Interessanter Schnitt

Von Sonderwünschen zum technisch Machbaren

Als die Brockhaus Stahl GmbH im Juli zum Pressetreffen lud, gab es einiges zu berichten. Insbesondere die technisch außergewöhnliche Längsteilanlage, die Spaltband in einem extremen Breiten-/Dickenverhältnis liefern kann, erfuhr die ungeteilte Aufmerksamkeit. Doch auch die Vorstellung der verschiedenen Unternehmensbereiche zeigte, wie intensiv die Erfahrungen in Produkte und Ideen eingearbeitet wurden.

11. Dezember 2002

Dipl. -Kfm. Dirk E. Brockhaus, geschäftsführender Gesellschafter von Lennetal Stahlhandel und Brockhaus Messtechnik sowie Geschäftsführer von Brockhaus Stahl, und der technische Leiter von Brockhaus Stahl, Peter Teske, sowie der Geschäftsführer der Brockhaus Messtechnik, Dipl.-Ing. Stefan Siebert, hatten viel zu berichten. So informierten sie nicht nur über die organisatorischen Veränderungen der Unternehmensgruppe, sondern zeigten auch die interessanten Entwicklungen der Unternehmensbereiche auf.

Regionaler Dienstleister

Die Lennetal Stahlhandel GmbH in Plettenberg ist ein in der Branche bekanntes Unternehmen. Die bereits 1958 als reiner Stahlhandelsbetrieb gegründete Firma hat sich in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr zum Dienstleister im Feinblech- und Warmbandsektor gewandelt. In der direkten Nachbarschaft ist die in diesem Jahr neu gegründete Brockhaus Stahl GmbH, die zum 1. April den Spaltbetrieb des Kaltwalzwerkes Brockhaus übernommen hat, angesiedelt. Zur Unternehmensgruppe zählt noch ein weiteres Unternehmen, die in Lüdenscheid ansässige Brockhaus Messtechnik GmbH & Co. KG. Dieses Unternehmen hat sich einen weltweiten Namen im Bereich der Messung von weich- und hartmagnetischen Werkstoffen erworben. Doch nun erst einmal der Reihe nach.

Stahlblech in allen Qualitäten und Formaten

Als das Stahl Service Center Lennetal 1979 die erste Querteilanlage zum Abtafeln von Feinblech installierte, war der Grundstein für einen erfolgreichen regionalen Handel gelegt. Inzwischen verfügt Lennetal über vier Querteilanlagen, drei automatische Schneidezentren und fünf Tafelscheren. Das Unternehmen mit etwa 70 Mitarbeitern hat sich auf die Herstellung hochwertiger Zuschnitte aus Feinblech spezialisiert und kann Blechdicken von 0,5 bis 6 mm, Breiten von 2.020 mm und Längen bis 6.500 mm verarbeiten. Ob warm- und kaltgewalzte, feuerverzinkte, elektrolytisch verzinkte, farblackierte oder kunststoffbeschichtete Coils verarbeitet werden müssen, das breite Qualitätsspektrum kann flexibel und schnell verarbeitet werden. Für die reibungslose Materialzu- und -abführung sorgen ein eigener Bahnanschluß sowie der 24-Stunden-LkW-Be- und Entladeservice. Die neueste Querteilanlage erlaubt eine schnelle und flexible Umstellung bei der Verarbeitung der unterschiedlichen Materialqualitäten. Zwei gutsortierte Coil-Lager und drei Produktionshallen ermöglichen die schnelle Abarbeitung der Kundenaufträge. Die gesamte Auftragssteuerung erfolgt über Rechner und es werden etwa 4.000 Tonnen Material im Monat zugeschnitten. „Die Anlagen sind gut ausgelastet“, verrät der technische Leiter von Brockhaus Stahl, Peter Teske. „Die Kunden können mit kurzen Lieferterminen rechnen und so manches Mal haben wir die Coils am Freitag per LKW angeliefert bekommen und am Sonntag konnte der LKW mit der geschnittenen Ladung wieder vom Hof rollen. Diese Flexibilität wird immer wichtiger, denn unsere Kunden aus der Büro-, Lager- und Betriebseinrichtungs-Branche, der Automobilzuliefererindustrie, Lampenindustrie, Heiz- und Wärmetechnik, der Klimatechnik und dem Schalt- und Gerätebau haben oft knappe Liefertermine, und wir helfen ihnen, diese auch einzuhalten“, so Peter Teske abschließend.

