Interne Prozesse optimieren

Als einer der Weltmarkführer für Antriebs- und Automatisierungstechnik ist es für SEW-Eurodrive entscheidend, interne Abläufe und Prozesse ständig zu überprüfen und unablässig zu optimieren. Vor drei Jahren entschied man sich die Bereiche Erstmusterprüfung und Wareneingangsprüfung effizienter zu gestalten, und führte nach umfangreicher Marktanalyse entsprechende Software-Module der Iqs Software GmbH aus dem badischen Bühl ein.

19. Januar 2015
Das Großgetriebewerk von SEW-Eurodrive am Standort Bruchsal.
Bild 1: Interne Prozesse optimieren (Das Großgetriebewerk von SEW-Eurodrive am Standort Bruchsal.)

SEW-Eurodrive wurde 1931 als „Süddeutsche Elektromotoren-Werke“ von Christian Pähr in Bruchsal gegründet und 1945 von seinem Schwiegersohn Ernst Blickle übernommen. Der Grundstein für den Erfolg des Unternehmens wurde 1965 gelegt, als Ernst Blickle das Prinzip des Baukastensystems einführte, das ein sehr fein abgestuftes Angebot aller Antriebskomponenten umfasste. Es erlaubt bis heute eine sehr große Anzahl von Kombinationsmöglichkeiten der Einzelkomponenten und garantiert dadurch neben einer enorm großen Produktvielfalt auch eine sehr hohe Einbauflexibilität und Wirtschaftlichkeit. Insgesamt kann SEW auf diese Weise viele Millionen Antriebsvarianten anbieten.

Ihre Kernkompetenz hat SEW-Eurodrive bei Getriebemotoren, Frequenzumrichtern, Servo- und Dezentralen-Antriebssystemen sowie Industriegetrieben. Allein in den letzten zehn Jahren konnte die Firma, die seit 1931 als Familienunternehmen geführt und geleitet wird, Umsatz und Mitarbeiterzahl verdoppeln. Heute ist SEW mit 15 Fertigungswerken und 75 Drive Technology Centern (DTC) in insgesamt 45 Ländern weltweit vertreten. Eine Weiche für die Zukunft wurde im Februar 2011 mit der Gründung eines Joint-Ventures mit dem Unternehmen Brose gestellt, um Lösungen für Elektromobilität zu entwickeln.

Die SEW-Werke in Bruchsal und Graben-Neudorf

Am Sitz der Firmenzentrale im badischen Bruchsal verfügt SEW- Eurodrive über zwei Fertigungswerke: das Werk Bruchsal Elektronik und das Großgetriebewerk Bruchsal (GGW-Bruchsal), ein modernes Werk mit nachhaltigem Umweltschutzkonzept, das im Jahr 2010 in Betrieb genommen wurde. Für das Fertigungs- und Logistikwerk in Graben-Neudorf und das wenige Kilometer entfernte GGW in Bruchsal wurde im Jahr 2009 die Einführung eines elektronischen Erstmusterprüfberichts (EMPB) in Betracht gezogen.

Erstbemusterung sichert die Qualität

Die Erstbemusterung stellt sicher, dass die kritischen Merkmale und Parameter eines Bauteils geprüft werden und den Qualitätsansprüchen des Kunden entsprechen, bevor das Bauteil in Serie gefertigt wird. Hierfür prüft der Lieferant an Musterteilen bestimmte Merkmale, die in der technischen Zeichnung vom Kunden vorgegeben werden (Sollwerte) und stellt die gesamten Messergebnisse (Ist- und Sollwerte) anschließend in einem Erstmusterprüfbericht zusammenfassend dar. Bei Abweichungen zwischen den Soll- und Istwerten wird der generierte Abweichungsbericht mit dem Lieferanten besprochen, notwendige Korrekturen am Bauteil werden umgesetzt. Eine Serienfreigabe kann nur nach der Abstellung aller kritischen Fehler erteilt werden.

Klassische Erstbemusterung

Vor der Einführung der Iqs-Software wurde in den Werken von SEW-Eurodrive noch klassisch bemustert. SEW stellte seinen Lieferanten den Sollmessbericht und die technische Zeichnung in Papierform zur Verfügung, ebenso wurde der komplette Erstmusterprüfbericht vom Lieferanten als Papierausdruck an SEW-Eurodrive übermittelt. Die Messergebnisse wurden anschließend von Hand auf die Einhaltung der vorgegebenen Zeichnungsmaße überprüft. Je nach Komplexität des Bauteils handelte es sich bei einem EMPB jedoch um den Abgleich von 700 Maßen – eine enorm zeitaufwändige Arbeit, die noch dazu ein hohes Fehlerpotenzial barg.

Die Zeichnungen und Berichte wurden bis zu diesem Zeitpunkt alle in Papierform abgelegt. Um die Ergebnisse der EMPBs intern an weitere Mitarbeiter aus der Fertigung und der Montage zu kommunizieren, mussten die Prüfberichte und Zeichnungen eingescannt oder kopiert werden, diese wurden dann per E-Mail oder Hauspost verschickt.

