Intuitives Führen

Technik

Gute Programmier- und Geometriekenntnisse waren bisher oft Voraussetzung für die Programmierung von Roboterbahnen. Es geht aber viel einfacher, nämlich manuell und intuitiv: mit einem nachrüstbaren Roboter-Navigator.

30. Mai 2017
Mit dem nachrüstbaren Navigator der Very Important Product Maschinenvertriebs GmbH kann der Bediener jeden Kuka-Roboter in Verbindung mit der Steuerung KR C4 von Hand bewegen. Die dazu bereitgestellte Software erfasst dabei einzelne Punkte oder Aufzeichnungen von ganzen Bahnbewegungen. Bildquelle: Kuka
Bild 1: Intuitives Führen (Mit dem nachrüstbaren Navigator der Very Important Product Maschinenvertriebs GmbH kann der Bediener jeden Kuka-Roboter in Verbindung mit der Steuerung KR C4 von Hand bewegen. Die dazu bereitgestellte Software erfasst dabei einzelne Punkte oder Aufzeichnungen von ganzen Bahnbewegungen. Bildquelle: Kuka)

Die im Jahre 1994 gegründete Very Important Product Maschinenvertriebs GmbH (VIP) gilt als Spezialist im Bereich Sondermaschinenbau. Durch jahrelange Erfahrung und Expertise deckt der deutsche Mittelständler ein breites Spektrum an unterschiedlichsten Technologien ab. Die Maschinen des Unternehmens verarbeiten Teile verschiedenster Ansprüche und Größen von Kleinst- und Mikrobauteilen aus der Medizintechnik bis hin zu Bauteilen mit Massen über 150 Kilogramm aus der Automobilbranche. Als kompetenter Partner für den Sondermaschinenbau entwickelt und produziert VIP nach individuellen Kundenwünschen. Eine der neuesten Entwicklungen aus dem Hause VIP: ein Roboter-Navigator, mit dem Kuka-Roboter ohne Vorwissen einfach und intuitiv mit der Hand im Raum geführt werden können.

Ohne Vorkenntnisse

Industrieroboter über die Richtungstasten am Bediengerät richtig zu bewegen, erfordert normalerweise vom Werker Fachwissen, räumliche Vorstellungskraft und Übung. Der Bediener muss nicht nur die Orientierung des Roboters im Raum eindeutig kennen, sondern auch die zwölf Fahrtasten, bestehend aus drei Bewegungsachsen und drei Rotationsachsen sowie jeweils die Plus- und Minusrichtung. Aufgrund dessen begann Kuka vor einigen Jahren, selbst eine kabelgebundene Lösung zum einfachen Roboterführen zu entwickeln. Die ›6D-Maus‹ wurde mittels Magnet an dem Werkzeugflansch des Roboters befestigt. Durch ein steckbares Kabel wurden Signale vom Roboter zum Steuerungspad übertragen. Das vereinfachte das Einfahren, Teachen und Verfahren von Achsen erheblich für den Nutzer. Mit VIP konnte diese Technologie weitergeführt und drahtlos, per Funk, für die KRC-4-Steuerung verfügbar gemacht werden. Der Roboter-Navigator VIP erfordert kein Vorwissen und das System ist ohne Aufwand an allen bestehenden Kuka-Robotersystemen nachgerüstbar.

Intuitive Führung mit der Hand

»Mit unserem Navigator kann der Bediener jeden Kuka-Roboter in Verbindung mit der KR-C4-Steuerung von Hand bewegen«, erklärt Alexander Kuhn, geschäftsführender Gesellschafter der VIP GmbH. »Zudem ist es möglich, schnell und einfach Programme zu erstellen«, ergänzt Hubert Schill, der die Toolmotion GmbH im Jahre 2015 mit Claus Fenninger gegründet hat. VIP ist exklusiver Vertriebspartner der Toolmotion, die sich mit der Integration von wirtschaftlichen und kostengünstigen Roboterlösungen in der Produktion beschäftigt und den VIP Navigator maßgeblich entwickelt hat. »Kuka war für uns der geeignete Roboterhersteller für solch eine Lösung– zum einen bieten die Augsburger das meiste Potenzial für den Navigator, zum anderen kannte ich mich mit den Steuerungen von Kuka bereits sehr gut aus«, so Schill.

Potenzielle Erweiterung der Roboteraufgaben

Gewünschte Bewegungen werden per Druck auf den Navigatorknopf abgespeichert. Die dazu bereitgestellte Software erfasst einzelne Punkte oder Aufzeichnungen von ganzen Bahnbewegungen. Diese einfache Bedienbarkeit ohne Kenntnis der Koordinaten eines Roboters war bisher nicht möglich, was Unternehmen ohne entsprechende Fachkräfte in der Automatisierung einschränkte. Der VIP Navigator steigert die Produktivität durch Zeitersparnis und hilft durch intuitives Handführen, Fehler zu vermeiden. Roboter erweitern so ihre Aufgabengebiete und werden beispielsweise als Hebezeuge für schwere Lasten genutzt. Diese können mit dem Navigatorknopf an eine gewünschte Stelle geführt werden, wo die Weiterverarbeitung erfolgt.

»Dies entlastet die Mitarbeiter und erhält langfristig deren Leistungsfähigkeit«, so Kuhn. Zudem können Bereiche erschlossen werden, in denen Roboter noch wenig eingesetzt werden. Dazu ist die Lösung sehr flexibel. Der Sockel, auf den der Navigator aufgesteckt wird, wird an beliebiger Stelle am Tool des Roboters befestigt.

»Mit dem Justage-Sensor erfolgt die Errechnung der Sockelkoordinaten. Die Verbindung zur Robotersteuerung erfolgt über Funk, so dass keine störenden Kabel eingesetzt werden müssen. Der Zustimm-Taster im T1-Modus gewährleistet durchgehende Sicherheit«, so Schill.

Großes Potenzial durch Stillstandvermeidung

Mit der kundenunabhängigen Entwicklung möchten Toolmotion und VIP neue Märkte erschließen. Die Lösung wurde erstmals auf der Lasermesse Lasys 2016 präsentiert und ist jetzt bereits bei einigen namhaften Unternehmen im Einsatz. »Die Resonanz ist bisher sehr gut«, freut sich Kuhn. »Wenn eine Roboterzelle mit dem VIP Navigator einmal – aus welchen Gründen auch immer – stehen bleiben sollte, kann ein Werker ohne Vorkenntnisse den Roboter intuitiv und frei fahren und aus dem Gefahrenbereich bewegen«, erläutert Kuhn. Würde der Roboter ohne Navigator falsch bedient werden, käme es schnell zu Stillständen. »Die einfache Nutzung sowie das einfache Nachteachen von Positionen macht den Navigator für Kuka-Roboter zu einem einmaligen Produkt mit hohem Kundennutzen«, ist Schill überzeugt.

Erschienen in Ausgabe: 04/2017