Interessanter Schnitt

Dirk E. Brockhaus, der Geschäftsführer von Brockhaus Stahl, zeigt den Teilnehmern des Pressetreffens die Produktionshallen des jungen Unternehmens, gleich in der unmittelbaren Nachbarschaft von Lennetal. Hier steht die interessante Längsteilanlage, in der das Unternehmen viele eigene Konstruktionsideen verwirklicht hat. Das flexible 25-Mann-Unternehmen schneidet für namhafte Stahlunternehmen und kann Materialien von 1,5 bis 16 mm Dicke, 200 bis 1.300 mm Breite bearbeiten und eine Mindeststreifenbreite von 25 mm realisieren. Das maximale Coil-Gewicht darf 30 Tonnen betragen. Auch in diesem Werk sorgt ein eigener Bahnanschluß dafür, daß die Stahlbänder mit möglichst kurzen Wegen auf die Brockhaus-Längsteilanlage gelangen. Die Abhaspeleinrichtung kann Coils mit einem Innendurchmesser von 400 bis 900 mm und einen Außendurchmesser von 1.100 bis 2.000 mm aufnehmen und die Aufwickelhaspel Innendurchmesser von 508 bis 600 mm sowie Außendurchmesser bis 1.960 mm.

„Das Besondere an dieser Anlage ist die Möglichkeit, daß wir hier ein extremes Breiten-Dicken-Verhältnis schneiden können. So können wir im oberen Dickenbereich Querschnitte von etwa 13 x 44 mm, 10 x 32 mm oder auch 8 x 25 mm realisieren. Eine solche Längsteilanlage finden Sie nur selten in europäischen Stahl-Service-Centern“, erklärt Dirk E. Brockhaus. „Zudem sind wir in der Lage, saubere, glatte Schneidkanten zu erzielen, die bei vielen Kundenanforderungen nicht mehr nachgearbeitet werden müssen und häufig direkt als & pos;Funktionskante& pos; bei Kundenprodukten dienen“, ergänzt der technische Leiter, Peter Teske. Doch die Brockhaus-Anlage kann noch mehr. Auf ihr können mit sehr kurzen Rüstzeiten Werkstoffe verschiedenster Art und mit unterschiedlich empfindlicher Oberfläche längsgeteilt und besäumt werden. Das Produktspektrum reicht von Warmband (schwarz und gebeizt) über Kaltband (legiert und unlegiert) bis hin zu NE-Metallen (gewalzt und gefräst) und Edelstahl (rostfrei).

Im Dienste des Kunden

„Wir haben inzwischen Kunden in ganz Europa und sind im Voll- und Lohngeschäft vertreten. Da wir den Kunden echte Spezialitäten bieten können und in Plettenberg über ein versiertes Team mit ausgeprägtem Know-how verfügen, können wir individuelle Kundenlösungen anbieten und auch Sonderwünsche in das technisch Machbare umsetzen“, so Dirk E. Brockhaus. „Brockhaus Stahl verfügt derzeit über einen Lagerbereich von 3.500 m² und damit eine Aufnahmekapazität von etwa 15.000 Tonnen. Hier werden auch Kundenmaterialien gelagert. Der direkte Anschluß an das Schienennetz der Deutschen Bahn AG, verbunden mit dem 24-stündigen LKW-Be- und Entladeservice, sowie unser gut sortiertes Vormateriallager garantieren eine zuverlässige Versorgung“, erläutert der Geschäftsführer abschließend. Die Kunden aus dem Automobilsektor, Stanzereien, Scharnierhersteller, E-Motoren-Hersteller et cetera profitieren aber nicht nur vom Know-how beim Längsteilen, auch die Brockhaus Messtechnik ermöglicht den Kunden, sich von der Qualität ihrer Produkte zu überzeugen.