iqs-Testversion überzeugte

Um diese Prozesse effizienter zu gestalten und sämtliche Zeichnungen und Berichte einfacher handhaben und übersichtlicher verwalten zu können, war es der Wunsch von SEW-Eurodrive, den Abgleich der Unterlagen im Bemusterungs- und Wareneingangsbereich im Großgetriebewerk-Bruchsal sowie im Fertigungs- und Logistikwerk Graben-Neudorf elektronisch abzuwickeln. Nach gründlicher Marktanalyse und dem Besuch bei einem Iqs-Referenzkunden, der bereits seit Jahren mit seinen Lieferanten EMPBs digital austauscht, entschied man sich, die Softwaremodule von der Iqs Software GmbH aus dem badischen Bühl auf ihre Einsatzmöglichkeiten in den SEW-Werken zu prüfen. Hierzu stellte Iqs über mehrere Wochen eine Testversion im Gussbereich zur Verfügung und schulte die entsprechenden Mitarbeiter vor Ort. Aufgrund der intuitiven Bedienbarkeit waren die Berührungsängste der Mitarbeiter schnell abgebaut und die Akzeptanz sehr groß. Auch das sehr gute Preis-Leistungs-Verhältnis der Software überzeugte und führte schließlich zur Kaufentscheidung.

Perfekte Anbindung

Innerhalb von nur zwei Monaten konnte die komplette Einführung der Module Iqs EMPB und Iqs WE abgeschlossen werden. Die Anbindung an die bestehende IT-Struktur verlief problemlos. Ebenso werden die Zeichnungsdaten, zur Erstellung der Sollprüfberichte vom CAD-System (Solid Works) fehlerfrei als dxf- und tif-Dateien eingelesen und 3D-Datensätze von iqs EMPB übernommen.

Für interne Messungen z. B. im Wareneingang oder bei Nachmessungen an Musterteilen wurde eine Schnittstelle zum Faro-Messarm und Calypso-Software sowie eine Anbindung zur 3D-Messmaschine von Zeiss eingerichtet. Die Übernahme der Messdaten in den EMPB funktioniert reibungslos.

Zeitersparnis bis zu 50 Prozent

Bereits nach kurzer Zeit konnte die neue Software die Erwartungen erfüllen. Allein im Gussbereich in Graben-Neudorf werden jährlich ca. 300 EMPBs mit der Iqs-Software abgewickelt. Durch die automatische Übernahme der Sollmaße / Toleranzen und der Positionierung der Zeichnung wird bei der Erstellung von Sollmessberichten oder Prüfplänen im Wareneingang bei komplexen Bauteilen eine Zeitersparnis von 50 Prozent erzielt. Besonders bei sehr anspruchsvollen Getriebekomponenten mit vielen Maßen bedeutete der Einsatz der Software eine große Erleichterung.

Der Datenaustausch mit den Lieferanten hat sich ebenfalls deutlich verbessert: SEW-Eurodrive stellt seinen Lieferanten den Sollmessbericht nun elektronisch zur Verfügung, dieser fügt im nächsten Schritt die Ist-Maße hinzu und sendet den fertigen EMPB wieder zurück an SEW-Eurodrive. So werden von vornherein Unstimmigkeiten vermieden, welche Maße bemustert werden sollen. Durch die automatische Übernahme der CAD-Daten zur Erstellung des Sollmessberichts gibt es keine Übertragungsfehler mehr. Da Abweichungen der Ist-Werte von den Sollmaßen in einem gesonderten Abweichungsbericht auf Knopfdruck übersichtlich dargestellt werden, können diese mit den Lieferanten bereits im Vorfeld besprochen und eventuelle Korrekturen oder Zeichnungsanpassungen geklärt werden.

Vereinfachte Requalifizierung

Die Requalifizierung von Serienteilen ist mit der neuen Software sehr viel einfacher durchzuführen: Alle Bauteile sind mit den Stammdaten und mit den bisher erstellten Prüfberichten in der Software abgelegt. Die Versionierung der Prüfberichte erfolgt sowohl auf der Ebene der Berichte wie auch der Merkmale.

So kann bei der Requalifizierung über die Versionierung der einzelnen Maße deren Entwicklung als Lebenslauf dargestellt werden. Gerade bei kritischen Maßen hat sich diese Funktion als sehr sinnvoll erwiesen. Es ist z. B. schnell erkennbar, wie sich der Verschleiß eines Werkzeuges auf ein Bauteil oder Merkmal auswirkt. In Papierform war ein solcher Vergleich nur sehr aufwändig durchzuführen.

Optimaler Workflow

Die interne Kommunikation bei SEW-Eurodrive hat sich durch die Einführung des elektronischen EMPBs deutlich vereinfacht, die Kommunikationswege sind kürzer und transparenter geworden. Der interne Workflow, über den die EMPBs verteilt werden, startet bereits mit der Bestellung der Teile im Einkauf. Jede Abteilung und jeder Mitarbeiter hat stets Zugriff auf die ihn betreffenden Dokumente, die immer in der gerade aktuellen Version vorliegen. Dadurch, dass von jedem Bildschirm aus auf den Messbericht zugegriffen werden kann, ist auch eine viel größere Transparenz gewährleistet, die nötig ist, um jeweils schnell die richtige Entscheidung zu treffen.

Fazit

In den deutschen Werken SEW-Eurodrive konnten sowohl die Erstbemusterung als auch die Wareneingangsprüfung mit den Software-Modulen der Iqs Software GmbH schnell und problemlos auf eine digitale Abwicklung umgestellt werden. Das dadurch erzielte Einsparpotenzial ist hoch, die interne wie auch die Kommunikation mit den Lieferanten hat sich deutlich vereinfacht und verbessert. Die Zusammenarbeit zwischen Iqs und SEW-Eurodrive sowie der Service funktioniert reibungslos. Das Unternehmen nutzt den Faktor Zeit und kommt schnell und sicher zur Serienfreigabe.