausschließlich bei der SLC eingesetzt oder exportiert Fimi die Anlagen auch in andere Länder?

Grundsätzlich sind die Anlagen von Fimi weltweit eingesetzt. Die Anlagen werden jedoch weitgehend den unterschiedlichen Erfordernissen der Betriebe angepasst.

Sie sagen, dass die neue Feinrichtanlage in mehreren Schritten aufgerüstet wurde. Von welchem Zeitraum sprechen wir?

Wir arbeiten daran seit dem Jahre 2012. Somit ist diese Richtanlage das Ergebnis einer kontinuierlichen Weiterentwicklung.

»Wir haben die Unternehmen nach Ihrem strategischen Bereichen zusammengefügt und neu geordnet. Als erstes führten wir den Eisenwarenhandel von Steiner und Weyland in der Weyland Steiner HWI zusammen. Als nächstes führten wir den Stahlhandel von Weyland Steiner in der Weyland GmbH zusammen. Noch in diesem Jahr wird Eberhard Stahl hinzukommen. Damit treten wir als ein Unternehmen im Stahlhandel auf. Unser tschechisches Lager haben wir von Daniferra in Uhersky Prod übernommen. Von hier werden wir zukünftig Profile und nahtlose Rohre und nahtlose Hohlprofile in Mitteleuropa anbieten. Die Lage ist ideal, da wir von dort aus unser Verkaufsgebiet Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Österreich, Süddeutschland und Kroatien leicht beliefern können. Zu unserem Rohrportfolio gehören Hohlprofile nach EN12019/10210, wobei wir eine noch stärkere Marktdurchdringung bei den warmgefertigten Hohlprofilen EN10210 in rund und vierkant anstreben sowie bei geschweißten Stahlrohren nach EN10219/10217. Wir werden unser Lagerprogramm im Bereich nahtloser Stahlrohre nach EN10210/10216, doppelt zertifiziert sowie geschweißte Stahlrohre nach EN10219/10217, doppelt zertifiziert, massiv ausweiten«, erklärt Norbert Thumfart.

Otto Weyland jr. fügt hinzu: »Nach erfolgter Umorganisation und des von Herrn Thumfart bereits erwähnten geplanten Wachstums, werden wir neue Arbeitsplätze schaffen und mehr Personal einstellen. Das Lager in Tschechien mit einer Halle von 25.000 Quadratmetern und einer Gesamtfläche von 50.000 Quadratmetern wird personalintensiver. Abgesehen davon planen wir im Anarbeitungsbereich weitere Unternehmensakquisitionen, um das Angebot für unsere Kunden zu vervollständigen bzw. ihnen noch mehr Service bieten zu können.«

Abschließend versichert Norbert Thumfart: »Unser Material werden wir auch in Zukunft weiterhin ausschließlich aus Europa beziehen. Asiatische Stähle sind für uns keine Option.«

Erschienen in Ausgabe: 01/2017