An die Betriebsführung schloß sich dann die Präsentation der Brockhaus Messtechnik an. Dipl.-Ing. Stefan Siebert, Geschäftsführer des 20-Mitarbeiter-Unternehmens aus Lüdenscheid erläuterte den Werdegang und die Produktpalette der 1975 aus Brockhaus entstandenen Emicon-Messtechnik. „Der Ursprung der Brockhaus Meßtechnik lag in der Erfahrung mit der Dickenmessung von Walzstahl mit einem magnetischen Verfahren. Dieses als & pos;Industrie-Messtechnik& pos; bekannte Verfahren entwickelte sich rasant weiter.

Vom Sensor zu neuen Anwendungsbereichen

Viele unserer Kunden brachten uns auf Applikationen, an die wir selbst gar nicht gedacht hatten. So kamen wir dazu, die Mess- und Sensortechnik auf andere zu erweitern, insbesondere auf die Messung der magnetischen Eigenschaften von Werkstoffen. Sei es die Qualitätsüberprüfung von Elektroblech oder ein Schattenmasken-Meßgerät für Bildschirmschattenmasken (Lochmasken), berührungslose Dickenmeßverfahren mit 1µm Auflösung oder ein mit Voest-Alpine realisiertes, vollautomatisches Roboter-Meßsystem und zahlreiche Meßsysteme für weich- oder hartmagnetische Werkstoffe, die Entwicklung hat uns oft selbst positiv überrascht. Auch Magnetisierer gehören inzwischen zum umfangreichen Produktprogramm. Zudem verfügen wir über ein Meß- und Kalibrierlabor zur Prüfung von weich- und hartmagnetischen Werkstoffen gemäß IEC 60404 und darauffolgenden Normen.“

Die Brockhaus-Messtechnik zeigt sich sehr aktiv in Normenausschüssen und richtet vom 17. bis 19. September 2002 die 7. internationale 2-dm-Tagung (7th International Workshop on 1& 2-Dimensional Magnetic Measurement and Testing) im eigenen Hause in Lüdenscheid aus. Die 2-dm wurde 1991 zum 1. Mal in Braunschweig durchgeführt und beschäftigt sich mit Meßtechnik zur Bestimmung der magnetischen Eigenschaften magnetischer Werkstoffe. Lange standen zwei-dimensionale Phänomene wie Rotationsverlust und Anisotropie im Vordergrund. Dabei handelt es sich um magnetische Effekte, die insbesondere bei rotierenden elektrischen Maschinen wie Motoren und Generatoren, aber auch bei Transformatoren, bedeutend sind. Seit der 6. Konferenz in Bad Gastein ist der Themenbereich um die klassischen Aspekte ein-dimensionaler Testverfahren erweitert worden. Hier steht die produktions- und anwendungsnahe Meßtechnik im Vordergrund. Bei der diesjährigen Konferenz werden neben den weichmagnetischen Meßanwendungen erstmals auch die Meßtechnik für Dauermagnete Bestandteil der Konferenz.

Als Hersteller von Meßgeräten und -systemen für die Qualitätssicherung und Werkstoffprüfung magnetischer Werkstoffe ist Brockhaus erstmals auf der Euroblech vertreten. In der Halle 14, Stand F44 wird das Unternehmen Meßgeräte speziell für die Kontrolle magnetischer Stähle und Bleche zeigen. So zum Beispiel ein Meßgerät für die Prüfung von Elektroblechen, welche im Transformatoren- und Elektromotorenbau eingesetzt werden.

Qualitätssicherung demonstrieren

Ein weiterer Bereich wird die Messung des Austenitanteils in Stahl sein, bedeutsam für Güte und Verwendbarkeit, zum Beispiel im Automobilbau.

Erschienen in Ausgabe: 09/2002